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(Signierstunde)
von Benjamin Vogt Donnerstag, 19. November 2009
Ursprünglich sollte der Titel der deutschen Übersetzung dieses Comics Die kaukasische Ulme lauten. Da sich dieser jedoch lediglich auf eine der
enthaltenen Erzählungen bezogen hätte, tat man bei Carlsen gut daran, den Titel
nochmal zu überdenken. So heißt der Band nun vielsagenderweise Von der Natur
des Menschen; vom ersten Eindruck her klingt der zwar austauschbar und
pathetisch, aber damit hat man von Verlagsseite in jedem Fall den Nagel auf den
Kopf getroffen.
Der Band versammelt acht Kurzgeschichten von Ryuichiro Utsumi, die allesamt von Jiro Taniguchi (Vertraute Fremde, Gipfel der Götter) gezeichnet wurden. Es handelt sich um kurzweilige Reportagen aus dem japanischen Alltagsleben: Ein Mann entdeckt seine Affinität zur Natur, ein Vater lernt seine Tochter kennen, die ohne ihn aufgewachsen ist, eine Großmutter verliebt sich unverhofft, usw. Die Erzählungen folgen meist einem simplen Schema und entwickeln sich aus menschlichen Beziehungen heraus. Trennungsschmerz, Verlust, Liebe, Utsumi liefert dem Leser eine breite Palette an Emotionen, die für jedermann nachvollziehbar sind.
Wie erwähnt sind die knappen Erzählungen recht einfach gestrickt, sie erzählen ruhig und melancholisch von der menschlichen Individualität, davon dass jeder anders mit bestimmten Lebensumständen zurecht kommt. Besonders gut gefallen hat mir persönlich „Das Leben meines Bruders“, eine Story, die der verzwickten Frage nach einem würdevollen Ruhestand nachgeht. Man erlebt darin einen älteren Mann, der aus dem ihm vorgezeichneten Leben sozusagen ausgestiegen ist. Aus Stolz und weil er von seinen Kindern bevormundet wird, zog er vom Haus seines Sohnes überstürzt in ein Einzelzimmer und arbeitet trotz Pension als Dachdecker. Von der Familie wird er deswegen komisch angesehen und sie will ihn auf keinen Fall weiter so leben lassen. Als der jüngere Bruder den alten Mann besucht, kristallisiert sich heraus, dass dessen selbstbestimmter Weg ihm zum Glücklichsein womöglich völlig reicht. Der zwischen den Stühlen sitzende Bruder, und mit ihm der Leser, erhält allmählich die Einsicht, dass man den Lebensstil jedes einzelnen akzeptieren muss.
Diese Episode halte ich deswegen für großartig, da sie ein komplexes Thema innerhalb weniger Seiten und durch eine einzige Unterredung zweier Menschen aufreißt und man selbst zum Nachdenken gebracht wird. Aber auch die anderen Erzählungen in diesem Band brauchen sich beileibe nicht zu verstecken. Mehr als einmal ist man fast zu Tränen gerührt, zudem weiß Taniguchi auf routinierte Weise eben solche emotionalen Momente durch stille, nachdenkliche Bilder zu Papier zu bringen. Seine Zeichnungen sind unaufgeregt und bilden originalgetreu die Realität ab, herausragend wirkt da vielmehr das Gespür für die stets richtige Perspektive und den wechselnden Fokus auf Personen, Umgebungen oder Gegenstände.
Alles in allem bietet sich mit „Von der Natur des Menschen“ eine hervorragende Sammlung an Kurzgeschichten, von denen qualitativ keine abfällt. Insofern muss man für diesen Comic eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. Der einzige kleine Kritikpunkt betrifft weniger den Inhalt als die redationelle Arbeit: Warum beglückt man den Leser mit gleich zwei Biografien zu Jiro Taniguchi (einmal ausführlich am Ende des Bandes, einmal in Kurzform als Klappentext) während man zu Ryuichio Utsumi, immerhin der Autor aller Geschichten, keinerlei Infos erhält? Sehr schade eigentlich.
Von der Natur des Menschen
Carlsen, Oktober 2009
Autor: Ryuichiro Utsumi
Zeichner: Jiro Taniguchi
224 Seiten, Softcover, schwarzweiß; 14,90 Euro
ISBN 978-3-551-78976-1















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Bakuman. von Texter Tsugumi Ohba und Zeichnerlegende Takeshi Obata (Death Note) beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Schaffensprozess von Manga. Und dennoch wird daraus einer der spannendsten, witzigsten und ganz und gar unglaublichsten Manga der letzten Jahre.
2007 könnte als das Jahr in die Comicgeschichtsschreibung eingehen, in
der der deutsche Markt einen Meister aus Japan endgültig entdeckt hat:
den Mangaka Jiro Taniguchi. Endlich, muss man sagen. Der inzwischen
60jährige veröffentlicht seit den siebziger Jahren und wurde
international mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, doch erst jetzt
trauen sich deutsche Verlage, seine Werke hier zu veröffentlichen. Nach den großen Comicromanen Vertraute Fremde (Carlsen) und Die Stadt und das Mädchen sowie der Kurzgeschichten-Sammlung Der Wanderer im Eis (beide Shodoku) erscheint nun die erste längere Serie.
Ein Mann im Gummianzug, der bevorzugt im Wasser spazierengeht. Ein
wohlhabender Händler, der sich nur mit einem Handtuch kleidet und im
Freien schläft. Ein Mann, der Geräusche sammelt, die die Menschen beim
Essen und Trinken machen, um daraus ein Wörterbuch zu erstellen. Ein
Unternehmer, der den Eriesee mit Kohlensäure anreichern und das Wasser
per Pipeline direkt nach New York leiten will. Diese skurillen
Gestalten (und das sind längst nicht alle) bevölkern Ben Katchors Comic
Der Jude von New York, der im Jahr 1830 spielt.
- 04.08.2009
Im Jahr 2002 veröffentlichte Neil Gaiman seinen Roman Coraline,
der als gruseliges Märchen für Jugendliche konzipiert war. Kürzlich war
die Filmadaption dieser Geschichte in den Kinos zu sehen. Noch während
dieser Film entstand, arbeitete Comiczeichner P. Craig Russell an einer
Comicversion von Coraline. Sie erschien 2008 in den USA und
inzwischen auch auf Deutsch. Vergleicht man die beiden Adaptionen, sind
zwei – vor allem visuell – völlig unterschiedliche Geschichten
entstanden.
- 11.10.2009
Heyne, der Neueinsteiger auf dem deutschen Manga-Markt, hat sich mit Samurai Deeper Kyo einen in Japan bereits seit 1999 bewährten Manga ins Boot geholt. Die Geschichte verbindet historisch angehauchte Samurai-Action, wie man sie bereits aus Rurouni Kenshin kennt, mit einer deftigen Portion Humor. Samurai Deeper Kyo wurde bereits 2002 zu einer recht erfolgreichen Anime-Serie umgesetzt, die allerdings in Deutschland bisher noch nicht erhältlich ist.
- 24.04.2006