Aktuelle Rezensionen


Bouncer 7 - Doppelherz


Tamara Drewe


Prototype


Spirit Archive, Band 16


Leroy & Dexter


Witchblade 1 und Darkness 1


Sukkubus 1 - Camilla


Animal'z


Cosa Nostra 4 - Die Hetzjagd


Solomon Kane - Schloss des Teufels
Anzeige
Advertisement
 
Ojo (US) Drucken E-Mail
Geschrieben von Christopher Bünte   
Freitag, 27. März 2009
Ojo CoverAnnies Leben sieht ganz schön beschissen aus. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater irgendwo auf Reisen und ihre große Schwester ein fieses Biest der Extraklasse. Gelebt wird in einem Trailer, was die Sache nicht eben besser macht. Auf so engem Raum ist Rückzug beinahe unmöglich. Hausherr Großpapa versucht mit Ruhe und Geduld die zerrissenen Geschwister daran zu hindern, sich gegenseitig zu zerfleischen. So sollte die Welt eines kleinen Mädchens nicht aussehen.

Um irgendeinen Sinn im Leben zu haben, wünscht sich Annie ein Haustier. Nacheinander kümmert sie sich um eine Eidechse (Phred), eine Maus (Molly) und einen Käfer (Käfer). Doch sie beweist ein schlechtes Händchen bei der Pflege ihrer Schützlinge: Phred stirbt auf der Heizung, Molly zerquetscht ein Brett, Käfer gerät unter einen Schuh. Annie muss einsehen: Sie hat’s nicht so mit Haustieren. Für jedes gräbt sie ein Loch neben dem Trailer, bald die Eigentümerin eines kleinen Friedhofs, aber immer noch einsam. Dann findet sie Ojo, ein Phantasieviech mit Tentakeln, das wahrscheinlich nur sie sehen kann.

Ojo nimmt reißausDie Grundidee der Story ist prima, gefühlvoller schwarzer Humor, gleichermaßen die erste Episode der Handlung, in der das Verhältnis der beiden Schwestern herrlich hysterisch ausgeleuchtet wird. Auch der Zeichenstil macht noch Spaß. Abwechslungsreicher Seitenaufbau, Bilder, die zwischen Strichmännchen und fast realistischer Darstellung hin- und herwechseln, abhängig davon, wie es eben gerade für das Erzählte angemessen ist. Leider gerät danach die optische wie inhaltliche Aufregung aufs Abstellgleis.

Die Geschichte leidet darunter, dass Autor Sam Kieth (The Maxx) zwei Ziele zugleich verfolgt. Auf der einen Seite möchte er eine innere Handlung erzählen, nämlich wie Annie den Unfalltod ihrer Mutter verarbeitet. Auf der anderen Seite möchte er aber auch eine äußere Handlung erzählen, wie Annie und Ojo miteinander auskommen, wie sie ihn am Leben hält etc. Die innere Handlung dominiert das Geschehen, wird von der äußeren jedoch immer wieder unterbrochen. Mal wird die Aufmerksamkeit auf den Tod von Annies Mutter gelenkt, da bricht irgendein Ojo-Problem herein, das einen in diesem Moment nur mäßig interessiert. Umgekehrt das gleiche Spiel. Eben verwandeln Ojo und seine in einem Abflussrohr lebende Riesenmutter das Ding in einen Monster-Comic, da kommt Großvater daher und möchte ein bisschen über Mama plaudern.

Zeichnerisch baut der Band nach der ersten Episode (nach 24 Seiten) stark ab. Die Strichmännchen sehen bald aus wie hingeschluderte Scribbles, wenig atmosphärisch, hin und wieder gar zweidimensional. So ist Ojo insgesamt ein mittelmäßiger Inde-Comic mit einem dicken Hänger in der Mitte, der gegen Ende wieder ein bisschen aufholt, indem er der Geschichte einen nicht besonders überraschenden, dafür aber schönen und runden Abschluss gibt.


Ojo
Oni Press, April 2005
Text: Sam Kieth
Zeichnungen: Sam Kieth, Alex Pardee, Chris Wisnia
144 Seiten, Softcover, schwarzweiß; 14,95 US-Dollar
ISBN 9781932664133


5-page-preview auf onipress.com

Mittelmäßiges Inde-Drama

Jetzt bei Comic Combo anschauen und bestellen!
Jetzt bei amazon.de anschauen und bestellen!

Abbildungen: © Sam Kieth / Oni Press
Kommentare (0)add comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security image
Bitte den obenstehenden Code eingeben:


busy
Ähnliche Artikel:
Liebe + Helden
 Allein die Aufmachung von Andi Watsons neuestem Streich Liebe + Helden ist ein echtes Highlight: Das über 300 Seiten starke Werk des britischen Künstlers brilliert mit einem edlen Rundrücken und einem herrlich reduzierten Cover. Letzteres deutet mit einem großen roten Herzen, das von der Flugschneise eines Capeträgers durchkreuzt wird, bereits die Hauptkomponenten des Comics an. Es handelt sich um eine Mischung aus Liebeserzählung und Superheldenstory. Und das in einer derart ausgewogenen Art und Weise, dass man sich durchaus schwer tut, Watsons Arbeit der einen oder anderen Leserschaft zu empfehlen.
Jazam! 4 - Monster
 Ein knallgrünes Monster mit knubbligen Hörnchen auf dem Kopf und einem großen Löffel in der Hand. So putzig sieht die neue Jazam!-Ausgabe aus, doch sollte man sich nicht von Daniela Uhligs süßem Cover in die Irre führen lassen. Der vierte Band der Künstlergemeinschaft Jazam! lädt diesmal in die Welt der Monster ein und droht dabei aus allen Nähten zu platzen. Die 354 Seiten sind randvoll mit Monstern, die sich in Klos verstecken, durch U-Bahn-Schächte kriechen, unter Betten hausen, in Schränken wohnen, im Tiefgrass lauern, in Bussen reisen, auf Friedhöfen wiedererweckt werden und solche die einfach mal die in der Hölle einen Spazierengehen machen. Das sind sehr viele Monster, das ist unbestritten, doch wie kann eine solch monströse Reizüberflutung überhaupt vom Leser verarbeitet werden?
Gregory 1 und 2
Marc Hempels GregoryMit Gregory hat Marc Hempel sicherlich eine der skurrilsten Comicfiguren geschaffen. An diesem Insassen einer Irrenanstalt, der sich am glücklichsten in seiner sicheren Zelle fühlt, scheiden sich die geschmacklichen Geister. Für Andreas Mergenthaler, Mit-Herausgeber des Verlags Cross Cult, war es eine Herzensangelegenheit, die Gesamtausgabe in zwei Bänden um Gregory, die oberschlaue Ratte Herman Vermin und die käsesüchtige Maus Wendell auf Deutsch herauszugeben.

Benjamin und Christopher sind ähnlich angetan. Ihren Meinungsaustausch in Dialogform könnt Ihr hier mitverfolgen.
100 Meisterwerke der Weltliteratur
 Vor mehr als acht Jahren hatten die Macher des „ältesten und innovativsten Comic(umsonst)magazins im deutschsprachigen Raum“, die Männer von Moga Mobo, die grandiose und doch so simple Idee, nicht nur ein Meisterwerk der Weltliteratur, sondern gleich hundert davon als Comic zu adaptieren. Zu bewerkstelligen war dieses ambitionierte Vorhaben mit dem mehr als treffenden Titel 100 Meisterwerke der Weltliteratur nur, indem man sich Grenzen setzte. Die Regeln für die hundert Künstler waren klar: Jede Adaption durfte nur 8 Panels haben und Worte waren nicht erlaubt. Und die vorwiegend deutschen Comic-Künstler kamen in Scharen. Die Erfolgsgeschichte wurde schließlich 2002 durch den Max-und-Moritz-Preis gekrönt. Nun hat sich das Trio mit dem Ehapa Verlag zusammengesetzt und eine Neuauflage des Klassikers der Klassiker ausgearbeitet.
Affentheater
 Eines vorweg: Affentheater ist einer der unkonventionellsten aber brillantesten Comicbände der jüngsten Vergangenheit. Und er ist vor allem eines: Geschmackssache. Mir jedenfalls hat er extrem viel Spaß gemacht, weshalb ich jedem nur empfehlen kann, sich unbedingt selbst ein Bild zu verschaffen.
 
Anzeige