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(Signierstunde)
von Andreas Fisch Donnerstag, 03. September 2009
Die beiden Hauptpersonen sind die holzschnittartig mit dem Wesentlichen charakterisierten Miller und Pynchon, die dem Comic auch seinen Titel geben. Der katholische Miller frönt dem Leben, flieht in die Arme vieler Zufallsbekanntschaften und versucht, seinem ihm entgleitenden Leben durch Zahlen und Messungen feste Orientierungspunkte zu geben. Der areligöse Pynchon dagegen versackt in seiner Depression über den tragischen Tod seiner Ehefrau und vergrault alle an ihm interessierten Frauen durch ausführliches Waten im morastigen Leid eines 10-jährigen Witwers, der sich vor aller Augen und Ohren nach seiner Helene zurücksehnt. So finden sich die beiden unterschiedlichen Typen zusammen, um die Demarkationslinie neu zu vermessen und erleben dabei allerlei Abenteuer.
Insgesamt eine flotte, absurde, ungewöhnlich erzählte Begebenheit, die viele Tiefgänge und viele Oberflächlichkeiten aufzubieten weiß und irgendwie nach höherer literarischer Bildung (die ich nicht hatte) ruft, um sie ganz auszukosten.
Zum Künstler: Leopold Maurer, geb. 1969 in Wien; Studium der Soziologie an der Universität Wien, Studium der Malerei und Grafik an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 1998 freischaffender Künstler in den Bereichen Animation, Cartoon, Comic und Illustration. Mitglied der Comicgruppe mixer. Lebt und arbeitet in Wien und Trautmannsdorf, NÖ. Quelle: leopoldmaurer.com
Miller & Pynchon
Luftschaft, März 2009
Text/Zeichnungen: Leopold Maurer
174 Seiten, Paperback, s/w
20,40 Euro
ISBN 978-3-902373-41-0
Produktseite bei Luftschacht

Abbildungen © Leopold Maurer, Luftschacht-Verlag
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Matthias Gnehms neuester Comicband ist ganz und gar nicht
einfach zu goutieren, und noch schwerer ist es dann, das darin Enthaltene angemessen
zu beschreiben. Denn der Züricher Autor und Zeichner hat sich mit Das
Selbstexperiment ein immens vielschichtiges Verwirrspiel erdacht, mit dem er
die Konzentration des Lesers aufs höchste fordert.
Nach
einer fast vierjährigen Absenz hat der Herr der Erdferkel, Dave Sim,
dieses Jahr gleich zwei neue Comics auf den Markt gebracht,
Glamourpuss und Judenhass, die wie sein Comic-Epos
Cerebus nur als Teil des Gesamtkunstwerks „Sim“ zu lesen
sind. Zwei Comichefte, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Da
ist zum ersten die fortlaufende Serie Glamourpuss, eine „high
fashion comic book“-Parodie, und zum anderen der Comic Judenhass,
in dem Sim aus ausgewählten Zitaten und fotorealistischen
Reproduktionen eine Geschichte der Ressentiments gegen Juden und
deren Vernichtung im Holocaust beschreibt. Erst wenn man beide Comics
Seite an Seite stellt und deren Gemeinsamkeiten aus der Nähe
betrachtet, wird deutlich, dass Sim nicht einfach nur zwei Comics
gezeichnet hat, sondern nach Cerebus das Gesamtkunstwerk „Sim“
durch zwei neue Titel erweitert hat.
- 25.08.2008
Gewichtsverlust trotz opulenter Speisen? Aus dem Nichts auftauchende
Steine, deren Gewicht (6793 Gramm) eine Primzahl ergeben? Sand, der sich
in der Wohnung anhäuft und niemand weiß, warum? Das sind die mysteriösen
Zutaten in Die Sandkorntheorie. Das Album gehört dem Zyklus Die
Geheimnisvollen Städte an und setzt sich deshalb in
utopisch-phantastischer Weise mit der Mode- und Kunstgeschichte genauso
auseinander wie mit architektonischen, stadtgeographischen und
technischen Themen. Die Altmeister des frankobelgischen Comics François
Schuiten (Zeichnungen) und Benoît Peeters (Text) sind auf diesem Gebiet
also bereits ein eingespieltes Team. Ihre neueste Arbeit kann aber auch
unabhängig von den bisherigen Werken oder als Einstieg gelesen werden,
da kein Vorwissen nötig ist.
- 04.05.2010
Nachdem ich Katrin Baumgärtners Mundkopf zum ersten Mal gelesen hatte, fühlte ich mich nicht in der Lage, sofort eine Rezension zu schreiben. Der ganze Comic ließ mich mit einem extrem starken "What the fuck?"-Gefühl zurück, das dafür sorgte, dass ich beschloss den Comic nicht zu rezensieren, ehe ich ihn nicht ein zweites Mal gelesen hatte.
Wer kennt sie nicht, die unerwünschten E-Mails, die
man Tag für Tag in seinem Spam-Ordner (oder, schlimmer, direkt im Posteingang)
findet. Meistens sind sie nur lästig, manchmal bergen sie aber auch unfreiwilligen Humor in sich. Nicolas Mahler schafft es wie kein
zweiter, das Absurde und Komische an Spam-Mails herauszuschälen und
legt mit SPAM ein Buch vor, das aus realen Betreffzeilen und
realen Absendernamen kleine Miniaturen macht, die umwerfend komisch
sind. Und ganz nebenbei gelingt ihm eine tragische Geschichte vom
Abenteuer Penisvergrößerung.
- 24.03.2009