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Die ersten beiden Alben der französichen Serie Violetta erschienen 2003 beim Carlsen Verlag, danach war erstmal Schluss, obwohl im Original inzwischen fünf Bände vorliegen. Ein Fall für den Finix Comic Club, der genau zu diesem Zweck gegründet wurde: Comicreihen, die in Deutschland nicht fortgeführt wurden, abzuschließen. Neben einigen ernsthafteren und "erwachseneren" Stoffen, die Finix veröffentlicht, ist Violetta im Funny-Stil gehalten und richtet sich (auch) an jüngere Leser.
Die Heldin der Serie ist ein kleines Mädchen mit der besonderen Gabe, die Gedanken anderer Menschen lesen zu können. In den ersten beiden Alben verschlägt es sie auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater nach Afrika, wo sie dazu beiträgt, eine Diktatur zu stürzen. Ihren Vater konnte sie jedoch noch nicht finden. Hier setzt der dritte Band, Die Eisenkralle, ein: Violetta setzt ihre Spurensuche fort und es gelingt ihr endlich, ihren Vater aufzuspüren. Doch diverse zwielichtige Gestalten sind aus unterschiedlichen Gründen hinter ihr her. Als Neuleser, der erst hier einsteigt, tut man sich anfangs ein bisschen schwer, findet aber schließlich doch bald ins Geschehen hinein, so dass man das Album durchaus auch lesen kann, wenn man die ersten beiden Teile nicht kennt.
Der vierte Band Höhle des Vergessens besteht dann zu großen Teilen aus Rückblenden, in denen wir die Vorgeschichte von Violettas Vater erfahren, was sowohl Vater als auch Tochter zusätzliche Tiefe verleiht. Zum anderen geht es um den Wettlauf zu einer Kupfermine, die große Reichtümer verspricht, was natürlich allerlei gierige Herrschaften auf den Plan bringt. Begleitet wird Violetta dabei stets von der kleinen weißen Maus Belphegor und dem trotteligen Medizinmann Kombo, der einen etwas plumpen, aber lustigen Sidekick abgibt.
Autor Tronchet schreibt ein sehr lebendiges Abenteuer, das vor allem von seiner sympathischen Hauptfigur lebt. Jüngere Leser dürften viel Freude an den aufregenden Geschichten haben, und auch für Erwachsene ist Violetta unterhaltsamer Stoff. Letztere könnten sich aber durchaus an manchen Aspekten stören: Aufbau und Lösung der diversen kleinen Hindernisse in Violettas Heldenreise sind manchmal arg simpel geraten, die Bösewichte sind eindimensional und die bedrohliche "Eisenkralle", die dem dritten Band den Titel gibt, ist ein eher lächerliches Schurken-Werkzeug. Außerdem hat die Darstellung des senilen Medizinmanns Kombo mit Lendenschurz, Knochen im Haar und "Kombo nicht gehen wollen"-Sprache einen unangenehm rassistischen Beigeschmack.
Gezeichnet ist die Serie in einem schwungvollen, modernen Funny-Stil, wobei der Zeichner mitten im dritten Band wechselt: Fabrice Tarrin wird von Jean-Marc Krings abgelöst. Dessen Zeichnungen sind nicht ganz so dynamisch wie die seines Vorgängers, sind diesem aber so ähnlich, dass der Zeichnerwechsel im Grunde kaum auffällt.
Sehr zu loben ist schließlich die Aufmachung der Softcover-Alben, die vom Papier bis zu Übersetzung und Lettering absolut hochwertig ist. Man merkt diesen Comics keinesfalls an, dass sie von Nicht-Profis produziert wurden. Für den abschließenden fünften Band hat Finix übrigens ein besonderes Schmankerl für Sammlerherzen angekündigt. Dieser wird zusätzlich 20 Seiten eines nicht-vollendeten sechsten Teils enthalten, die selbst in Frankreich bisher unveröffentlicht sind.
Violetta
Finix Comics
Text: Tronchet
Zeichnungen: Fabrice Tarrin (Nr. 3, S. 1-16), Jean-Marc Krings
Softcover; farbig; 48 Seiten; je 11,80 Euro

Band 3: Die Eisenkralle
ISBN: 978-3-941236-02-8

Band 4: Über die Zeiten hinweg
ISBN: 978-3-941236-05-9

Abbildungen: © Finix Comic Club

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