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(Signierstunde)
von Benjamin Vogt Mittwoch, 01. Juli 2009
Es handelt sich um das erste Werk des kreativen französischen Duos Florent Ruppert und Jerome Mulot im deutschsprachigen Raum. Die beiden sprengen den Rahmen üblicher Autorencomics und wurden deswegen bereits 2007 als vielversprechendste Newcomer in Frankreich ausgezeichnet. Zu Recht, wie ich finde, denn ihre verschiedenen Geschichten um zwei Portrait-Fotografen sind verstörend, intelligent und hart an der Grenze des guten Geschmacks. Ruppert und Mulot experimentieren mit einem wilden Mix aus Situationskomik, Sitcom und grafischer Vielfältigkeit und stehen dabei thematisch stark an der Grenze des Zumutbaren. Ihr Handwerkszeug ist die moralische Gratwanderung: So fängt der Band verhältnismäßig harmlos an, indem ein Kind im Studio der Fotografen von eben jenen als kleine Tunte denunziert wird, und steigert sich etwa zu einem geplanten Post-Mortem-Porträt eines Mannes mit aufgeschlitztem Gesicht oder dem Besuch eines Maskenballs von Behinderten mit anschließender Orgie. Hört sich bedenklich an, ist aber trotz aller bitterböser Morbidität so herrlich bizarr und urkomisch, dass einem nur der Vergleich mit den Comics von Nicolas Mahler einfallen will. Ähnlich wie dieser operieren auch Ruppert und Mulot mit einem reduzierten Strich – die Gesichter der Figuren sind wenig bis gar nicht vorhanden, die der beiden Porträtkünstler erst recht nicht.
Einen besonderen Clou stellen die unkontrolliert eingestreuten
Phenakistiskope (abgebildete Scheiben, die
beim Drehen einen Bewegungsablauf erzeugen) und Stereoskope (doppelte
Bilder, die einen räumlichen Effekt erzeugen sollen) dar, die eigentlich
relativ unnötig sind, aber irgendwie so in die Geschichten eingebaut werden,
dass sie Teil dieser werden.
Es sind einfach zu viele innovative Ideen, was Erzähltechnik oder grafische Einfalt angeht, als hier aufgelistet werden können. Besonders hervorheben möchte ich aber noch zwei Elemente, die mir besonders gut gefallen haben: Zum einen eine Kurzgeschichte, die allein mit Gebärdensprache erzählt wird und für die sogar eine Legende abgedruckt wird, damit der Leser auch folgen kann, und zum anderen die Story „Im Land der Pharaonen“, ein rassistischer derber Ausflug zweier Männer, bei dem man auch schon mal von unten nach oben oder von links und rechts gleichzeitig lesen muss.
Und ja, auch an sowas wie eine kohärente Rahmenhandlung haben die beiden Franzosen gedacht, denn zwischendurch kann man verfolgen, wie die Fotografen in einen Zoo eindringen, um dort entsprechende Aufnahmen zu machen. Die zwischendurch eingeblendeten, verschlüsselten Rätselmotive, so wird am Ende verraten, verbergen tierpornografische Bilder, derer sich die erwachsene Leserschaft durch ein ausgeklügeltes Faltsystem bemächtigen kann. Und nein, ich habe es noch nicht ausprobiert.
Affentheater
Edition Moderne; April 2009
Text & Zeichnungen: Florent Ruppert und Jerome Mulot
112 S., s/w, Klappenbroschur, 14,80€
ISBN 978-3-03731-043-4
Abbildungen: © Edition Moderne















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Lange musste man hierzulande auf die Veröffentlichung der
US-Kultreihe The Goon
warten, nun liegt der erste Sammelband der
bereits fünffach
mit dem Eisner Award ausgezeichneten Serie auf Deutsch und in
gewohnter Cross Cult-Aufmachung im A5-Hardcover vor.
Mit der vorliegenden, jetzt aber wohl endgültig letzten Ausgabe der Helden ohne Skrupel ist dem Verein Finix Comics nichts weniger als eine kleine Sensationspublikation geglückt. Noch vor der bereits im Jahr 2003 von Carlsen vorgelegten Nummer 0 ist Album 000 anzusiedeln. Das mag kurios klingen, wird aber, wie sich bei der Lektüre zeigen wird, dem schöpferischen Prozess der Reihe gerecht.
- 23.05.2011
Chester Browns autobiografisches Comicwerk Fuck beginnt
mit einem verlassen wirkenden Einzelpanel, dem Bild eines Mädchens und der
nüchternen Textzeile: „Connie Pug wohnte gegenüber…“. Distanz und Leere sind
zwei der Merkmale, die sich für den Leser dadurch bereits ankündigen und die
als durchgängiges Charakteristikum für den kompletten Band gelten können.
- 17.03.2009
Mit Gregory hat Marc Hempel sicherlich eine der skurrilsten Comicfiguren geschaffen. An diesem Insassen einer Irrenanstalt, der sich am glücklichsten in seiner sicheren Zelle fühlt, scheiden sich die geschmacklichen Geister. Für Andreas Mergenthaler, Mit-Herausgeber des Verlags Cross Cult, war es eine Herzensangelegenheit, die Gesamtausgabe in zwei Bänden um Gregory, die oberschlaue Ratte Herman Vermin und die käsesüchtige Maus Wendell auf Deutsch herauszugeben.
Der Splitter Verlag setzt seine gelungene Veröffentlichungspolitik fort, indem er die beiden Abenteuer des "Journalisten der Zukunft" Leo Roa in einem einzigen Band veröffentlicht. Im Gegensatz zu den Splitter-Books kommt dieser als Album im Großformat.