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(Ausstellung) - Berlin: Signierstunde mit Anke Feuchtenberger, Birgit Weyhe u. Jul Gordon
11.02.2012
(Signierstunde)
von Benjamin Vogt Dienstag, 17. März 2009
Chester Browns autobiografisches Comicwerk Fuck beginnt
mit einem verlassen wirkenden Einzelpanel, dem Bild eines Mädchens und der
nüchternen Textzeile: „Connie Pug wohnte gegenüber…“. Distanz und Leere sind
zwei der Merkmale, die sich für den Leser dadurch bereits ankündigen und die
als durchgängiges Charakteristikum für den kompletten Band gelten können.
Thematisiert wird Chester Browns Jugendzeit in einem
kanadischen Vorort, eine Zeit der Orientierung und Zurückgezogenheit. Brown
berichtet unaufgeregt vom zunehmenden sexuellen Interesse der
Schulkameradinnen, ähnlich sachlich schildert er den fast emotionslosen Umgang
mit seiner schwer erkrankten Mutter. Und schließlich macht er in Fuck seine
komplizierte Persönlichkeit zum Gegenstand, die ihn in der Familie und im
Freundeskreis zum Außenseiter machte. Immer wieder wird auch das Verweigern von
Gefühlen als prägendes Motiv für Browns Entwicklung in der Pubertät herangezogen.
Es entsteht ein befremdliches Bild des jungen Künstlers, dem eine verbale
Liebesbekundung gleichermaßen schwer fällt wie das Aussprechen von
Schimpfwörtern. Auf über 180 Seiten geht der Comic viel weiter als die meisten
anderen autobiografischen Geschichten rund um das Erwachsenwerden. Fuck
entblößt das Innenleben des Autors aufs Schmerzhafteste, indem es die die
Distanz der Hauptfigur, Chester Brown selbst, perfekt in einer bemerkenswerten
Bildabfolge einfängt.
In ständig wechselnder Seitenaufteilung sind die Panels
in mal größerer, mal geringerer Anzahl angeordnet und richten sich demnach
nicht nach einer äußeren Struktur, sondern passen sich vorwiegend der durch die
Charaktere transportierten Stimmung an. Mit der großzügigen Nutzung
unvorhersehbarer Arrangements schafft es Chester Brown auch endgültig, seine
Jugendjahre für den Leser plastisch zu gestalten. Und das auf eine so
schonungslose Art und Weise, wie sie der Eigenwilligkeit des Künstlers gerecht
zu werden scheint.
Fuck
Reprodukt, Januar 2009
Text und Zeichnungen: Chester Brown
192 Seiten, schwarzweiß, 16,00€
ISBN 978-3-938511-96-1
Abbildungen aus der dt. Ausgabe: © Reprodukt















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Diesen Frühling öffnet der Reprodukt Verlag wieder einmal die Tore des Donjon und lädt deutsche Leser zu den Abenteuern der diversen Zeitstränge von Joann Sfars und Lewis Trondheims Fantasiewelt ein. Leider ist der Ausflug in die Vergangenheit des Donjons mit Der Letzte Ritter keine erzählerische Perle, sondern eher eine Murmel.
- 28.03.2010
Aufzeichnungen aus Birma ist der dritte Teil der Trilogie von Guy Delisle, die mit
autobiografischen Berichten aus dem chinesischen Shenzhen und dem
nordkoreanischen Pjöngjang begann. Und es scheint mir das Dickste und Beste der Drei zu sein! Von daher meine empfohlene Lesereihenfolge 1. Birma,
2. Pjöngjang, 3. Shenzhen.
Zuerst sieht alles ganz putzig aus: Eine junge Frau empfängt einen
jungen Herrn, einen Prinzen, und bei einer Tasse Kakao findet eine
zarte Annäherung statt. Die Figuren sehen niedlich aus, als wären sie
Märchenbüchern für Kinder entsprungen, sie sind in fröhlichen Farben
koloriert. Doch bald löst sich der Raum um sie herum auf, sie müssen
fliehen und ein großes Splashpanel zeigt dem Leser, in welcher
Behausung die netten Wesen gelebt haben: Sie sind winzig kleine
Gestalten, und sie kommen aus dem Körper eines kleinen toten Mädchens
gekrochen. Wie Gulliver liegt dieses Mädchen am Boden, im Vergleich zu
den kleinen Lebewesen wirkt es wie ein Riese.
- 17.12.2009
Ein knallgrünes Monster mit knubbligen Hörnchen auf dem Kopf und einem großen Löffel in der Hand. So putzig sieht die neue Jazam!-Ausgabe aus, doch sollte man sich nicht von Daniela Uhligs süßem Cover in die Irre führen lassen. Der vierte Band der Künstlergemeinschaft Jazam! lädt diesmal in die Welt der Monster ein und droht dabei aus allen Nähten zu platzen. Die 354 Seiten sind randvoll mit Monstern, die sich in Klos verstecken, durch U-Bahn-Schächte kriechen, unter Betten hausen, in Schränken wohnen, im Tiefgrass lauern, in Bussen reisen, auf Friedhöfen wiedererweckt werden und solche die einfach mal die in der Hölle einen Spazierengehen machen. Das sind sehr viele Monster, das ist unbestritten, doch wie kann eine solch monströse Reizüberflutung überhaupt vom Leser verarbeitet werden?
- 21.10.2009
Mit Gregory hat Marc Hempel sicherlich eine der skurrilsten Comicfiguren geschaffen. An diesem Insassen einer Irrenanstalt, der sich am glücklichsten in seiner sicheren Zelle fühlt, scheiden sich die geschmacklichen Geister. Für Andreas Mergenthaler, Mit-Herausgeber des Verlags Cross Cult, war es eine Herzensangelegenheit, die Gesamtausgabe in zwei Bänden um Gregory, die oberschlaue Ratte Herman Vermin und die käsesüchtige Maus Wendell auf Deutsch herauszugeben.