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von Daniel Wüllner Donnerstag, 26. Februar 2009


Please click here for the English review.


Comic Book Comics #3Die  Erfinder des glorreichen Comics Action Philosophers nehmen nun endlich mit dem dritten Teil ihrer Comic Book Comics-Reihe mehr Fahrt auf. Nachdem Fred van Lente an der Schreibmaschine und Ryan Dunlavey an der Zeichenfeder mit ihrem durchgeknallten Bildungscomics über das Leben und die Lehren berühmter Philosophen den Durchbruch geschafft haben, fand ihr neuestes Projekt über die Geschichte der Comics als Comic nur wenig Anklang. Während Rambo-Karl Marx mit seinen M-60 Gründen, warum Kapitalismus eine schlechte Sache sei, die Lacher definitiv auf seiner Seite hatte, wurden die beiden freischaffenden Künstler des Evil Twin Comic-Verlags für ihre Historie der neunten Kunst eher belächelt. In Ausgabe drei haben die beiden endlich wieder zu alter Aggressivität zurückgefunden.

Seduction of the InnocentDie Ausgangsfrage muss lauten: "Kann man von historischen Abhandlungen überhaupt erwarten, dass sie einen so köstlich amüsieren wie das Leben von französischen Philosophen mit Nelkenzigaretten?" Wenn dies in einem Medium stattfindet, welches die Komik bereits in seinem Namen verankert hat, sollte die Antwort doch "ja" lauten. Aber ich kann mich auch nicht daran erinnern bei der Lektüre von Scott McClouds Büchern je herzhaft gelacht zu haben. Die Action Philosophers haben im Vergleich zu der Comichistorie jedoch einen Vorteil: Da sie kein Steckenpferd der beiden Comickünstler ist, konnten diese sich über alles und jeden lustig machen. Die Geschichte der neunten Kunst jedoch liegt den beiden sehr am Herzen. Man versucht also alles möglichst akkurat zu berichten. Sie achteten bisher darauf, dass weder Zeichner noch Autoren zu kurz kommen. Das Resultat war ein Spagat zwischen Faktizität und Humor. Letzterer ist bei den bisherigen zwei Ausgaben leider auf der Strecke geblieben.

Selbstverständlich wäre es einfach, die ersten beiden nicht so guten Ausgaben von Comic Book Comics zu vergessen. Damit würde man zwei langweilige Comics aus dem Gedächtnis streichen, die sowohl durch graphische Einfallslosigkeit als auch durch langweilige Plots versucht haben, sich heimlich in unsere Hirne einzubrennen. Würde man diese Löschung aber wirklich durchführen, dann würde auch die dritte Ausgabe irgendwo halbgelesen in einer Longbox verschwinden, denn sie nutzt dasselbe Personal, das umständlich in den ersten beiden Ausgaben vorgestellte wurde. Dort taucht auf einmal wieder Comic Book Comics #4Jack Kirby auf, der sich nach den Querelen mit Stan Lee in Comic Book Comics 2 verkracht hatte und der als Zeichner von Science Fiction-Comics Ende der 50er noch einmal neu anfängt. Erfolglos, wie sich herausstellte, führt sein Weg wieder zurück zu Mister Marvel und ebnet den Weg für Ausgabe vier von Comic Book Comics. Langsam aber sicher finden diese Verzweigungen immer öfter statt. Dunlavey und van Lente scheinen ihre selbstgeschaffende groteske Comicwelt endlich mit Figuren bevölkert zu haben, denen man als Leser wirklich gerne folgt.

Seit der dritten Ausgabe ist Comic Book Comics keine kleine, abgeschlossene Welt mehr, wie es bei den Action Philosophers der Fall war, sondern wird zu einem Kontinuum, das sich beliebig erweitern lässt. Plötzlich scheint das Evil Twin Comics-Duo wieder Gefallen an abgefahrenen Wort- und Bildwitzen zu haben. Möglich scheint diese neue Lust an Blödeleien erst durch die  aberwitzige Aneinanderreihung von Andy Warhol, Batman, Frederic Wertham, Brillo-Putzschwämmen und Superheldenschmonz geworden zu sein.


Leseproben der ersten beiden Ausgaben.



Comic Book Comics 3
Evil Twin Comics, Juli 2008
Text: Fred van Lente
Zeichnungen: Ryan Dunlavey 
40 Seiten, schwarz-weiß; 3,95 US-Dollar
ISBN: 649241855132

Aberwitzige Comichistorie

Bilder © Evil Twin Comics


{mospagebreak title=English review of Comic Book Comics 3} 




Comic Book Comics #3The inventors of the famous Action Philosophers finally returned to their grotesque humor in the third instalment of their Comic Book Comics-series. After writer Fred van Lente and artist Ryan Dunlavey celebrated their breakthrough with the totally weird educational comics about the life and times of most popular philosophers, their new pet-project covering the history of comic books seemed to fall short of critical applause. While Rambo-like Karl Marx, who had M-60 reasons to hate capitalism, could score tons of laughter, the two freelance artists of Evil Twin Comics were only smiled at by critics for their illustrated history of the ninth art. In issue three they lifted the curse that hung over them for the two earlier issues and returned to their old aggressive storytelling qualities.

Seduction of the InnocentThe first question that needs to be solved can be summed up like this: "Is it even possible to write/draw a historical account of the medium comic that is as funny as the life and times of French philosophers smoking clover-perfumed cigarettes?" When all this takes place in a medium that has subscribed to humor by its own name, a simple "yes" should be the answer. But when I remind myself of reading the books of Scott McCloud, I don't remember any incidents when I laughed out loud. In contrast to the complete comic book history the Action Philosophers had a certain advantage: Because philosophy was not the hobbyhorse of the Evil Twins, the two comic-artists could make fun of everything and everyone without any restrictions. As they hold their 'weapon of choice' very dear, the first steps towards a hilarious history of the medium posed a problem. While trying to be as accurate as possible, they treated all comic creators alike, whether infamous writers or underappreciated artists. You got to find the balance between fact and humor. In case of the last two issues of Comic Book Comics the latter was left behind too often.

I would be very easy to simply forget that the first two issues Comic Book Comics ever existed. This would certainly rid us of two comics who tried to brand into our brains through graphic boredom and unimaginative plotlines. Yet the result of this erasure would be a half-read issue three of Comic Book Comics that would get lost in a longbox, too. The first two issues as boring as they are have to be seen as a kind of prologue for the recent issue. In Comic Book Comics #3 van Lente and Dunlavey use the already established personnel from the previous issues. Comic Book Comics #4After his quarrel with Stan Lee in Comic Book Comics #2, Jack Kirby returns, trying to make a career in science fiction-comics. After a very short-lived period Kirby has to resign and joins Mister Marvel in issue four. These interconnections increase in number and portray the comic book history as a lively field. Dunlavey and van Lente finally populate their grotesque comic-universe with familiar faces that readers enjoin following.

Since its third instalment Comic Book Comics regained its strength and turned into a continuum that can be added to at will. Suddenly the Evil Twin Comics-duo regained their desire for wicked word- and picture-jokes. It seemed as this well-liked oafishness was made possible only by the awkward sequence of Andy Warhol, Batman, Frederic Wertham, Brillo-pads, and superhero-burlesque in one comic.

Extracts from the first two issues of Comic Book Comics.



Comic Book Comics #3
Evil Twin Comics, July 2008
Writer: Fred van Lente
Artist: Ryan Dunlavey 
40 pages, black-and-white; 3.95 US-Dollar
ISBN: 649241855132

Genuinely grotesque History of Comics











Images © Evil Twin Comics




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