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(Signierstunde)
von Thomas Kögel Dienstag, 24. November 2009
Im gereimten Prolog verknüpft der Autor die Geschehnisse in Prototyp (die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies und die Strafe für die Schlange) mit der neuen Geschichte und führt den Leser schließlich zu Noah. Dieser ist im Buch Genesis ein gerechter, strenggläubiger Mann, ganz im Gegensatz zu den sündigen Bewohnern von Sodom und Gomorrah. Der strenge Gott des Alten Testaments will seine Schöpfung kurz nach dem Start schon wieder ausradieren, verschont wird nur Noahs Familie und die Tierwelt, denn Noah darf von jeder Art ein Pärchen mitnehmen.
Gott ist alles andere als begeistert von diesem Vorschlag, geht aber darauf ein – nicht ohne Noah eine dicke Lektion für dessen moralische Anmaßungen und seine geistige Borniertheit zu erteilen. Noah (von König dargestellt als miesepetriger alter Zausel mit Zottelbart) staunt nicht schlecht, als er seine Arche nun auch noch mit allerhand Tieren vollpacken soll. Der Verlauf der Sintflut wird für Noah schließlich zum Lehrstück in Sachen Toleranz.
Auch wenn die Moral am Ende etwas dick aufgetragen wird: Was Ralf König mit Archetyp gelungen ist, ist ganz große Comickunst. Dieser Comic ist weder eine plumpe Parodie noch eine provokante Verhöhnung der Bibel – nein, der Atheist König nimmt den biblischen Text durchaus ernst und betrachtet ihn mit den Augen eines aufgeklärten, modernen Menschen des 21. Jahrhunderts. Sein Noah ist deutlich als Karikatur des konservativen, intoleranten Spießers zu erkennen, wie es ihn – quer durch alle Religionen – immer gab und bis heute gibt. Dabei schafft Archetyp den Spagat, ernsthafte Denkanstöße zu geben, gleichzeitig aber auch umwerfend komisch zu sein.
Nicht nur, dass Ralf König seit Jahren zu den besten und wichtigsten deutschen Comicerzählern gehört. Er wird auch noch immer besser.
Archetyp
Rowohlt Verlag, September 2009
Text und Zeichnungen: Ralf König
Hardcover; 140 Seiten; farbig; 16,90 Euro
ISBN: 978-3-498-03549-5

Abbildungen: © Ralf König / Rowohlt Verlag
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Eine Holmes-Parodie als Comic - so könnte die Serie Baker Street
aus der Feder von Szenarist Pierre Veys (Harry Cover - Die
bezaubernde Parodie) und Zeichner Nicolas Barral auf den Punkt
gebracht werden. Das Duo hat zuvor bereits bei der Krimi-Satire Die
Abenteuer von Philip und Francis zusammengearbeitet, die inhaltlich
und stilistisch die Baker Street-Geschichten quasi vorweggenommen
hat, aber nach einem Band eingestellt wurde.
- 22.08.2010
Die Erfinder des glorreichen Comics
Es ist ein alter Scherz aus den Urzeiten des Internets, der sich bis
heute gehalten hat: Bielefeld gibt es gar nicht. Alles was auf die
Existenz dieser Stadt hindeutet, ist ein Gerücht, gestreut von bösen
Mächten (wahlweise CIA, Illuminaten oder Außerirdische), die die
Bevölkerung einlullen wollen, indem sie so tun, als würde es die Stadt
wirklich geben. Mit dieser Satire, die sich weniger über
Bielefeld lustig macht als vielmehr über die zahlreichen
Verschwörungstheorien, die gar nicht krude genug sein können,
beschäftigt man sich natürlich auch in Bielefeld selbst. An der
dortigen Hochschule entstand vor kurzem der Film Die Bielefeld Verschwörung, begleitend dazu erschien auch ein Roman und eine Comic-Adaption.
- 18.07.2010
Was wäre, wenn Gott wirklich existierte? Und wenn er sich auf der Erde blicken lassen würde, nicht wie beim ersten Mal in Jesus Christus, sondern höchstpersönlich? Welchen Medienrummel würde er auslösen? Welche Zweifel an seiner Authentizität wecken, welchen Zuspruch hervorrufen, welche Gegnerschaft auslösen? Marc-Antoine Mathieu wirft diese Fragen auf und zeichnet einen genauso kurzweiligen wie intelligenten Comic. Auf höchst raffinierte Weise kultiviert Mathieu einen feinen ironischen Humor, der die Lektüre durchgängig zum Vergnügen macht. Und mich mit Spannung warten ließ, wie diese Geschichte wohl enden soll ...
Die Publikationsform des Comicmagazins, das seinen Lesern jeden Monat
eine Wundertüte aus verschiedensten Serien und Kurzcomics bietet, hat
ihre Blütezeit längst hinter sich, auch in Frankreich, wo solche
Zeitschriften eine große Tradition haben. In Deutschland hält sich zwar
seit 10 Jahren das wiederbelebte ZACK-Magazin, andere Versuche
(wie z.B. das Fantasy-Heft Magic Attack) scheiterten jedoch. Nun
wagt der JNK Verlag, der auch das Fachmagazin Comixene herausbringt,
einen neuen Versuch: Comix erscheint monatlich zum Niedrigpreis
von nur 2 Euro, gedruckt auf Zeitungspapier und mit einer Besonderheit:
die hier abgedruckten Comics sind keine Lizenztitel aus dem Ausland,
sondern durchweg einheimische Produktionen.
- 06.07.2010