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11.02.2012
(Signierstunde)
von Thomas Kögel Freitag, 19. Juni 2009
Mit dem englischen Wort "Changeling" bezeichnet die europäische Mythologie ein sogenanntes Wechselbalg, ein Baby also, das den Eltern ohne deren Wissen untergeschoben wird, während Elfen oder Geister das eigentliche Kind rauben. Ein solcher Changeling ist auch der kleine Peter Jobson, auch Scrubby genannt, von dem Pierre Dubois und Xavier Fourquemin in ihrem Comic erzählen.
Peter wächst bei seiner Familie in einer grünen Idylle auf, irgendwo auf den britischen Inseln während des 19. Jahrhunderts. Der Junge hat ein besonderes Verhältnis zur Natur, zu Pflanzen, Tieren und dem Wind. Eines Tages trifft er im Wald auf einen alten Magier, der ihm zeigt, dass es in der Welt zahlreiche Wesen gibt, die man auf den ersten Blick nicht sehen kann: Kobolde, Trolle, Elfen und so weiter. "Die Natur ist lebendig", sagt der weise Mann zu Scrubby, " die Wesen wohnen dort. Geh ein Bündnis mit ihnen ein und du wirst nie allein sein."
Doch das harmonisch-idyllische Landleben währt nicht lange. Scrubbys Familie beschließt, wegen Dürre und Hungersnot in die Stadt zu ziehen, nach London, wo dank der Industrialisierung gerade ein Aufschwung stattfindet, allerdings auf Kosten der schlecht bezahlten Arbeiter. Die Jobsons landen in einem erbärmlichen Elendsviertel, das von der grünen Natur nicht weiter entfernt sein könnte. Doch Scrubby findet sich schnell zurecht: Während sein Vater an kommunistischen Arbeiteraufständen teilnimmt, entdeckt er auch in der großen Stadt viele Spuren von fantastischen Wesen. Allerdings gibt es darunter auch solche, die nichts Gutes im Schilde führen, und die Stadt hat eindeutig mehr Grausamkeiten zu bieten als die freie Natur ...
Die Legende vom Changeling ist eine äußerst angenehme Überraschung: Was äußerlich wie eine klassische Fantasygeschichte aussieht und zunächst auch so beginnt, entpuppt sich bald als ein Wechselspiel zweier Welten: der mystischen Sagenwelt und der harten Realität des Großstadtmolochs, wie sie z.B. auch Charles Dickens in Oliver Twist beschrieben hat. Beide Ebenen bringt Zeichner Xavier Fourquemin hervorragend zu Papier, sein bezaubernder Semi-Funny-Stil eignet sich bestens für diese Mischung aus fantastischen und realistischen Elementen, die durch die stimmungsvolle Kolorierung von Scarlett Mulkowski noch betont wird.
Szenarist Pierre Dubois, der sich auch in anderen Publikationen schon eingehend mit Feen, Kobolden und anderen Fabelwesen beschäftigt hat, nimmt sich viel Zeit für die Einführung seiner Figuren und deren Lebenswelt. Das tut der Stimmung der Geschichte zwar gut, allerdings ist das Album, wenn die Handlung in Fahrt kommt und dramatisch wird, schon wieder zuende und lässt den Leser mit einem offenen Ende auf die Fortsetzung warten. Auf diese wird man zum Glück nicht lange warten müssen, der zweite Band (der aber noch nicht der letzte sein wird) erscheint bei Piredda bereits im August. Wenn Dubois und Fourquemin dann die Qualität halten, bekommt man mit ihrer Legende vom Changeling ein originelles Werk, das sich von gängiger Fantasy-Dutzendware abhebt und sowohl für (ältere) Kinder als auch für Erwachsene sehr lesenswert ist.
Die Legende vom Changeling 1: Die Missgeburt
Piredda Verlag, April 2009
Text: Xavier Fourquemin
Zeichnungen: Pierre Dubois
Hardcover; 56 Seiten; farbig; 13,50 Euro
ISBN: 978-3-941279-27-8

Abbildungen: © Piredda Verlag















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Kaum ist der stürmische Herbst
vorbei, hat auch bereits der harte Winter die Mäuseterritorien fest im Griff.
Völlig eingeschneit und ohne ausreichend Nahrung und Medikamente entsendet das
Städtchen Lockhaven fünf unerschrockene Mitglieder der Mäusewache aus. Auf
ihrem Weg zu nahegelegenen Mäusestädten ist die eisige Kälte jedoch nicht die
einzige Gefahr …
- 13.09.2010
Wie konnte ich diese Serie nur so lange übersehen? Bereits in den Jahren 2002 bis 2003 erschienen die ersten drei Alben von Die Geißel der Götter beim Carlsen Verlag, die Serie wurde dann jedoch in den kommenden Jahren nicht mehr weitergeführt. Erst vor kurzem, genau gesagt ab Ende 2010, übernahm Finix die darbende Serie und legte innerhalb weniger Monate die zweite Hälfte der Reihe vor.
Gesamtausgaben europäischer Comicklassiker boomen. Die seit einigen Jahren verlagsübergreifende Veröffentlichungspolitik, in der des Öfteren zwei bis drei Originalalben in einem Band mit Begleitmaterial erscheinen, ist für den Leser vor allem dann erfreulich, wenn dabei jahrzehnte alte Schätze zu Tage gefördert und in adäquater Gestaltung wieder verfügbar gemacht werden. Die frankobelgische Serie Valerian & Veronique vom französischen Kreativduo Pierre Christin (Szenarist) und Jean-Claude Mézières (Zeichner) ist ein solches Juwel der Comicliteratur.
Das Cover gibt das Programm vor: oben ein grimmiger, behelmter Kopf und
unten eine Kutsche in wilder Fahrt durch einen Canyon. Dort ein Zwerg
und hier eine Westernkulisse. Beim Lesen entpuppt sich der Band auch
als eine Mischung der zwei Filme Herr der Ringe und Zwei glorreiche Halunken. Aus Herr der Ringe
ist die äußerliche Ahnlehnung des Zwerges an seinen „Kollegen“ Gimli
und der klassische Western von Sergio Leone mit Clint Eastwood wird
nicht nur auf den Handlungsebenen zitiert, sondern auch in den Dialogen.
- 30.03.2010
Es ist vollbracht, die fünfteilige, neu bearbeitete
Andrax-Gesamtausgabe liegt jetzt also komplett vor. Auch wenn die Stories aus
den 70ern an vielen Stellen vornehmlich durch hölzerne Dialoge und übertriebene
Handlungen auffallen, so beweist die spanisch-deutsche Koproduktion von Autor
Peter Wiechmann und Zeichner Jordi Bernet dennoch, dass überbordende
s/w-Fantasycomics auch heute noch ihren verdienten Platz innehaben können.