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von Benjamin Vogt Dienstag, 22. September 2009
Eine hübsche, junge Dame sucht nach ihrem Bruder und klärt ihr Familiengeheimnis auf. So richtig innovativ klingt dieser Plot nicht unbedingt, und so erscheint er auch nach dem Lesen nicht. Dafür hangelt sich die Hauptfigur in zu absehbarer Weise quer durch die Kontinente und an den verschiedenen Kontaktpersonen entlang. Sie trifft dabei auf illustre Leute, die sich quasi die Klinke in die Hand geben und gerade den richtigen kleinen Hinweis zur genau richtigen Zeit liefern können. So bleibt die Storyline weiträumig blass, die weiteren Figuren - ein Kapitän, eine Piratin oder etwa die Vertreter der Hilfsorganisationen - dienen von Tahiti bis nach Ecuador als Verbündete und begleiten die Recherche der Hauptfigur, ohne beim Leser allzu viel Interesse hervorzurufen.
Schließlich meinte es Szenarist Christian Perrissin mit seiner Protagonistin zu gut und packte in eine eigentlich rasant dargestellte und durchaus auch actionreiche Erzählung noch ein paar unnötige Elemente ein: Es bleibt fraglich, ob Vera sich tatsächlich niemals gewundert hat, woher ihre Narbe an der Hand kommt, der Comic erklärt dies nun einer plötzlichen Erkenntnis. Gleichsam deplatziert wirkt die künstlich eingebaute Liebesnacht, wo sie doch ein paar Seiten zuvor noch fast vergewaltigt wird.
Bei aller Kritik darf man aber nicht übersehen, dass sich bei el Niño unweigerlich eine gewisse Spannung aufbaut. Nur leider beruht diese nicht auf der Schreibkunst des Autors, sondern auf der Hoffnung einer Auflösung. Schlussendlich geht es hier um ein familiäres Rätsel, das weitere Kreise zieht als zu Beginn angenommen. Allein daraus bezieht der Comic seinen Vorteil und verleitet zum Dranbleiben. Und auch wenn mich persönlich die erste Ausgabe ziemlich enttäuscht hat, bleibt es abzuwarten, wie sich die Story im weiteren Verlauf etablieren wird, erst danach wird man wohl endgültig über die Serie urteilen, die in der deutschen Übersetzung einen bemerkenswerten Weg geht.
El Niño ist eine Albenreihe, deren erster Band bereits Stück
für Stück im Zack-Magazin abgedruckt wurde und die jetzt als Doppelbände in die
Zack-Edition ausgegliedert wurden. Ungünstig ist diese Veröffentlichungspolitik
sicherlich für die regelmäßigen Käufer des Magazins, die somit, wenn sie denn
die Fortsetzung in Form des zweiten Bandes lesen wollen, gezwungen sind, das erste im Sammelband enthaltene
Album nochmals mit zu kaufen, obwohl sie dessen Inhalt bereits kennen. Ähnlich
unglücklich stellt sich für meine Begriffe die Tatsache dar, dass der erste
Zyklus von El Nino fünf Original-Alben umfasst, das heißt der nächste deutsche Band
müsste theoretisch eigentlich bereits wieder vom Konzept des Doppelbandes
abweichen und die abschließenden drei Alben beinhalten. Vielleicht hätte sich
in diesem Fall eine dickere Gesamtausgabe des ersten Zyklus angeboten, da hätten
womöglich auch die Magazin-Käufer mehr Verständnis aufbringen können.
el Niño 1+2
MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag (ZACK Edition)
Text: Christian Perrissin
Zeichnungen: Boro
Pavlovic
120 Seiten, farbig, HC; 25,80 Euro
ISBN:
978-3937649474















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Die große Kunst bei der Schaffung von Comics liegt darin, Lücken zu
füllen. Und damit sind die Lücken zwischen den Bildern gemeint. Erst
durch den Lesefluss des Betrachters werden die Bilder inhaltlich
miteinander verknüpft und im Kopf des Lesers entsteht nicht nur eine
zusammenhängende Story, sondern auch eine Dynamik, die im Kopf einen
Film ablaufen lässt. Die Kunst der Schöpfer besteht unter anderem darin,
Story und Dynamik adäquat zu gliedern. Warum diese allgemeine These,
die eher zu einer theoretischen Abhandlung zu Comics gehört, hier in
einer Rezension steht? Weil diese Lücken im ersten Band der Reihe Die Korsaren der Alkibiades
einen Tick zu groß geworden sind. Es holpert und stolpert an allen
Ecken und Enden, wie eine Dampflok, die zu wenig Holz als Antrieb zu
fressen bekommt.
- 05.10.2010
Der Autor Didier Convard (Tanatos 1) und der Zeichner Gilles Chaillet (Das geheime Dreieck
1) nehmen eine historische Persönlichkeit als Ausgangspunkt für ihre
gemeinsame Arbeit. Dabei handelt es sich um niemand geringeren als den
berühmten und vielseitig begabten Leonardo da Vinci - aus heutiger
Sicht ein Allround-Genie. Der Künstler und Wissenschaftler wird in Vinci zum
Anti-Helden-Typ eines Grafen von Monte Cristo stilisiert. Die 2008
zuvor in zwei Bänden ("Der zerbrochene Engel" und "Schatten und Licht")
bei Editions Glénat veröffentlichte Geschichte ist nun bei der Ehapa
Comic Collection als "All in one"-Hardcovergesamtausgabe mit einer
veredelten "Spot-Lack"-Umschlagsgestaltung erschienen.
- 21.01.2010
Dominique Duprez (Künstlername „Riff Reb's“) präsentiert uns eine handfeste Piratenstory, fernab von jeglicher Romantisierung. Seine Comicgeschichte, die im Jahr 1718 angesiedelt ist, beginnt bereits mit einem kleinen Jungen, der aus Habgier ein Mädchen ermordet und kurz darauf auf einem Schiff anheuert. Überhaupt wird im Folgenden die Freibeuterei in vielleicht nicht all ihrer, aber zumindest in gehöriger Grausamkeit dargelegt.
Man sollte meinen, über manche Dinge sei alles gesagt, was man darüber sagen kann. Zum Beispiel über Tim und Struppi. Hergés berühmte Abenteuerserie gilt gemeinhin als der Beginn der europäischen Comic-Tradition und wurde bereits vielfach untersucht und betrachtet. Dem fügt jetzt der Brite Tom McCarthy eine neue Lesart hinzu.
Hört man das Stichwort Piraten, so fallen einem entweder die aktuellen
Ereignisse vor der Küste Somalias ein, oder jene Piraten, die wir aus
dem Kino kennen: die verwegenen Freibeuter der Meere, nur echt mit
Augenklappe, Holzbein und Papagei auf der Schulter. Die Piraten, von
denen Lewis Trondheim in seinem neuen Comicroman Insel Bourbon 1730
erzählt, gehören weder zur einen noch zur anderen Fraktion. Gemeinsam
mit dem Szenaristen Appollo versucht er ein realistisches Bild von der
Zeit zu zeichnen, als die große Ära der Piraterie zu Ende ging.
- 30.12.2008