| Interview mit Adrian vom Baur (Jazam!) |
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| Geschrieben von Christopher Bünte | |||||||||
| Samstag, 27. Juni 2009 | |||||||||
Zum Comicfestival in München erschien zum vierten Mal in Folge die Comic-Anthologie Jazam! Versammelt sind hier in erster Linie deutsche Jungzeichner, die ihr Talent zeigen wollen. Aber auch mehrere alte Hasen sind dabei. Das übergeordnete Thema des neuen Bandes lautet "Monster". Christopher Bünte sprach für Comicgate mit Adrian vom Baur, einem der Erfinder und Macher der Anthologie.Adrian vom Baur: Das Thema für Jazam! Vol. 4 wurde, wie auch schon bei den vorherigen Ausgaben, durch eine Abstimmung im Comicforum bestimmt, da Jazam! ja ein Gemeinschaftsprojekt sein soll und wir den Beteiligten und Lesern gerne dieses Mitbestimmungsrecht lassen. Zuerst haben wir uns redaktionsintern einige Vorschläge überlegt, dann im Forum weitere Ideen gesammelt und schließlich eine Auswahl der besten Themenvorschläge zur Abstimmung freigegeben. "Monster" konnte sich mit einer klaren Mehrheit durchsetzen (33 von 75 Stimmen). Der Erscheinungsrhythmus hat sich bei jährlich eingependelt, jeweils zu den großen Messen in Erlangen (Comic-Salon) und München (Comicfestival).
CG: Wer steckt hinter dem Jazam-Projekt? AvB: Die Redaktion besteht momentan aus David Koslowski, Veronika Mischitz, Nico Simon, Florian Steinl und mir. Ich bin für das Layout des Buches, den Kontakt zu den Künstlern und den Versand verantwortlich. Nico kümmert sich um finanzielle und steuerliche Angelegenheiten. Flo gestaltet unsere Webseite. Und David und Véro übernehmen verschiedene andere Aufgaben wie Händlerkontakte und Messeauftritte. Die Entscheidung, welche Comics ins Buch kommen und welche nicht, trifft immer die gesamte Redaktion. CG: Erzähl mal: Wie sah der Arbeitsprozess für Jazam! 4 aus? Inzwischen dürftet ihr ja einige Routine haben ... AvB: Nach Bekanntgabe des Themas im Dezember 2008 haben wir die Deadline und sonstige Teilnahmebedingungen festgelegt und im Folgenden Zusagen von Zeichnern gesammelt. Zur Deadline trudeln dann die meisten Beiträge von alleine bei mir ein, wobei man bei manchen Zeichnern natürlich ein paar Mal nachhaken muss. Wenn die Comics da sind, mache ich das Layout fertig und hole Angebote von Druckereien ein. Schließlich werden die Daten dann zum Druck gegeben und die Online-Vorbestellungen gesammelt. Bei den ersten drei Ausgaben lief das eigentlich so ähnlich, nur dass wir mittlerweile die Zeiträume etwas besser einschätzen können. AvB: Ja, richtig, Vol. 4 enthält einen Comic-Jam, bei dem verschiedene Künstler nacheinander je eine Seite eines Comics gestaltet haben. Dieser hatte keine vorgegebene Story, sondern konnte von jedem Teilnehmer nach Belieben weitergesponnen werden. Wir haben frühzeitig mit der Aktion begonnen und die Zeichner im Voraus kontaktiert und ausgewählt, so dass zur Deadline tatsächlich alle Seiten fertig waren, auch wenn es ein paar Mal zu Verzögerungen kam. CG: Wer hat denn alles bei dem Comic-Jam mitgemacht? Und wie lang ist er am Ende geworden? AvB: Die 14 Künstler sind alles Zeichner, die bereits in früheren Ausgaben etwas beigesteuert hatten. Da außer Nico Simon und Florian Steinl, die zusammen die erste Seite gestaltet haben, jeder Zeichner eine eigene Seite hatte, sind es am Ende 13 Seiten geworden (zuzüglich einer Einleitungsseite mit einer Illustration von Ambroggio). Die Teilnehmer - außer den schon genannten - waren Bastian "Lapinot" Baier, Anna-Maria Jung, Ulf Salzmann, Dirk Erik Schulz, Till Felix, Robert "Groobert" Mühlich, Beni Merk, Ray Subahri, David Koslowski, Veronika Mischitz, Moritz von Wolzogen und ich. CG: Der dritte Jazam!-Band hatte stolze 220 Seiten. Schafft Ihr dieses Mal wieder so viel? AvB: Dieses Mal werden es sogar ein paar mehr, nämlich circa 350! Wir haben einfach so viele gute Einsendungen bekommen, dass weniger nicht gereicht hätten. Und das, obwohl wir auch mehr Absagen geschrieben haben als bei den ersten drei Ausgaben. AvB: Viele kennen wir von Messen oder anderen Gelegenheiten oder hatten zumindest über Webseiten wie das Comicforum und DeviantArt mit ihnen Kontakt. Ein großer Teil der Einsendungen kommt aber immer auch von Zeichnern, von denen wir zuvor noch nie gehört haben. AvB: Etwa zwei Drittel der Zeichner in Vol. 4 waren schon einmal oder mehrmals dabei, das andere Drittel ist neu, wobei es für ein paar davon sogar die erste Print-Veröffentlichung darstellt (was man bei der hohen Qualität vieler Beiträge kaum glauben mag). Unter den Neuzugängen sind aber auch bekanntere Namen wie Boris Zatko (s. Seite rechts), Stefan Dinter und Michael Vogt. CG: Wie finanziert sich Jazam? Rechnet sich das? AvB: Bei den ersten beiden Ausgaben haben wir noch etwas Verlust gemacht, beim letzten Mal kamen wir etwa bei Null raus. Wir geben die Bücher immer erst kurz vor den Messen in Druck, so dass wir zur Bezahlungsfrist bereits einige Einnahmen durch Vorbestellungen und Messeverkäufe gemacht haben. Den Rest steuern wir zunächst aus eigener Kasse bei und hoffen, dass die Kosten durch die folgenden Online-Bestellungen gedeckt werden. Geld verdient wird mit Jazam! also nicht wirklich. Aber wir haben so viel Spaß dabei, dass wir gerne unsere Zeit investieren. AvB: Ein nicht gerade geringer Teil der Käufer besteht aus unseren Zeichnern, die zum Teil mehrere Exemplare kaufen, um sie in ihrem Bekanntenkreis weiter zu verkaufen oder zu verschenken. Auf Messen sind unter den Käufern auch viele Comicsammler, die sich auf die deutsche Szene spezialisiert haben. Über die restlichen Käufer weiß ich nichts Genaueres, vermutlich sind es einfach Comicinteressierte jeder Art. CG: Wird es ein Jazam! 5 geben? AvB: Bisher spricht nichts dagegen... CG: Lieber Adrian, vielen Dank für das Gespräch! Nachtrag der Redaktion: Aufgrund von Problemen der Druckerei wurde das Gros der Jazam!-4-Bände (PDF-Leseprobe) nicht rechtzeitig zum Comicfestival fertiggestellt (wir berichteten per Twitter). Seit dieser Woche sind endlich alle Exemplare angeliefert und können hier bei Jazam für 15,- Euro zzgl. Versandkosten bestellt werden - wie natürlich auch die vorherigen Bände (Band 1 momentan ausverkauft). Homepage: www.jazam.de häufig aktualisiertes Blog: jazam.de/blog Leseprobe des vierten Bandes (PDF) Thread zu Jazam! 4 im Comicforum Feedback-Thread zu Jazam! 4 im Comicforum Jazam!-Logo © jazam.de Abbildungen © die jeweiligen Künstler Foto © Christopher Bünte
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Zum Comicfestival in München erschien zum vierten Mal in Folge die Comic-Anthologie Jazam! Versammelt sind hier in erster Linie deutsche Jungzeichner, die ihr Talent zeigen wollen. Aber auch mehrere alte Hasen sind dabei. Das übergeordnete Thema des neuen Bandes lautet "Monster". Christopher Bünte sprach für Comicgate mit Adrian vom Baur, einem der Erfinder und Macher der Anthologie.

Es passiert nicht mehr oft, dass junge deutschsprachige
Comic-Enthusiasten ihre eigenen Projekte auf eigene Faust als Heftserie
veröffentlichen. Jetzt haben zwei Österreicher diesen Schritt gewagt: Frank (oder, wie es in der Originalschreibweise heißt:
"Daniel und Oleg sind eine WG", sagt der Klappentext. Und zwar eine im
Hamburger Schanzenviertel, wo sich eine Melange aus Alt-68ern, Punks
und hippen Werbefuzzis zum sogenannten Szeneviertel vereint. Daniel
will um jeden Preis ganz vorne dabei sein, wenn es um die richtigen
Styles geht, egal ob es um Musik, Mode, Frisuren oder die
Inneneinrichtung geht. Oleg dagegen ist eher der gemütliche Typ, dessen
Leben sich zwischen Bong und Spielkonsole abspielt.
Ein
Besuch in der Münchener Künstlergemeinschaft "Die Artillerie " eröffnet den Blick auf hohe, weiße Altbauräume, in denen zehn
Kollegen an Comics, Illustrationen, Designs und vielen anderen Sachen
arbeiten. Hier findet sich neben bekannten Gesichtern wie Thomas von
Kummant und Benjamin von Eckartsberg (Die Chronik der
Unsterblichen) eine schiere Fülle an Zeichnern, die mit
Computern, Pinseln, Federn und Stiften arbeiten. Unter ihnen auch Uli
Oesterle ,
der nach mehr als sechs Jahren seine Gesamtausgabe von Hector
Umbra bei Carlsen vorgelegt hat. Mit unserem Redakteur Daniel
Wüllner unterhielt er sich über Sympathiefiguren, unsympathische
Entscheidungen und den WG-Alltag einer Künstlergemeinschaft.
Ein knallgrünes Monster mit knubbligen Hörnchen auf dem Kopf und einem großen Löffel in der Hand. So putzig sieht die neue Jazam!-Ausgabe aus, doch sollte man sich nicht von Daniela Uhligs süßem Cover in die Irre führen lassen. Der vierte Band der Künstlergemeinschaft Jazam! lädt diesmal in die Welt der Monster ein und droht dabei aus allen Nähten zu platzen. Die 354 Seiten sind randvoll mit Monstern, die sich in Klos verstecken, durch U-Bahn-Schächte kriechen, unter Betten hausen, in Schränken wohnen, im Tiefgrass lauern, in Bussen reisen, auf Friedhöfen wiedererweckt werden und solche die einfach mal die in der Hölle einen Spazierengehen machen. Das sind sehr viele Monster, das ist unbestritten, doch wie kann eine solch monströse Reizüberflutung überhaupt vom Leser verarbeitet werden?
Für ein Interview traf sich unser Redakteur Daniel Wüllner mit dem Zeichner und Autor Christian Moser, vor allem bekannt als Schöpfer der Monster des Alltags, im Baader Café, einer der wohl entspanntesten Münchner Adressen. Dort unterhielten sich die beiden unter anderem über Monster, Rückenschmerzen, „die Innere Leere“ und Stammgäste.