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von Daniel Wüllner Montag, 09. Februar 2009
Im ostwestfälischen Bielefeld gastiert noch bis zum 5.April 2009 die Ausstellung "Jahrhundert der Comics - Die Zeitungs-Strip-Jahre" (s. unseren Hinweis in der Welt am Draht). Dabei zeigt das Museum Huelsmann unter Leitung von Kurator Dr. Alexander Braun frühe amerikanische Zeitungs-Strips, die so bisher in Deutschland noch nicht zu sehen waren. Die Sammlung, die fast ausschließlich aus dem Privatbesitz des Kurators selbst stammt, führt den deutschen Leser in eine Welt der Zeitungscomics ein, die eigentlich als Wegwerfkultur gedacht war. Ein gern gesehener Begleiter jeder Museumsausstellung - hat man selbige nun besucht oder auch nicht - ist immer der entsprechende Katalog zur Ausstellung. Auf den bebilderten Seiten des stattlichen Folianten findet der Leser neben Reproduktionen der Exponate einen unerlässlichen Fundus an Informationen über die frühen Strips und deren geschichtlichen Kontext. Im Fall dieses begleitenden Katalogs geht jedoch das gedruckte Wort in all seiner Fülle über die Kraft der ausgestellten Bilder hinaus.
Zunächst erfüllt der Katalog gehorsam seine Aufgaben: Auf 240 Seiten werden den Besuchern der Ausstellung, aber auch allen, die es nicht nach Bielefeld geschafft haben, noch einmal alle Exponate in bestechender Qualität vorgeführt. Dazu gehören Originalzeichnungen von Walt Kellys Pogo, aber auch sehr selten gezeigte Strips von Charles Forbells Naughty Pete. Ebenso wie in den Ausstellungsräumen des Museums Huelsmann führt Alexander Braun auch im Katalog chronologisch durch die Zeitgeschichte der amerikanischen Zeitungs-Strips. Von Pionierjahren des Strips über die Familien- und Abenteuer-Strips begleitet der Leser sowohl die Geschichte des Mediums als auch die der Vereinigten Staaten von Amerika.
So dient der Katalog „Jahrhundert der Comics - Die Zeitungs-Strip-Jahre" nicht nur als bloße Sammlung von Ausstellungstücken, sondern als Handbuch zur amerikanischen Historie. Braun erläutert dabei, warum der Zeitungs-Strip gerade im New York der Einwanderungszeit, im amerikanischen Schmelztiegel, solche Popularität erfahren hat und auch wie der erbitterte Kampf der Zeitungsmogule Pulitzer und Hearst die Produktion von Comics immer wieder aufs Neue angetrieben hat. Der Strip dient dabei dem Zeitstrahl nicht nur als treuer Begleiter, sondern wie im Fall von Walt Kellys Pogo als kritischer Beobachter der Geschehnisse. Zusätzlich zu den Bildbeispielen fügt der Autor genauste Erläuterungen selbiger hinzu, wie z.B. der Tatsache, dass das anthropomorphe Schwein in Pogo den russischen Ministerpräsidenten Nikita Chruschtschow verkörpern soll.
Während Terry and the Pirates von Milton Caniff und Blondie von George McManus so zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Populärkultur geworden sind, untersucht Braun jeden der dargestellten Künstler in einem gesonderten Kapitel äußerst fachmännisch: So finden sich neben den Kin-Der-Kids-Strips auch Lyonel Feiningers berühmtere Werke wie Die Kirche von Mellingen.
Erst durch die Gegenüberstellung von Kunst und Comic schafft Braun ein Verständnis für die Parallelen, welche die Künstler in ihren Strips nutzen, aber auch erst erzeugen. So datiert George Herrimans Krazy Kat das skurrile Theater eines Samuel Beckett vor, Alex Raymonds Agent X-9 stellt das verlorene Bindeglied zwischen den pulp magazines von Dashiell Hammet und den berühmten Film Noir-Klassikern dar. Der Zeitungs-Strip wird unter der Feder von Braun zu einer lebendigen Kunstform, die sich gerade aufgrund ihrer Ausnahmestellung bei jeder anderen Kunstform bedient, diese aber gleichzeitig durch neue Innovationen selbst bereichert.
Spricht man also über das Buch "Jahrhundert der Comics - Die Zeitungs-Strip-Jahre" ist der Begriff "Katalog" sicherlich die falsche Bezeichnung; vielmehr hat sich Dr. Alexander Braun damit in die Comicforschung eingeschrieben und bietet seinen Lesern ein unschätzbares Handbuch für den Umgang mit amerikanischen Comic-Strips. Für jeden Freund der bunt bedruckten Zeitungsstrips lohnt sich diese Investition jedoch.
Mehr zur Ausstellung findet Ihr hier im Bericht bei tagesspiegel.de.
Jahrhundert der Comics - Die Zeitungs-Strip-Jahre
Huelsmann Stiftung
Text: Dr. Alexander Braun
Hardcover, farbig, 243 Seiten; 30,- Euro
ISBN: 978-3-9812373-0-6
Bezugsmöglichkeiten:
Bestellt werden kann der Band direkt beim Museum Huelsmann, beim Comicladen Grober Unfug oder bei der Galerie Laqua (Weitere Hinweise gerne über unser Kontaktformular).
Zur Ausstellung:
Die Ausstellung in Bielefeld endet am Sonntag den 5. April. Anschließend wird sie vom 24. April bis zum 12. Juni im RWE Tower in Dortmund zu sehen sein (Mo-Fr von 9.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt frei, an Wochenenden geschlossen). Die vorerst letzte Möglichkeit einen Blick auf die amerikanischen Zeitungs-Strips zu werfen, bietet sich vom 5. September bis zum 20. Dezember in der Galerie der Stadt Remscheid.















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Selten hat es ein Cover geschafft, die Essenz eines Buches so gut einzufangen, wie das Titelbild von Erotische Comics. Unser voyeuristischer Blick gleitet von den roten High Heels langsam über die Strapse nach oben. Er umspielt einen kleinen Augenblick zu lange das wohlgeformte Hinterteil; erst dann führt er uns weiter über das adrette weiße Kleidchen und über die süße Schleife hin zu einem wilden Rotschopf. Gelenkt von unserer male gaze nehmen wir Stück für Stück wahr, wie sich die einzelnen Details zu einer kompletten Frau zusammenfügen, die ihrerseits jemanden durch ein Schlüsselloch beobachtet. Obwohl nicht wir das Objekt ihrer Begierde sind, wird uns schlagartig klar, dass wir sie mit unseren Augen ausgezogen haben. Ein Gefühl der Scham setzt ein. Dieses ständige Spiel zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Betrachten und betrachtet werden, verfolgt Autor Tim Pilcher über zwei Jahrhunderte und gibt dem geneigten Leser dabei einen interessanten Einblick in das stets wechselnde Verhältnis von Kultur und Sexualität.
Seit mehr als einem Jahr nun färben sich die Träume von deutschen
Comicwissenschaftlern in sattem Gelb, denn im Januar 2008 gründete der
wissenschaftliche Mitarbeiter der Ruhr-Universität Bochum, Christian A.
Bachmann, seinen gleichnamigen Verlag. Bachmann setzt dabei mit seiner
gelben Reihe "yellow: Schriften zur Comicforschung" genau auf die
Nische, die bisher von der deutschen Verlagsgemeinde vernachlässigt
wurde, auf die Comic-Wissenschaft. Das Gelb, so Bachmann im Vorwort zum
ersten Band der Reihe, soll an den gelben Schlafrock von Mickey Dugan
erinnern, aus Outcaults cartoon strip The Yellow Kid, der für viele Wissenschaftler die Geburtsstunde des Comics markiert. Der zweite Band Ingenieur der Träume – Medienreflexive Komik bei Marc-Antoine Mathieu von Dr. Rolf Lohse ist nun in der zweiten Auflage erschienen.
- 21.10.2009
Für den Sonderband „Comics, Mangas, Graphic Novels“ der Reihe
Ein
Buch über Comics zu verfassen, ist ein genauso großer Drahtseilakt wie
die Adaption einer literarischen Vorlage für die große Leinwand.
Ständig wird man zwischen künstlerischer Eigenständigkeit und Werktreue
balancieren müssen, um sich selbst, dem Publikum und dem Markt gerecht
zu werden. Obwohl die perfekte Besänftigung all dieser Gruppen einem
Wunschtraum gleichkommt, hat sich Comicredakteur Klaus Schikowski mit Die großen Künstler des Comics
(im Edel Verlag erschienen) einer solchen Aufgabe gestellt. Als
Gegenstand und auch als Unterstützung für das Projekt hat sich
Schikowski 34 große Comic-Künstler von Rudolph Dirks bis hin zu Marjane
Satrapi mit aufs Drahtseil geholt.
- 27.11.2009
Die 101 wichtigsten Fragen heißt eine Taschenbuchreihe beim
Verlag C.H. Beck, die sich auf populäre Art umfassend mit
Themengebieten aus Geschichte, Wissenschaft und Kultur beschäftigt, und
das mit einer großen Bandbreite. So gibt es u.a. Ausgaben zu Thomas
Mann, dem Islam, den Germanen und zur Mathematik. Und seit letztem
Herbst auch einen Band über Comics und Manga. Autor ist Andreas
Platthaus, der als Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Allgemeinen
regelmäßig über Comics schreibt und auch schon diverse Fachbücher
veröffentlicht hat.
- 15.03.2009