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von Daniel Wüllner Samstag, 09. Mai 2009
Als Leiter der Abteilung Illustration der Hochschule Luzern - Design & Kunst hat Thomé all seine Erfahrung als Dozent, aber auch als praktizierender Illustrator in Geduld und Gorillas gesteckt. Man findet historisches Fachwissen über die Arbeiten des Comic-Vorvaters Rodolphe Töpffer neben Anekdoten über den Karikaturisten Saul Steinberg ebenso wie eigene Arbeiten des Künstlers. Um dem Leser die Reise in die Welt der Illustration zu erleichtern, präsentiert Thomé die Arbeiten von Studenten, lässt Kollegen über ihre Projekte erzählen und rundet das gesamte Bild durch Interviews mit Illustratoren und Dozenten ab. Dabei beweist Thomé als Herausgeber dieselbe Geduld, die es benötigt, um einen Gorilla zu zeichnen.
Ständige Begleiter der Texte und Interviews sind Illustrationen, die das gesamte Spektrum der Darstellungsformen abdecken: Von den wilden Scribbles der Studenten und Dozenten, welche an Töpffers Idee des "mentalen Zickzacks" erinnern, bis hin zu den Arbeitsmappen, Skizzenbüchern, Abschlussarbeiten und Auftragsarbeiten der Dozenten und Studenten des Instituts fungieren diese Illustrationen aber nicht nur als freundliche Unterstützung des Textes; wie in einem Comic unterstützen sie das Geschriebene, brechen mit den Aussagen der Befragten oder greifen aktiv in das Layout des Textes ein.
Aber auch ohne den begleitenden Text beweisen die grafischen Beispiele, dass Illustrationen nicht nur dazu dienen, eine bestimmte Ware in den Warenkorb zu bekommen, sondern das Erlebnis der visuellen Wahrnehmung zu zelebrieren. Dabei lässt sich Geduld und Gorillas auch als wundervolles Bilderbuch voller Ideen und Anregungen lesen. Beinahe jede neue Seite überrascht durch eine große Farbvielfalt, minimalistische Strips, subjektive Comicreportagen oder anatomisch korrekte Darstellungen von Käfern und Landschaften zu wissenschaftlichen Zwecken.
Um dem Leser den Studiengang als solchen näherzubringen, hat Thomé befreundete nationale und internationale Kollegen wie Henning Wagenbreth (Universität der Künste Berlin) und Jonathan Gibbs (Edinburgh College of Art) befragt, wie sie den Studiengang Illustration definieren würden, wie man "Kunst" überhaupt studieren und benoten kann und was der Bachelor-Abschluss in diesem Bereich wirklich wert ist. Die Befragten waren sich darüber einig, dass man keine "kreativen Manager" heranzüchten will, sondern jungen Menschen Bilder als Sprache begreifbar machen möchte. Neben diesen rein theoretischen Diskursen beschäftigen sich die Beteiligten in Geduld und Gorillas mit Non-Fiction als Form der grafischen Reportage (Christoph Göldlin und Roland Hausherr), mit der Biografie eines Buches (Hans ten Doornkaat und Valérie Losa), dem Nutzen eines Workshops (Ben Katchor) und dem postuniversitären Kampf der Illustratoren auf dem Arbeitsmarkt.
Ob die jungen Illustratoren jetzt den beschwerlichen Weg eines Comiczeichners einschlagen werden - wie vor ihnen die Absolventin Kati Rickenbach (Filmriss) oder die Gastdozenten Thomas Ott (t.o.t.t.) und Christophe Badoux (Klee) - bleibt abzuwarten. Geduld und Gorillas erläutert und dokumentiert äußerst eindrucksvoll, warum Illustrationen nicht die Wurzel allen Übels sind, sondern eine Sprache der Bilder darstellen, die es für die Anwendung in grafisch erzählenden Texten wie beispielsweise Comics zu erlernen und zu meistern gilt.
Geduld und Gorillas: Wie Illustratoren gemacht werden
Niggli Verlag, Februar 2009
Hrsg.: Pierre Thomé
Texte/Zeichnungen: diverse
A4, Softcover, farbig, 344 Seiten; 36,- Euro
ISBN 9783-7212-0696-8
















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Selten hat es ein Cover geschafft, die Essenz eines Buches so gut einzufangen, wie das Titelbild von Erotische Comics. Unser voyeuristischer Blick gleitet von den roten High Heels langsam über die Strapse nach oben. Er umspielt einen kleinen Augenblick zu lange das wohlgeformte Hinterteil; erst dann führt er uns weiter über das adrette weiße Kleidchen und über die süße Schleife hin zu einem wilden Rotschopf. Gelenkt von unserer male gaze nehmen wir Stück für Stück wahr, wie sich die einzelnen Details zu einer kompletten Frau zusammenfügen, die ihrerseits jemanden durch ein Schlüsselloch beobachtet. Obwohl nicht wir das Objekt ihrer Begierde sind, wird uns schlagartig klar, dass wir sie mit unseren Augen ausgezogen haben. Ein Gefühl der Scham setzt ein. Dieses ständige Spiel zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Betrachten und betrachtet werden, verfolgt Autor Tim Pilcher über zwei Jahrhunderte und gibt dem geneigten Leser dabei einen interessanten Einblick in das stets wechselnde Verhältnis von Kultur und Sexualität.
Ein
Buch über Comics zu verfassen, ist ein genauso großer Drahtseilakt wie
die Adaption einer literarischen Vorlage für die große Leinwand.
Ständig wird man zwischen künstlerischer Eigenständigkeit und Werktreue
balancieren müssen, um sich selbst, dem Publikum und dem Markt gerecht
zu werden. Obwohl die perfekte Besänftigung all dieser Gruppen einem
Wunschtraum gleichkommt, hat sich Comicredakteur Klaus Schikowski mit Die großen Künstler des Comics
(im Edel Verlag erschienen) einer solchen Aufgabe gestellt. Als
Gegenstand und auch als Unterstützung für das Projekt hat sich
Schikowski 34 große Comic-Künstler von Rudolph Dirks bis hin zu Marjane
Satrapi mit aufs Drahtseil geholt.
- 27.11.2009
Für den Sonderband „Comics, Mangas, Graphic Novels“ der Reihe
Die 101 wichtigsten Fragen heißt eine Taschenbuchreihe beim
Verlag C.H. Beck, die sich auf populäre Art umfassend mit
Themengebieten aus Geschichte, Wissenschaft und Kultur beschäftigt, und
das mit einer großen Bandbreite. So gibt es u.a. Ausgaben zu Thomas
Mann, dem Islam, den Germanen und zur Mathematik. Und seit letztem
Herbst auch einen Band über Comics und Manga. Autor ist Andreas
Platthaus, der als Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Allgemeinen
regelmäßig über Comics schreibt und auch schon diverse Fachbücher
veröffentlicht hat.
- 15.03.2009
Zum 25. Jubiläum feiert die Reddition, Deutschlands Zeitschrift für
Graphische Literatur, sich selbst und das Medium "Comic" mit einer
fast hundert Seiten starken Doppelausgabe (Band 49 und 50) und dem
Titelthema "Comics und Literatur". Seit 1984 liefert dieses
ambitionierte Projekt ausführliche Porträts und Dossiers über
europäische, amerikanische und auch japanische Comics und deren
Künstler. Dabei lag der Schwerpunkt der Publikation stets auf der exakt
aufgearbeiteten Präsentation von historischen Fakten über Comics,
interessanten Hintergrundinformationen über Künstler und original
Bildmaterial der entsprechenden Publikationen. Zum Jubiläum versuchte
man in gewohnter Qualität nachzulegen und auch endlich dem Untertitel
der Zeitschrift für Graphische Literatur mehr Aufmerksamkeit zu
schenken.
- 24.07.2009