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von Thomas Kögel Montag, 28. September 2009
Es geht ihm dabei weniger um die Zeichnungen. Im Vorwort betont Seth, dass diese nur Skizzenbuch-Qualität hätten: "Die ganze Sache sollte lediglich 'gerade gut genug' sein." Vielmehr wollte sich der Künstler hier an einer besonderen Erzähltechnik versuchen. Denn Wimbledon Green ist eben keine "Graphic Novel", keine romanartig aufgebaute Erzählung, sondern besteht aus zahlreichen kleinen Einheiten: aus Kurzgeschichten, Titelbildern aus Greens fiktiver Comicsammlung und "Augenzeugenberichten", die wie in einer TV-Dokumentation von ihrem Verhältnis zu Wimbledon Green erzählen. Da kann dann eine Seite schonmal aus zwölf Panels bestehen, in der zwölfmal der gleiche Kopf zu sehen ist.
Seth spinnt ein Geflecht von Mythen und Geheimnissen rund um Green und die legendäre Sammlung "Wilbur R. Webb", das sich beim Lesen erst langsam erschließt. Dieser Comic taugt nicht als schnelle Nebenbei-Lektüre, sondern verlangt vom Leser ein selbständiges Zusammenfügen der Bausteine, die ihm Seth zur Verfügung stellt. Dadurch kann man dann umso mehr in dieser seltsamen Parallelwelt versinken, von der hier erzählt wird: scheinbar in der Gegenwart angesiedelt, aber voll von alten Autos und Männern mit Hut. Seth, der selbst stets Hut und Anzug trägt und aus seiner Liebe für die Ästhetik vergangener Zeiten keinen Hehl macht, schafft eine fiktive Sammlerszene, die wie aus der Zeit gefallen wirkt.
Aus den nebenbei skizzierten Übungen ist auf spielerische Weise dann doch ein recht elaboriertes Werk geworden – Seths persönliche Liebeserklärung an die Sammelleidenschaft. Passend zum Thema ist das Buch sehr liebevoll und hochwertig aufgemacht. Bei der deutschen Ausgabe von Edition 52 muss man zwar auf Handlettering verzichten, was hier wirklich schade ist, ansonsten ist sie aber in jeder Hinsicht gelungen.
Wimbledon Green. Der größte Comicsammler der Welt
Edition 52, April 2009
Text und Zeichnungen: Seth
Hardcover; 128 Seiten; farbig; 25,- Euro
ISBN: 978-3-395229-61-6

Abbildungen: © Edition 52
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