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(Signierstunde)
von Benjamin Vogt Samstag, 27. Dezember 2008
Nach Sin City und 300 legt Cross Cult nun also auch Hard
Boiled, ein weiteres Werk von Frank Miller, als edle Gesamtausgabe neu auf. Die
ursprünglich dreiteilige US-Serie lässt sich am ehesten als eine überbordende, pompös
inszenierte Kurzgeschichte begreifen, in der ausgefeiltes Storytelling und
tiefgehende Dialoge bewusst in den Hintergrund gerückt sind und Miller viel
über großflächige, spektakuläre Szenen mit dem Leser kommuniziert.
Im Protagonisten
Nixon, einem nach eigenem Befinden normalen, pflichtbewussten Steuerfahnder,
findet Miller ein Werkzeug zur völligen Zerstörung, denn Nixon schlittert in
ein nicht zu kontrollierendes Massaker, das ihm schlussendlich zum
Bewusstwerden seiner eigenen Identität verhilft.
Angesiedelt ist dieses sehr explizite und brutale Werk in
einer futuristisch anmutenden Großstadt, die sehr detailiert von Zeichner Geof
Darrow dargestellt wird. Er ist es auch, der den abstrusen Plot, der im Grunde
aus einem einzigen Schlachtfest besteht, zu einer noch surrealeren Ebene
verhilft. Ob Straßenjagden, Massentötungen oder zerfetzte Leichen, die
Millersche Vorgabe geht hier in Punkto Gewalt wirklich an die Grenzen und
Darrow spart auch nicht damit, sich aller abstoßenden Details auch ausführlich
anzunehmen.
Auffällig ist dabei auch, dass immer wieder die gerade agierenden
Personen aus der Weitsicht betrachtet werden und sich dem Leser, sozusagen aus
der Panoramaeinstellung, eine wimmelbildartige Ansicht bietet, die das völlig
uferlose Gemetzel in diesem Kontext gesehen noch unglaublicher macht.
Hard Boiled ist so gut, weil es bewusst auf einen zu komplexen Inhalt verzichtet und sich auf außergewöhnliche Gewaltdarstellungen beschränkt. Das mag zuweilen abstoßend wirken, ist aber viel zu unrealistisch und übertrieben, um moralisch verwerflich sein zu können. Zumal Geof Darrow hier wirklich eine überragende Arbeit abliefert: Seine präzisen, detailverliebten Bilder sind allein schon die Anschaffung des Bandes wert, selbst wenn man die wenigen Textstellen und die magere Handlung außen vorlässt.
Natürlich war sich Miller seiner Prämisse, auf coole,
harte Antihelden zu setzen, die sich durch die Gegend ballern, schon damals
bewusst, so wirkt sein manteltragender Nixon auch ähnlich wie Hartigan aus
Sin City. Was Hard Boiled abtrennt von Millers anderen Werken, ist auch die
Tatsache, dass es mit voller Absicht übers Ziel hinausschießt und dieses nicht im
Ansatz versucht ist zu verschleiern. So bleibt Hard Boiled auch in der neu
überarbeiteten Fassung ein Comicbuch, das bemerkenswert und wohl einzigartig
ist.
Hard Boiled
Cross Cult,
Dezember 2008
Text: Frank Miller
Zeichnungen: Geof Darrow
Hardcover; farbig; 128 Seiten; 24,- Euro
ISBN: 978-3-936480-90-0

Bildquelle: crosscult.de















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