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(Signierstunde)
von Daniel Wüllner Dienstag, 14. Juli 2009
Der deutsche Humor ist ein zartes Pflänzchen, um das man sich fortwährend Sorgen machen muss. Während selbsterklärte Komiker uns von den Fernsehbühnen herab darüber aufklären, warum Frauen und Männer nicht miteinander kommunizieren können, und dabei ständig witzig gemeinte Phrasen dreschen, gibt es da noch den viel diffizileren politischen Humor. Letzterer zeichnet sich durch einen spielerischen Umgang mit mühsam erworbenen Wissen über politische Verstrickungen aus, das der Autor/Kabarettist als Grundlage für seine oftmals satirisch gemeinten Attacken benutzt. Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit dem zugegeben manchmal etwas trockenen Stoff fehlt dem Praktizierenden des politischen Humors am Ende die entscheidende Prise Sarkasmus, um das Objekt der Heiterkeit, in diesem Fall Angela Merkel, wirklich humoristisch zu betrachten. Da liegt doch die Möglichkeit nahe, das leidende Pflänzchen des politischen Humors in einen einfach zu pflegenden Nährboden einzupflanzen: den Comic. Doch ganz so einfach ist dieses Unterfangen nicht.
Miss Tschörmänie ist ein sicherlich sehr ambitioniertes Projekt, das trotz fachlich präziser Recherche und guten grafischen Anlagen an der Unfähigkeit der beiden Künstler krankt, den Comic als Erzählform zu erkennen und auch so zu nutzen. Das Projekt ist ein Musterbeispiel für das in Deutschland immer noch herrschende Comicverständnis: Ein Comic ist ein einfach zu bestellender Nährboden aus Texten und Bildern, in den man jeden Erzählstoff zur Steigerung seiner Komik einpflanzen kann. Aber auch die Verbindung aus Worten und Bildern will erst einmal gelernt sein.
Miss Tschörmänie -
Wie aus Angie unsere Kanzlerin wurde
Eichborn Verlag, Juli 2009
Text: Miriam Hollstein
Zeichnungen: Heiko Sakurai
Hardcover; 64 Seiten; 9,95 Euro
ISBN: 3821860634 Wie aus Angie unsere Kanzlerin wurde
Eichborn Verlag, Juli 2009
Text: Miriam Hollstein
Zeichnungen: Heiko Sakurai
Hardcover; 64 Seiten; 9,95 Euro

Abbildungen: © Eichborn Verlag
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Kommentare (2)

geschrieben von davjan, am 15. Juli 2009 um 09.44 Uhr
Bei aller berechtigten Kritik und Beurteilung mit akademischen Maßstäben, die Frage ist doch eher, erfüllt sich die Erwartung die mir der Titel verspricht? Bekomme ich für 9,95 EUR eine Portion Humor gepaart mit politischer Aufklärung? Und das hält "Miss Tschörmänie". Ich hatte zumindest sehr viel Spaß beim Lesen. Wer allerdings apolitisch ist, der wird sich mit "Miss Tschörmänie" nur langweilen.
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In Prototyp präsentierte Ralf König seine Version der Schöpfungsgeschichte. Nun gibt es die Fortsetzung: Archetyp
dreht sich um Noah und sein berühmtes Schiff, das er baut, um der
Sintflut zu entgehen. Der Comic erschien zunächst als täglicher Strip
in der Frankfurter Allgemeinen, die Buchausgabe im Rowohlt
Verlag ist jedoch mehr als ein bloßer Nachdruck des Zeitungscomics. Für
das Hardcover entwarf König neue Seitenlayouts, überarbeitete manche
Panels und nicht zuletzt ist diese Ausgabe (fast) durchgehend farbig
statt schwarz-weiß.
- 24.11.2009
Eine Holmes-Parodie als Comic - so könnte die Serie Baker Street
aus der Feder von Szenarist Pierre Veys (Harry Cover - Die
bezaubernde Parodie) und Zeichner Nicolas Barral auf den Punkt
gebracht werden. Das Duo hat zuvor bereits bei der Krimi-Satire Die
Abenteuer von Philip und Francis zusammengearbeitet, die inhaltlich
und stilistisch die Baker Street-Geschichten quasi vorweggenommen
hat, aber nach einem Band eingestellt wurde.
- 22.08.2010
In Retrospektive betrachtet haben die Schweizer im vergangenen Jahr
nicht gerade zur Verbesserung ihres Ansehens in Europa beigetragen.
Nicht nur der Volksentscheid zum Minarett-Verbot, sondern auch die
nicht ganz unumstrittene Festnahme von Roman Polanski, haben die
Eidgenossen und ihre hoch gelobte Neutralität schlecht aussehen lassen.
Anstatt diese Großereignisse aufs Korn zu nehmen, richtet der
Comiczeichner Ruedi Widmer seinen Blick lieber auf den Schweizer Alltag
und seine Individuen. Durch diese Hintertür gelingt es ihm, neben den
Marketingstrategien der Schweizer Post und neuen Handyangeboten zum
Schluss doch noch kritische Themen, wie eben den Minarettbeschluss,
humoristisch zu hinterfragen. Die letzten Geheimnisse einer rationalen Welt erscheint seit 2000 als wöchentliche Comic-Kolumne in der Winterthurer Zeitung Der Landbote
und liegt nun in gebundener Form vor (Sewicky Verlag). Widmer beweist
in dieser Sammlung, dass Selbstreflexivität sehr wohl ein Schweizer Gut
ist.
Es ist jetzt gut 10 Jahre her,
dass Garth Ennis sein Meisterwerk Preacher abschloss.
Die Britin Posy Simmonds, deren Name bei uns bisher kaum bekannt war,
kennt man in England vor allem durch ihre Tätigkeit als Cartoonistin
für die Tageszeitung The Guardian, wo ihre Arbeiten seit den 70er
Jahren erscheinen. Auch Tamara Drewe, ihre zweite lange Comicgeschichte
(und die erste, die nun in Deutschland veröffentlicht wird) erschien
zunächst als Fortsetzungs-Story im Guardian. Sie erzählt darin von
einer ländlich-bürgerlichen Idylle im kleinen englischen Nest
Stonefield, die eines Tages gründlich durcheinandergerät, als eine
junge, sehr attraktive Frau im Dorf einzieht.
- 10.03.2010
Den Ausschnitten nach zu urteilen, ist das eine treffende Analyse. Das sieht nach einer lustig illustrierten Biographie aus, aber das macht natürlich noch lange keinen Comic.
Der "Witz" beim Comic ist ja schließlich nicht die Komik, sondern die sequentielle Erzählweise, und für die braucht man immer noch mindestens zwei Bilder pro Szene.