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von Andreas Fisch Freitag, 10. Juli 2009

 India Dreams ist laut Klappentext „eine grandiose Familiensaga im exotischen Indien". Erzählt wird die Familiengeschichte vor allem von Emily Harrison, die allerdings eng mit ihrer Mutter und ihrer Tochter verbunden ist, so dass man Indien durch die Erfahrungen und Augen dreier Generationen von Frauen sehen lernt und so nach und nach die Lebens- und Liebesgeschichten der Frauen nachvollziehen kann. In der deutschen Ausgabe werden die vier Einzelalben zu einer Gesamtausgabe zusammengebunden.

Erzählerin der Story ist Maryse Charles, gezeichnet hat sie Ehemann Jean-François Charles (Zehn Gebote, Comicplus), die schon bei Die Pioniere der neuen Welt (Splitter, Kult, Finix) zusammengearbeitet haben.

Die farbigen (und ab und an schwarz-weißen) Zeichnungen als Aquarelle mit Direktkolorierung sind ansprechend und machen Lust, das Buch in die Hand zu nehmen und die Szenarien eingehend zu betrachten. Die Geschichte lebt vor allem von dem eher schnöden Anreiz, alle Puzzlestücke der Geschichte zu erfahren und endlich die Zusammenhänge zu begreifen, da die Geschichte in Fragmenten und Rückblicken erzählt wird. Dies ist die simpelste Erzählweise, um Spannung auch da aufzubauen, wo keine ist. Die Einblicke in bunte Fragmente der (Kolonial-) Geschichte Indiens bleiben bedauerlicherweise weitgehend unpolitisch und nutzen das kulturelle Szenario vornehmlich als kolonial-romantischen Hintergrund für die Erzählung der westlichen Hauptpersonen.

 Eindrucksvoll demonstriert India Dreams dagegen die Vorteile eines Comics gegenüber einem Text, wenn es in unbekannten Welten spielt. Denn die Bilder haben dann besonders viel zu erzählen, wenn die fremdartigen Szenen, Marktplätze, Personengruppen und Landschaften originalgetreu und kenntnisreich gezeichnet sind statt in der Schriftform umständlich und oft, gerade bei neuen Impressionen, vage zu bleiben, weil sie an keine Erfahrung des Lesenden anknüpfen können. Sie sind dann der interessiert schweifende Blick eines Fremden im Land. Ein Comic verschafft hier lebendige Impressionen, das Auge des Lesenden kann auf eigene Faust über die Details wandern und Unerwartetes entdecken.

Mythische Elemente rahmen die Geschichte von Maryse Charles. Dazu gehört ein schicksalhaft eingreifender älterer Herr mit immer neuen Tieren als Boten. Dazu zählt auch ein überaus reizvoller weiblicher Avatar (die dunkelhaarige Dame auf dem Titelbild!), vorgeblich eine Inkarnation des hinduistischen Gottes mit Elefantenkopf Ganesha. Zugleich verstreuen diese, die Geschichte eher ausschmückenden Elemente kleine Prisen von Erotik in die gemächlich dahin plätschernde Erzählung. Eine amüsante Besonderheit kennt man nur von einem bekannten Herrenmagazin und hat dennoch in diesen (vornehmlich auf ältere Frauen zielende?) Comic Eingang gefunden: Wer sich wünschen sollte, einen größeren Ausschnitt des Titelbildes „Dame mit Elefant" zu sehen, der oder die wird nicht enttäuscht - als Ausklappbild mit den Maßen 60 x 24 cm findet sich als Spezialeffekt ein „Centerfold".

 Die Aufmachung des Splitter-Verlags ist farbig und überaus ansprechend vom festen Einband bis zum Ausklappbild, was vor allem der hervorragenden Bilderwelt zu Gute kommt; mit einem Vorwort von Arnaud de la Croix, dem Autor des Buches Liebeskunst und Lebenslust. Sinnlichkeit im Mittelalter (mir erschloss sich nicht, warum er ausgewählt wurde...).

Fazit: Die Story ist lau bis öde, die Bilder sind exzellent und äußerst schön anzusehen!

Schöne Bilder von Indien in einer sich hinziehenden Liebesgeschichte!


India Dreams
Splitter Verlag, April 2009
Zeichnungen: Jean-François Charles

Text: Maryse Charles
208 Seiten; Hardcover, Farbe; 24,80 Euro
ISBN 978-3-940864-03-1


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Abbildungen: © Splitter Verlag


 


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