JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1287
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

Januar 2012 Februar 2012 März 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden

Partnerlinks





 



 

Home

von Andreas Fisch Samstag, 24. Oktober 2009

spazierende_cover.jpgDer unermüdliche Pionier Jiro Taniguchi dringt erneut in schwer zugängliche Gefilde des Erzählens vor und erweitert wieder die Grenzen der Comicliteratur – im Buch Der spazierende Mann überaus gelungen.

Was erzählt die Geschichte? Keine Geschichte!

Was ist die Handlung? Keine Handlung!

Wer ist die Hauptperson? Ein gutsituierter Mann ohne Namen!

Gibt es Höhepunkte? Viele, aber so sanft erzählt, dass man sie übersehen kann, wenn man zu eilig liest.

spazierende_bsp1.jpgThema von Taniguchis Der spazierende Mann ist die Rückbesinnung darauf, die stillen, einzigartigen Momente im Leben zu erkennen und zu genießen. Das können Vögel, Schneeflocken, Kinder und vieles weitere sein, die man in ihrer Eigenart gespannt beobachten, hören, erleben kann, wenn man sie denn wahrnimmt. Das können spürbare Erlebnisse sein, sich einmal von Kopf bis Fuß nass regnen zu lassen oder „den Baum berühren, den Baum spüren, eins werden mit dem Baum" (nach ©TOMs Touché). Das sind günstige Gelegenheiten, auch als Erwachsener dem Drang, nachts verbotenerweise einen Zaun zu überspringen und nackt zu baden, oder alle Konventionen missachtend die Chance beim Schopf zu packen, auf dem Dach eines fremden Hauses auf den Sonnenaufgang zu warten.

Solcherlei Ereignisse der kleinen Art beschreibt Taniguchi in 18 Episoden und er schafft es, den Betrachter in die wachsame Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge hineinzuziehen. So fügt er seine Bilder in ruhiger Gestaltung aneinander, oft wortlos und dem Schauen anheimgegeben. Wer dies aus der Meditation, aus Exerzitien oder aus einem wachsamen Spaziergang durch die Natur kennt, wird merken, dass diese Seite in ihm wieder zu klingen beginnt. Ein wunderbarer Weg mit diesem Comic, den ein Text mit seiner unvermeidlichen Wortlastigkeit kaum beschreiten kann.

spazierende_bsp2.jpgDer spazierende Mann ist einzigartig in seinem Thema und seiner Art, es zu präsentieren. Herausragend, meine ich, aber jeder Comicbegeisterte sollte prüfen, ob es die Lektüre ist, in die er sich versenken mag.

Jiro Taniguchi ist ein renommierter und in Japan und Frankreich bekannter Mangaka, im Geschäft seit 1972, seit 1974 preisgekrönt. Der spazierende Mann (1992) ist der 4. Band in der Carlsen-Edition zu Jiro Taniguchi. Die erste Graphic Novel bei Carlsen, Vertraute Fremde (1998 gezeichnet, 2007 auf Deutsch erschienen) ist 2008 denn auch zum besten Comic des Jahres gekürt worden - eine lange Zeit, bis ein guter Comic es schafft, in die deutsche Sprache überzusiedeln. Das zweite Buch bei Carlsen ist Die Sicht der Dinge (1994), das dritte Buch Träume von Glück (1992). Bekannt ist Taniguchi auch durch Werke beim Verlag Leser & Schreiber wie Der Wanderer im Eis (2004), Gipfel der Götter (2000) und Die Stadt und das Mädchen (1999); die Jahreszahlen geben das Entstehungsdatum des japanischen Originals an.


Der spazierende Mann
Carlsen Verlag, März 2009
Zeichnungen/Text: Jiro Taniguchi

Nachwort von Andreas Platthaus
165 Seiten, Softcover, s/w, 14 Euro
ISBN 9-783551-77791-1


Selten, herausragend, aber nicht für alle!

Jetzt bei ComicCombo anschauen und bestellen!
Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © Carlsen Verlag



Trackback(0)
Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Cherry Blossom Girl
    In der Welt der Comics werden Frauen meistens aus der Phantasie von Männern geschaffen. Angesichts des prekären Standes von Comics in der Kulturindustrie wäre es aber falsch, wenn man das gesamte Medium als Vehikel für regressive Männerphantasien bezeichnet.
    Cherry Blossom Girl von Jule K. ist eine Geschichte, die von dem bewegten Alltag einer neunundzwanzigjährigen Frau erzählt. Als Teenager hieß sie Nele, doch mit dem Verzehr von halb vergorenen Kirschen mutierte sie zum extrem cool aussehenden Cherry Blossom Girl, das Frauen davor rettet, mit Liebeskummer, Eifersucht, dummen Anmachen oder peinlichen Situationen konfrontiert zu werden. - 08.04.2006
  • Die drei Paradoxien

     Paul Hornschemeier dokumentiert einen Besuch bei seinen Eltern, während dessen er an einem Comic zeichnet, der ihm einfach nicht gelingen will. Immer wieder verwirft er die Seiten und sieht sich mit der Frage konfrontiert, wohin seine Geschichte um einen Jungen, der ebenfalls Paul heißt und einen Zauberbleistift besitzt, eigentlich führen soll. Während seines Aufenthaltes schweifen Hornschemeiers Gedanken aber auch immer wieder in seine Jugend ab.

    - 02.03.2009
  • Träume von Glück
     Träume von Glück stammt aus der Schaffenszeit, in der Jiro Taniguchi hauptsächlich alltägliche Themen aufgreift und sie in einem ruhigen Erzählstil darbietet. Inhaltlich fasst Träume von Glück fünf recht unterschiedliche Kurzgeschichten zusammen. Die ersten vier Kurzgeschichten handeln von einer Familie und ihrem Umgang zuerst mit einem Hund, dann mit Katzen und später einer Verwandten, wobei in dieser letzten Geschichte die Katzen kaum noch eine Rolle spielen. - 15.12.2008
  • An Bord der Morgenstern

    Dominique Duprez (Künstlername „Riff Reb's“) präsentiert uns eine handfeste Piratenstory, fernab von jeglicher Romantisierung. Seine Comicgeschichte, die im Jahr 1718 angesiedelt ist, beginnt bereits mit einem kleinen Jungen, der aus Habgier ein Mädchen ermordet und kurz darauf auf einem Schiff anheuert. Überhaupt wird im Folgenden die Freibeuterei in vielleicht nicht all ihrer, aber zumindest in gehöriger Grausamkeit dargelegt.

    - 18.04.2011
  • Das Ende der Welt
     In einer regnerischen Nacht geschieht ein schrecklicher Unfall: Eine Familie ist mit ihrem Wagen gerade auf dem Weg ins Krankenhaus, da bei der Mutter die Wehen eingesetzt haben, als ein Baumstamm, durch das Unwetter entwurzelt, auf das Fahrzeug fällt. - 07.08.2009