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von Thomas Kögel Dienstag, 24. März 2009
Wer kennt sie nicht, die unerwünschten E-Mails, die man Tag für Tag in seinem Spam-Ordner (oder, schlimmer, direkt im Posteingang) findet. Meistens sind sie nur lästig, manchmal bergen sie aber auch unfreiwilligen Humor in sich. Nicolas Mahler schafft es wie kein zweiter, das Absurde und Komische an Spam-Mails herauszuschälen und legt mit SPAM ein Buch vor, das aus realen Betreffzeilen und realen Absendernamen kleine Miniaturen macht, die umwerfend komisch sind. Und ganz nebenbei gelingt ihm eine tragische Geschichte vom Abenteuer Penisvergrößerung.
"All texts in this book where found in my mailbox". So steht es (inklusive Schreibfehler) am Beginn des kleinen, giftgrünen Hardcover-Büchleins. Es folgt auf jeder Seite eine einzelnes Panel, bestehend aus der Betreffzeile einer Spam-Mail (alle auf Englisch), Datum und Name des Absenders sowie einer kleinen Zeichnung im typischen minimalistischen Stil von Nicolas Mahler. Für seine Bilder lässt sich Mahler vor allem von den oft herrlich bescheuerten Namen inspirieren, die als Absender der Werbepost fungieren. Shlomo Nhum, Henryk Semmelhack oder Erwin Kun-Tsun heißen sie zum Beispiel, und es ist ein großes Vergnügen, die Charaktere zu betrachten, die Mahler diesen Namen zuordnet.
Dazu kommen ihre Botschaften, die sich hauptsächlich um das primäre männliche Geschlechtsteil und dessen Größe drehen, die ja bekanntlich immer zu gering ist. Denn es ist nunmal so: "Huge love weapon is never too much". Mahler illustriert diesen Satz von einem gewissen Narciso Smirnov mit einem grimmigen, panzerfahrenden Soldat, der eine Pickelhaube trägt. Auf diese Weise entstehen kleine Vignetten, die, jede für sich, als einzelner kleiner Cartoon funktionieren.
Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass SPAM keine schlichte Sammlung von Einseitern ist, sondern darüber hinaus auch eine durchgehende Geschichte erzählt. Zwischen den Zeilen (bzw. zwischen den Panels) wird man Zeuge, wie der Adressat jener Mails sich auf die Werbebotschaften einlässt, denn "Pen!s enlargement is not a myth", und schließlich eine Bestellung abschickt, bis es heißt "Your order approved". Und natürlich steckt hinter dieser Geschichte - wie immer bei großem Humor - eine gewisse Tragik. Nicolas Mahler ist hier wirklich ein kleines Kunstwerk gelungen. Hinter dem schlichten Erscheinungsbild des Bandes und den scheinbar so simplen, mit grüner Farbe dezent geschmückten Bildern steckt ein Comic, der auf mehreren Ebenen funktioniert und bei dem sich auch eine wiederholte Lektüre sehr lohnt.
Wer kaum Englisch spricht, wird wenig Freude an dem Buch haben, da wie gesagt alle Spam-Mails in ihrer Original-Sprache, dem Englischen, belassen wurden. Dafür hat man hier einen international einsetzbaren Band, der hoffentlich auch im Ausland Abnehmer finden wird. Denn SPAM eignet sich nicht nur hervorragend zur Eigentherapie für Spam-geplagte Internetuser, sondern gibt auch ein prima Geschenkbuch ab. Gegen Spam ist leider kein Kraut gewachsen, also bleibt der Humor wohl unsere einzige Waffe gegen die Seuche. Diese hier ist besonders scharf.
SPAM
Reprodukt, März 2009
Textauswahl und Zeichnungen: Nicolas Mahler
Hardcover; schwarz-weiß-grün; 64 Seiten; 12,- Euro
ISBN: 978-3-941099-17-3

Abbildungen: © Nicolas Mahler / Reprodukt















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Cyril Pedrosa ist Comiczeichner (bekannt geworden durch Ring Circus und Drei Schatten) und er ist bekennender Öko.
Beide Fragmente seiner Persönlichkeit bringt er in dem Album Auto-Bio
zusammen. Pedrosa schildert sein Leben als Freund der Umwelt und wie er dieses
an strengen ökologischen Werten auszurichten versucht. In meist nur eine Seite
des Albums einnehmenden Episoden umreißt Pedrosa Alltagsprobleme, auf die er als
Öko gestoßen ist.
- 27.07.2009
Toonfish heißt das neue Label, mit dem der Splitter Verlag sein Programm um eine neue Geschmacksrichtung erweitert: Funny-Comics aus Frankreich, im quadratischen Hardcoverformat. Bei den drei Titeln, die zum Start vorliegen, handelt es sich, dem Namen "Toonfish" zum Trotz, nicht um Cartoons, also klassische Ein-Bild-Witze, sondern um kurze Gag-Strips, die auf ein bis drei Seiten erzählt werden. Aushängeschild des neuen Imprints ist der Schweizer Künstler Zep, der mit seinen Comics um den pubertären Titeuf in Frankreich absoluten Bestsellerstatus erreicht hat.
Quasi im Eigenverlag legt Frank "Spong" Plein hier den Auftakt zu einem kleinen Epos vor, in dem die Hauptfigur Steffen eher mit dem Leben - und vor allem der Liebe - hadert, als es frohgemut zu durchwandern. Damit hat Spong einerseits das Rad nicht neu erfunden, aber der Comic kommt andererseits so frisch und authentisch, so komisch und doch tragisch rüber, dass er was ganz Besonders ist.
- 05.07.2006
Ralf König erzählt in Prototyp die
Schöpfungsgeschichte frech und respektlos neu. Der Prototyp der
Menschheit ist Adam, die Hauptrolle kommt jedoch einer Schlange zu, dem guten
alten "Luz", wie sie genannt wird. Der Leser wird durch die von König
inszenierten Dialoge - vornehmlich zwischen Luz und Gott, der nur als Stimme in
Fraktur in Erscheinung tritt - in eine ganze Reihe von Erwägungen zur
Schöpfung und dem Menschsein verwickelt. Und diese zeichnen sich durch ein
Maximum an Wort- und Bildwitz aus, der aufs Königlichste zu amüsieren weiß und
manchmal zum Nachdenken verführt.
- 31.03.2009