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(Signierstunde)
von Thomas Kögel Dienstag, 06. Oktober 2009
Nur in der ersten Episode erzählt Flix eine eigene Anekdote, ansonsten lässt er Freunde und Bekannte zu Wort kommen und setzt deren "Erinnerungen an hier und drüben" (so der Untertitel des Buchs) in Bilder um. Fast alle von ihnen sind heute wohl zwischen 30 und 40 Jahre alt, erlebten folglich die Zeit der deutschen Teilung als Kinder. Es sind also Kindheitserinnerungen: an die 80er Jahre, an die BRD, an die DDR und vor allem an die jeweilige persönliche Beziehung zu "drüben". Das Verhältnis zwischen ehemaligen "Ost-Kindern" und "West-Kindern" hält sich dabei in etwa die Waage.
Die kurzen Episoden erzählen kleine Geschichten, manchmal harmlos, manchmal witzig, manchmal nett, zwischendurch aber auch mit sehr ernsthaften Untertönen. Auch Mauertote und Stasispitzel sind Thema, werden aber eher subtil behandelt. Im Vordergrund stehen alltägliche, private Erlebnisse, die Politik liefert nur den Hintergrund. Am Stück gelesen erlauben die Da war mal was-Comics einen guten Blick auf die Art, wie das deutsch-deutsche Verhältnis aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen aussah. Ein Blickwinkel, der in den üblichen medialen Erinnerungsformaten, wie sie jetzt wieder überall zu sehen und zu lesen sind, eher selten vorkommt.
Dieser Band (der natürlich nicht ganz zufällig passend zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls erscheint) erweist sich nicht nur als kurzweilige und visuell äußerst vielseitige Lektüre, sondern bietet mit den ganz persönlichen, grafisch interpretierten Erinnerungen auch eine "Oral History", einen originellen Beitrag zur deutsch-deutschen Geschichtsschreibung, der sich angenehm vom Guidoknopp'schen Erinnerungs-Einerlei abhebt.
Da war mal was ... Erinnerungen an hier und drüben
Carlsen Comics, August 2009
Text und Zeichnungen: Flix
Hardcover; 96 Seiten; farbig; 14,90 Euro
ISBN: 978-3-551-78968-6

Abbildungen: © Carlsen Verlag
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Im März 2004 fasste Lewis Trondheim einen Entschluss: Der französische
Zeichner, der mit 39 Jahren schon auf ein beeindruckend umfangreiches
Werk zurückblicken konnte, wollte nach 14 Jahren des pausenlosen
Zeichnens eine lange Pause einlegen, ohne ein Album zeichnen zu müssen.
Eine Zeitlang wollte er von kleinen Werbeaufträgen, Lizenzeinnahmen und
dem Schreiben von Szenarios leben und als Koordinator für die
Zeichentrick-Version seines Comics Le Roi Catastrophe arbeiten. Doch
daraus wurde nichts. Nach 80 Tagen musste Trondheim wieder zeichnen.
Will Eisner – kann man ihn unvoreingenommen lesen, ohne gleich von seinem vorauseilenden Ruf in der Comicszene erschlagen zu werden? Dürfte man sich als Comicrezensent überhaupt herausnehmen, diesen „wichtigsten Zeichner Amerikas" (F.A.Z.) zu kritisieren? Ich habe versucht, den ersten Band der „Will Eisner Bibliothek" im Carlsen Verlag, Ein Vertrag mit Gott – Mietshausgeschichten so zu lesen, wie es ein unbescholtener Textbücher-Leser tun würde, dem plötzlich dieser voluminöse Band in die Hände fällt – und war schlichtweg begeistert!
- 25.10.2010
Noch bevor Flix mit Held und dessen Nachfolgebänden seinen
Durchbruch als Comiczeichner schaffte, hatte er bereits einen Comic bei
Eichborn veröffentlicht, der mittlerweile längst vergriffen ist: Who the Fuck is Faust?,
seine parodistische Version des großen deutschen Literaturklassikers.
Im letzten Jahr kehrte Flix zurück zu diesen Wurzeln und widmte sich
noch einmal dem Faust. Für die FAZ entstand ein
80-teiliger Fortsetzungscomic, der von Juli bis Dezember 2009 lief und
nun als leicht überarbeitete Buchausgabe bei Carlsen vorliegt.
- 21.07.2010
Spätestens seit Walk the Line
im Kino lief, kann man guten Gewissens von »Cashmania« reden. Franz Dobler, Autor der Cash-Biographie The Beast In Me,
verwendet diese Vokabel in seinem Vorwort zu Reinhard Kleists Comicbiographie Cash - I see a darkness. Cashmania. Ein Ausdruck für die allgemeine
Begeisterung, die Johnny Cash posthum zuteil wird.