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(Ausstellung) - Berlin: Signierstunde mit Anke Feuchtenberger, Birgit Weyhe u. Jul Gordon
11.02.2012
(Signierstunde)
von Benjamin Vogt Donnerstag, 18. Juni 2009
Gleich mit zwei
bemerkenswerten Bänden stürmt der französische Künstler Blutch (alias Christian
Hincker) parallel die deutsche Comiclandschaft. Auffallend dabei ist die
inhaltliche Annäherung von Blutchs Figuren zu seiner eigenen Biografie. So
präsentiert sich in Blotch - Der König von Paris (erschienen im Avant-Verlag) ein
überzeichnetes Alter Ego des Franzosen,
in Der kleine Christian, das bei Reprodukt erschien, finden Anekdoten aus
Blutchs Vergangenheit ihren Platz.
Beiden Büchern ist aber ein gewisser offener Ansatz gemein, der den Leser rätseln lässt, welche Bruchstücke aus der Persönlichkeit des korpulenten Unsympathen Blotch oder eben des aufmüpfigen kleinen Christian direkt Aufschluss über die Realität des Künstlers geben. Allerdings kann man in diesem Fall stark davon ausgehen, dass viele Elemente der Kurzgeschichten um den kleinen Christian sich an den wahren Erlebnissen des Autors zumindest orientieren und weniger völlig frei erfunden sind.
Die Wahrnehmung des
heranwachsenden Fünftklässlers ist geprägt von medialen Einflüssen,
insbesondere von Comics und Fernsehen der 70er, völlig jungstypisch lauten
seine Idole John Wayne, Lucky Luke oder Marlon Brando. Coole Helden also, die
ihm als Vorlage dienen um seinen tristen Schul- und Familienalltag in Gedanken
aufzupeppen. Blutch benutzt die ausufernde Fantasie von Christian dermaßen
häufig als stilistisches Mittel, dass man kaum mehr Stellen findet, an denen
Geschehnisse ohne Einblendung der infantilen Gedankenspiele stattfinden dürfen.
Das ist letztlich aber genau der Punkt, der diesen Comic so interessant macht.
Er ist nicht wirklich ernst zu nehmen, er ist aber auch nicht lustig (auch wenn
sich ein subtiler Witz, der die Episoden durchzieht, nicht verleugnen lässt). Aber er weiß gekonnt mit überbordenden anarchischern Fantasiegeplänkeln
seitens der Hauptfigur zu verstören und gleichsam zu unterhalten. Der kleine
Christian ist auch eine Irrfahrt durch den kindlichen Geist, in dem
beispielsweise die Frage, wie es denn aussähe, wenn Micky Maus nicht mit Minnie,
sondern mit Klarabella zusammen wäre, durchaus auftauchen kann. Durch zahllose
mediale und kulturelle Referenzen wird das nicht immer geradinige Erzählen
anschaulich gemacht und das Lesen
dadurch noch amüsanter.
Blutchs Zeichnungen
lassen sich nicht leicht klassifizieren, immerhin können seine schwarz-weißen Bilder schon
mal mit unvorhersehbaren Details aufwarten oder vorherige Merkmale plötzlich
variieren. Verzerrte Gesichter, je nachdem, ob eine Fantasie- oder Traumsequenz
oder einfach nur eine spezifische Gemütslage ausgedrückt werden soll, sind da
ebenso wenig eine Seltenheit wie ausgedehnte Sprechblasen oder unbestimmt
eingeblendete Charaktere. Erst in der zweiten Hälfte des Bandes weisen die
Zeichnungen eine rote Schmuckfarbe auf, die optisch frische Akzente setzen
kann, aber wenig an dem verstörenden Gesamtkonzept ändert. Und das ist auch gut
so.
Der kleine Christian
Reprodukt, April 2009
Text und Zeichnungen: Blutch
120 Seiten, schwarzweiß mit Schmuckfarbe
Klappenbroschur; 18€
ISBN 978-3-941099-15-9















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Vor mehr als zehn Jahren wurde in Frankreich die Idee eines äußerst
ungewöhnlichen und dennoch sehr erfolgreichen Comics geboren, der in
drei unterschiedlichen Epochen spielen sollte, der an seinem Ende über
300 Ausgaben zählen sollte und dessen Figuren als blutrünstige aber
dämliche Monster und (un)heldenhafte Enten konzipiert waren. Seit
diesem ursprünglichen Grundgedanken hat sich der Comic zu einer
regelrechten Hydra entwickelt, der mit jeder neuen Veröffentlichung ein
weiterer, grotesker Kopf wächst und so jeglicher Konzeption der Serie
trotzt. Die Väter dieser Idee waren die französischen Comic-Künstler
Lewis Trondheim und Joann Sfar und ihr Titel lautete Donjon. Im Hause Reprodukt erschien nun mit Donjon 6: "Der verlorene Sohn" der neuste Spross in der Donjon-Familie.
- 26.06.2009
Zuerst sieht alles ganz putzig aus: Eine junge Frau empfängt einen
jungen Herrn, einen Prinzen, und bei einer Tasse Kakao findet eine
zarte Annäherung statt. Die Figuren sehen niedlich aus, als wären sie
Märchenbüchern für Kinder entsprungen, sie sind in fröhlichen Farben
koloriert. Doch bald löst sich der Raum um sie herum auf, sie müssen
fliehen und ein großes Splashpanel zeigt dem Leser, in welcher
Behausung die netten Wesen gelebt haben: Sie sind winzig kleine
Gestalten, und sie kommen aus dem Körper eines kleinen toten Mädchens
gekrochen. Wie Gulliver liegt dieses Mädchen am Boden, im Vergleich zu
den kleinen Lebewesen wirkt es wie ein Riese.
- 17.12.2009
Cyril Pedrosa ist Comiczeichner (bekannt geworden durch Ring Circus und Drei Schatten) und er ist bekennender Öko.
Beide Fragmente seiner Persönlichkeit bringt er in dem Album Auto-Bio
zusammen. Pedrosa schildert sein Leben als Freund der Umwelt und wie er dieses
an strengen ökologischen Werten auszurichten versucht. In meist nur eine Seite
des Albums einnehmenden Episoden umreißt Pedrosa Alltagsprobleme, auf die er als
Öko gestoßen ist.
- 27.07.2009
Aufzeichnungen aus Birma ist der dritte Teil der Trilogie von Guy Delisle, die mit
autobiografischen Berichten aus dem chinesischen Shenzhen und dem
nordkoreanischen Pjöngjang begann. Und es scheint mir das Dickste und Beste der Drei zu sein! Von daher meine empfohlene Lesereihenfolge 1. Birma,
2. Pjöngjang, 3. Shenzhen.
Neben den drei Hauptreihen der Donjon-Serie schufen Joann Sfar und Lewis Trondheim auch noch die Nebenserien Parade und Monster. Von letzterer sind die ersten beiden Bände frisch auf deutsch erschienen. Donjon Monster hat
keinen Stammzeichner - hier wird jeder Band von einem anderen Künstler
umgesetzt, und so bekommt jedes Album seinen ganz eigenen Charakter.
Band 1 und 2, die gleichzeitig erschienen sind, machen dies sehr
deutlich, denn die beiden Geschichten sind so verschieden wie Tag und
Nacht.
- 01.01.2007