"Da Vinci Code meets (russische) Lara Croft", so oder so ähnlich
kann man den Inhalt des dritten Bandes von Tatjana K. grob umschreiben.
Hauptprotagonistin ist die kurvenreiche
Ex-Agentin einer sowjetischen Sondereinheit, Tatjana Kovolenko, die sich
unlängst der aktivistischen Gruppierung "Die letzte Abteilung" angeschlossen
hat. Diese bekämpft ökologische Bedrohungen, d.h. Kovolenko und ihre
Mitstreiter schreiten immer dann ein, wo korrupte Politiker, überambitionierte
Wissenschaftler oder profitfixierte Wirtschaftsunternehmer das Gleichgewicht
der Umwelt stören.
Einen roten Faden findet die Reihe in einem Forscher namens
Strigoi, ein allgegenwärtiger Feind, der im Geheimen operiert und offenbar die
einzige Verbindung zur Wahrheit über Tatjanas unklare Herkunft darstellt. In "Das Stigma des Longinus", der Abschluss des dreiteiligen Zyklus, folgt Tatjana
K. dem Wissenschaftler bis nach Rumänien, wo dieser sich in Draculas ehemaligem
Schloss verschanzt hat und für die katholische Kirche an genetischen
Experimenten arbeitet.
Nun, allein der Plot des dritten Bandes, den Finix gerade
veröffentlichte, hört sich phasenweise nicht nur absurd an, er ist es auch.
Leider, muss man sagen - denn auch wenn die Handlung von Autor François
Corteggiani bewusst überspitzt dargestellt
und hierbei mit einer speziellen Art der actionlastigen
Situationskomik gespielt wird, so kann das Ergebnis dieses Vorhabens nicht
darüber hinwegtäuschen, dass "Das Stigma des Longinus" ein nur mäßig unterhaltender
Semi-Funny ist. Die nicht ohne typische Klischees des Agentengenres
auskommende Story ist gespickt von eigentlich unrealistischen Grundzügen
(Klonlabore, Vatikanverschwörung, Draculas Schloss), ohne aber deren Stärken
hinsichtlich einer lustigen Entwicklung voll auszunutzen. Letztlich bleibt ein
Band, den man schnell durchgelesen hat, weil zum einen die Dialoge weder
tiefsinnig noch lustig genug, der Inhalt trotz Bemühen um viel Action und
Geheimnisse keine wirkliche Spannung garantiert und zusätzlich die glatte,
wenig individuell wirkende Optik (gestaltet von Emanuele Barison) nicht unbedingt
zum längeren Verweilen einlädt.
Für alle die die ersten beiden Nummern besitzen, die 1999
und 2003 bei Salleck Publications erschienen, bietet sich hier durch Finix ein runder
Abschluss, der den Storybogen um die Jagd nach dem irren Wissenschaftler
Strigoi beendet. Das Album kann aber auch durchaus alleinstehend gelesen
werden, da zu viel Vorwissen nicht zwingend erforderlich ist.
Sehr gut ist Finix die Verarbeitung
gelungen, weshalb der schicke Hardcover-Band sich mal wieder perfekt in das bestehende
Gesamtbild der Serie einfügt, was für Sammler ja durchaus nicht unwichtig ist. Ein Unterschied zur professionellen Arbeit etablierter, großer Verlage
ist praktisch nicht auszumachen. Aufgefallen ist mir auch, dass zu Anfang ein
kurzes "Was bisher geschah …" abgedruckt wurde, was für potentielle Einsteiger
wie mich ja doch hilfreich sein kann. Auch wenn nur knapp das grundsätzliche
Setting erläutert wird, hätt ich mir dies bei beispielsweise Abersen ebenfalls gewünscht.
Wer darüber hinaus genauere Informationen zur Serie Tatjana
K. braucht, dem sei auch folgende Seite der Kollegen der Comicradioshow
empfohlen, Michael Hüster hat 2005 ein ausführliches Dossier erstellt: http://www.comicradioshow.com/Article2119.html
Tatjana K.- Das Stigma des Longinus
Finix, März 2009
Text: François Corteggiani
Zeichnungen: Emanuele Barison
48 Seiten, farbig, HC; 13,80 Euro
ISBN: 978-3941236042
Leseprobe bei finix-comics.de

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