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von Thomas Kögel Freitag, 06. November 2009
Etwas bekannter als Autor Derrien dürfte hier jedoch der Zeichner sein: Von Xavier Fourquemin liegt, ebenfalls bei Piredda, bereits Die Legende vom Changeling vor. Und tatsächlich liegen beide Serien, was Setting und Stimmung betrifft, recht nah beieinander. Ebenso wie Changeling spielt auch Miss Endicott im London des vorletzen Jahrhunderts, und beide Serien reichern ihren realistischen historischen Hintergrund mit mehr oder weniger dezent eingesetzten Fantasy-Elementen an.
Die Hauptfigur, die diesem Comic den Namen gab, ist eine junge Frau, die ein Doppelleben führt: Tagsüber arbeitet sie bei einer reichen Familie als Kindermächen, doch richtig interessant wird es erst nachts – dann ist Patricia Endicott die "Schlichterin". Als eine Art Ombudsfrau kümmert sie sich um die Probleme der armen Leute, und von denen gibt es nicht wenige in London. Der Comic beginnt mit ihrem ersten Arbeitstag – zuvor war ihre verstorbene Mutter als Schlichterin tätig. Patricia, die zuvor längere Zeit in Indien verbracht hatte, kehrte nach London zurück, um ihre Nachfolge anzutreten.
Jean-Christophe Derrien erzählt eine recht klassische Abenteuergeschichte, angereichert mit ein bisschen Fantasy und etwas Steampunk. An Reiz gewinnt die Story durch ihre Protagonistin, eine starke und selbstbewusste junge Frau, freundlich, liebenswürdig und gewitzt, aber im Ernstfall auch sehr wehrhaft, denn sie verfügt über ausgefeilte Kampfkünste und wirkt wie eine Mischung aus Mary Poppins und Mina Murray aus Alan Moores League of Extraordinary Gentlemen. Allerdings würde man gerne noch erfahren, wie Miss Endicott zu ihren ungewöhnlichen Fähigkeiten gelangte und was sie bei ihrem Aufenthalt in Indien, der mehrfach angedeutet wird, erlebt hat.
Miss Endicott 1: Die Vergessenen
Piredda Verlag, September 2009
Text: Jean-Christophe Derrien
Zeichnungen: Xavier Fourquemin
Hardcover; 80 Seiten; farbig; 19,50 Euro
ISBN: 978-3-941279-32-2

Abbildungen: © Piredda Verlag
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Eine hervorragende Coveridee stimmt gut auf das Album ein. Das Tuch,
welches der Indianer trägt, weist Lilien auf, die zum französischen
Königshaus gehören, sowie den britischen Union Jack. Beides fließt am
Boden zur amerikanischen Flagge zusammen. Da die Handlung während des
Krieges zwischen England und Frankreich spielt, wobei jede Seite
verschiedene Indianerstämme auf ihrer Seite hat, ist das Cover ein
wirklich gelungenes Symbol.
- 09.07.2010
Der Münchner Verlag Schreiber
& Leser veröffenlicht thematisch düstere Comics seit Neuestem unter einem
eigenen Noir-Label. Allerdings nicht im Albenformat, sondern als kleinformatige
Bücher, ähnlich den Splitter Books oder den Comics der Graphic-Novel-Schiene
von Carlsen. Einer von drei Bänden, die hierfür den Anfang bilden, ist der
hervorragende französische Comic Die Packard Gang.
- 05.09.2010
Es ist bereits fünf Jahre her, dass der Carlsen Verlag mit Abersen eine der vielleicht ungewöhnlichsten Fantasyserien startete. Aber
nicht zuletzt die verworrene und fordernde Handlung dürfte dafür gesorgt haben,
dass Abersen bereits nach zwei Alben ein vorzeitiges Ende beschert war.
Ausgeschrieben heißt dieser Comic eigentlich "Tarot - Witch of the Black Rose Band 1: Hexenkrieg" und ist das Ergebnis, wenn Jim Balent, langjähriger Zeichner von Catwoman (1993-1999) und einiger Ausgaben von Purgatori, Lobo u.a. seine selbstgeschriebene Serie umsetzt.