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(Signierstunde)
von Benjamin Mittwoch, 03. August 2005
Bei diesem handelt es sich um den knubbelnäsigen Fotografen Marco, der zwischen Angstattacken und Depressionen in einer tiefen Lebenskrise steckt. Am Ende von Band 1 lässt Larcenet seiner Figur Marco scheinbar wieder ein wenig Glück zukommen, eine erfreuliche Perspektive, etwas Mut. Sprich, Marco findet seine Traumfrau. Doch noch kommt er nicht zur Ruhe, zu selbstzweifelnd ist Marco immer noch, über zu viele Dinge muss er sich noch Gedanken machen. Denn das Leben ist und bleibt ein alltäglicher Kampf und bietet genug Stoff für einen zweiten Band.
Glücklicherweise liefert uns Reprodukt diesen Nachfolger mit dem Untertitel „Belanglosigkeiten“ recht schnell. Und auch dabei wird man als Leser nicht enttäuscht werden, der Comic bietet dasselbe Ambiente wie zuvor und hinterlässt einen wunderbaren Eindruck. Marco wird eingeladen, seine Bilder zusammen mit Fabrice Blanc, einem seiner Vorbilder, auszustellen. Doch Marco ist nicht zufrieden, gleichsam nagt der Gesundheitszustand seines Vaters und der Druck der Wohnungssuche zusammen mit seiner Freundin an ihm. Marco ist unschlüssig, wie er auf diese Dinge reagieren soll, bis ihm schließlich bewusst wird, dass man das Leben genießen sollte und auch die unangenehmen Dinge, die dazugehören, akzeptieren muss.
Diese unheimlich melancholische Erzählweise, die wachsende Selbsterkenntnis des Protagonisten, die Manu Larcenet mit „Der alltägliche Kampf“ vorzuweisen vermag, ist traumhaft. Und obwohl auch hin und wieder humorige Szenen vorkommen und die Personen nicht immer ganz realistisch gezeichnet sind, gelingt es dem Künstler, ein ordentliches Mischverhältnis beizubehalten, das gleichsam berührt wie amüsiert.
Ein erstklassiger Comic mit einer tiefgründigen Geschichte und herrlichen Bildern.
Der alltägliche Kampf 2: Belanglosigkeiten
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Manu Larcenet hat mit den bis jetzt zwei bei Reprodukt erschienenen Bänden von "Der alltägliche Kampf" wahrhaftig Eindruck geschunden.
"Dies ist die Geschichte eines trauernden Fotografen, einer Werkstatt
voller Erinnerungen, eines wichtigen Buches und vom lieben Augustin..."
Passende Klappentexte sind eine Kunst für sich, und im Falle von "Kostbarkeiten" darf man das Unternehmen einmal als gelungen betrachten. Der dritte Band der Reihe Le combat ordinaire
von Emmanuel Larcenet hat tatsächlich einiges zu bieten. Um Väter und
Söhne geht es, um die Natur und ums Erwachsenwerden, den Preis des
Krieges, Sinn und Unsinn der Psychoanalyse, Mütter und Brüder, Eulen
und Hackbraten und Dockarbeiter und Korken und Beziehungen und ... na
ja, den lieben Augustin eben.
Während von Manu Larcenets vielbeachteter Comicreihe Der
alltägliche Kampf in Kürze der abschließende vierte Band bei Reprodukt
erscheint, liegt bereits ein weiteres Album Larcenets auf Deutsch vor. Es
handelt sich um Larcenets zweiten Ausflug in Die wundersamen Abenteuer von ..., für
die er bekannte Persönlichkeiten in ungewöhnliche Szenarien versetzt und
bislang unbekannte Episoden aus deren Leben erzählt. Wurde im ersten Band noch
Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, nach Amerika geschickt um einen
Hund zu therapieren, widmet sich der neue Comic dem niederländischen Maler
Vincent van Gogh, den es an die Front des Ersten Weltkrieges verschlägt.
Während der Comic-Salon Erlangen und die deutsche Comicszene mit Anke Feuchtenberger und Hendrik Dorgathen ihre avantgardistischen Helden feiern, bahnt sich in Frankreich seit ein paar Jahren eine Renaissance der Geschichtenerzähler an. Doch trotz des Fokus auf nationale Comic-Künstler kann man beruhigt sein, da sich deutsche Verlage auch um die franko-belgischen Lizenzen kümmern. Der Berliner Comicverlag Reprodukt zeigt dabei ein reges Interesse an der Nachfolgegeneration der Künstlergemeinschaft L'Association (um Lewis Trondheim, Killoffer und David B). So erschien zum Comic Salon nicht nur die neue Ausgabe von Manu Larcenets Der Alltägliche Kampf, sondern auch seine Koproduktion mit Jean-Yves Ferri, Die Rückkehr aufs Land, eine biographische Erzählung, die das klassische comic strip-Prinzip verwendet.