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von Benjamin Vogt Freitag, 10. April 2009

Cover von Tatjana K. 3"Da Vinci Code meets (russische) Lara Croft", so oder so ähnlich kann man den Inhalt des dritten Bandes von Tatjana K. grob umschreiben. Hauptprotagonistin ist die kurvenreiche Ex-Agentin einer sowjetischen Sondereinheit, Tatjana Kovolenko, die sich unlängst der aktivistischen Gruppierung "Die letzte Abteilung" angeschlossen hat. Diese bekämpft ökologische Bedrohungen, d.h. Kovolenko und ihre Mitstreiter schreiten immer dann ein, wo korrupte Politiker, überambitionierte Wissenschaftler oder profitfixierte Wirtschaftsunternehmer das Gleichgewicht der Umwelt stören.

Einen roten Faden findet die Reihe in einem Forscher namens Strigoi, ein allgegenwärtiger Feind, der im Geheimen operiert und offenbar die einzige Verbindung zur Wahrheit über Tatjanas unklare Herkunft darstellt. In "Das Stigma des Longinus", der Abschluss des dreiteiligen Zyklus, folgt Tatjana K. dem Wissenschaftler bis nach Rumänien, wo dieser sich in Draculas ehemaligem Schloss verschanzt hat und für die katholische Kirche an genetischen Experimenten arbeitet.

Nun, allein der Plot des dritten Bandes, den Finix gerade veröffentlichte, hört sich phasenweise nicht nur absurd an, er ist es auch. Leider, muss man sagen - denn auch wenn die Handlung von Autor François Corteggiani bewusst überspitzt dargestellt und hierbei mit einer speziellen Art der actionlastigen Situationskomik gespielt wird, so kann das Ergebnis dieses Vorhabens nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Das Stigma des Longinus" ein nur mäßig unterhaltender Semi-Funny ist. Die nicht ohne typische Klischees des Agentengenres auskommende Story ist gespickt von eigentlich unrealistischen Grundzügen (Klonlabore, Vatikanverschwörung, Draculas Schloss), ohne aber deren Stärken hinsichtlich einer lustigen Entwicklung voll auszunutzen. Letztlich bleibt ein Band, den man schnell durchgelesen hat, weil zum einen die Dialoge weder tiefsinnig noch lustig genug, der Inhalt trotz Bemühen um viel Action und Geheimnisse keine wirkliche Spannung garantiert und zusätzlich die glatte, wenig individuell wirkende Optik (gestaltet von Emanuele Barison) nicht unbedingt zum längeren Verweilen einlädt.

Für alle die die ersten beiden Nummern besitzen, die 1999 und 2003 bei Salleck Publications erschienen, bietet sich hier durch Finix ein runder Abschluss, der den Storybogen um die Jagd nach dem irren Wissenschaftler Strigoi beendet. Das Album kann aber auch durchaus alleinstehend gelesen werden, da zu viel Vorwissen nicht zwingend erforderlich ist.

Sehr gut ist Finix die Verarbeitung gelungen, weshalb der schicke Hardcover-Band sich mal wieder perfekt in das bestehende Gesamtbild der Serie einfügt, was für Sammler ja durchaus nicht unwichtig ist. Ein Unterschied zur professionellen Arbeit etablierter, großer Verlage ist praktisch nicht auszumachen. Aufgefallen ist mir auch, dass zu Anfang ein kurzes "Was bisher geschah …" abgedruckt wurde, was für potentielle Einsteiger wie mich ja doch hilfreich sein kann. Auch wenn nur knapp das grundsätzliche Setting erläutert wird, hätt ich mir dies bei beispielsweise Abersen ebenfalls gewünscht.

Wer darüber hinaus genauere Informationen zur Serie Tatjana K. braucht, dem sei auch folgende Seite der Kollegen der Comicradioshow empfohlen, Michael Hüster hat 2005 ein ausführliches Dossier erstellt: http://www.comicradioshow.com/Article2119.html

 

Tatjana K.- Das Stigma des Longinus
Finix, März 2009
Text: François Corteggiani
Zeichnungen: Emanuele Barison
48 Seiten, farbig, HC; 13,80 Euro

ISBN: 978-3941236042

Leseprobe bei finix-comics.de

seichter, frankobelgischer Stoff

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