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(Signierstunde)
von Benjamin Vogt Dienstag, 03. Februar 2009
Xoth!-Die unaussprechliche Stadt ist ein fantasievoller
Comic, der sich dem Werk von H.P. Lovecraft auf humoristische Weise
nähert. Es ist Anna-Maria Jungs erste
längere Comicgeschichte - dass die Österreicherin dabei ihrem Hang zu
verschrobenen Inhalten weiterhin nachkommt, versteht sich von selbst. So ganz
von einem Debut kann man hier aber nicht sprechen, immerhin hat sie bereits in
einem One-Pager Kafkas "Das Schloss" adaptiert (zu finden in der Anthologie "50-Literatur gezeichnet"),
erzählte eine autobiografische Episode in Panik Elektro und beschäftigte sich
mit Hitlers Genmaterial (in "Urbanity"). Aufmerksame Comicgate-Leser dürften
sie zudem als Gewinner des Goldenen Spacken 2006 und aufgrund ihrer absurden
Comicbeiträge für das Comicgate-Magazin 1 und 3 kennen. Mit Xoth! entstand nun also
ein 74-seitiges Werk von ihr, das sich durchaus sehen lassen kann.
Auf Basis
des Cthulhu-Mythos, der von Lovecraft erschaffen wurde, und mithilfe der Beschäftigung mit dem Thema anhand ihrer Diplomarbeit entwickelte Anna-Maria
Jung eine ganz eigene Welt; wenn man so will ihre eigene Interpretation der
Lovecraftschen Horrorwelt. Ihre Stadt Xoth ist bevölkert von skurrilen,
niedlichen, charmanten und vor allem lustigen Figuren Hier sind die Bösen
auch noch nicht allzu böse, weswegen der Held Jacop O' Damsel auch nach
tollpatschigem Durchstreifen der Story in der Lage ist, irgendwie über sich
hinaus zu wachsen.
Jungs Comic verspricht in jedem Fall Kurzweile. Die Handlung
versteht es auf clevere Weise mit Klischees und stereotypen Abläufen in der
Mediendarstellung zu spielen und bewegt sich gekonnt in einem einfallsreichen
Kosmos vielfältiger Wesen. Auch die zahlreichen, oft versteckten, kulturellen
Anspielungen, vornehmlich auf Grant Morrisons Vertigo-Serie The Invisibles,
machen Lust, einmal näher hinzusehen. Diese Liebe zu den Details tragen
zu einer stimmigen, augenzwinkernden Gesamterscheinung bei, die Jungs
Animations-Zeichenstil gelungen zu transportieren weiß. Der ist nämlich auch
ohne großen Aufwand immer dann hervorragend, wenn kleine Momente in Szene
gesetzt werden sollen. Lediglich eine phasenweise zu beobachtende Inkonsistenz
im zeichnerischen Ausdruck, z.B. in der Darstellung der Gesichter in manchen
Perspektiven, fällt weniger positiv auf.
Insgesamt ist dieser Comic aber wirklich lesens- und empfehlenswert, Xoth! ist mit einem Vorwort von Noah Berlatsky und ein paar Pin-Ups weiterer Künstler, z.B. von Christian Moser (Monster des Alltags) oder dem fantastischen Jörg Vogeltanz (Anger Diaries) versehen.
Xoth! - Die
unaussprechliche Stadt
Zwerchfell, Oktober 2008
Text und Zeichungen: Anna-Maria Jung
84 Seiten, farbig, HC; 14,- Euro
ISBN: 978-3928387873
Website zum Comic mit Trailer, Galerie uvm.
Xoth! - Die
unaussprechliche Stadt © Anna-Maria Jung















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Es ist jetzt gut 10 Jahre her,
dass Garth Ennis sein Meisterwerk Preacher abschloss.
Stellt Euch einfach mal vor, Ihr bekämt die Zusammenfassung der Handlung (!) eines Pornofilms (hier: deutscher
Erotikfilm, auch als Lederhosenfilm bekannt) vorgesetzt, ohne diesen zu kennen. Könnte ja sein. Und nun sollt Ihr auf maximal sechs Seiten zeichnerisch umschreiben, was Ihr glaubt, worum es in dem Film geht. Verspricht spaßig zu werden, oder? Genau das haben sich die Jungs des Berliner Comicmagazins auch gedacht und ihr zweijähriges Epidermophytie-Zölibat pünktlich zum Comic-Salon 2008 gebrochen.
- 15.06.2008
Graphic Novels hier, Graphic Novels da. Die deutsche Comicbranche scheint
ihre persönliche Messlatte allein nach diesen anspruchsvollen Comics
für junge Erwachsene ausgerichtet zu haben. Obwohl dies natürlich nicht
gesagt wird, so wird doch impliziert, dass alle restlichen Comics
Trivialliteratur sind – kurz, sie sind Schund. Doch die Historie der
Comics und ihrer Vorväter ist nur so gepflastert von diesem herrlichen
Schund, der uns für ein paar Minuten die realitätsnahen Autobiografien
und Comicreportagen vergessen lässt. Bestes Beispiel dafür ist der
gerade bei Panini erschienene Comic Solomon Kane: Schloss des Teufels. Die Comicadaption von einem Meister des Schunds, Robert E. Howard, Schöpfer von Conan, gibt uns zwar nichts Tiefgründiges, dafür aber Lesefreude und jede Menge Trash.
- 14.02.2010
Es ist vollbracht, die fünfteilige, neu bearbeitete
Andrax-Gesamtausgabe liegt jetzt also komplett vor. Auch wenn die Stories aus
den 70ern an vielen Stellen vornehmlich durch hölzerne Dialoge und übertriebene
Handlungen auffallen, so beweist die spanisch-deutsche Koproduktion von Autor
Peter Wiechmann und Zeichner Jordi Bernet dennoch, dass überbordende
s/w-Fantasycomics auch heute noch ihren verdienten Platz innehaben können.
Ein unter mysteriösen Umständen geborenes Waisenkind, das im Schoß eines Jägerclans aufwächst und als Jugendlicher unheimliche Kräfte entwickelt. Dazu zwei Parteien, die jene Kräfte für ihre eigennützigen Zwecke verwenden wollen. Das klingt nicht gerade neu und könnte Stoff für eine generische 08/15-Fantasygeschichte sein, wie es sie seit Jahrzehnten zuhauf gibt. Dass "Blutsteine" und "Wo Sich die Wege Kreuzen", die ersten beiden Bände der Comic-Trilogie Kind des Blitzes, dennoch frisch daherkommen, liegt an der äußerst gelungenen Umsetzung des Themas.