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von Benjamin Vogt Mittwoch, 26. November 2008

 Reinhard Kleist zählt wohl zu den bedeutendsten deutschsprachigen Comiczeichnern derzeit. Nicht zuletzt dank seiner Biografie über die Musiklegende Johnny Cash, Cash - I See a Darkness, fand Kleists über die Jahre stetig verbesserter Stil in letzter Zeit viel Beachtung.

Für seinen aktuellen Comicband Havanna nahm sich Kleist vor, Kuba nach dem kürzlichen Rückzug Fidel Castros zu porträtieren und in Comicform aufzubereiten. Im März 2008 ging seine Recherche vor Ort los, denn Havanna entstand aus seinen Eindrücken während eines vierwöchigen Aufenthalts in Kuba. Das so entstandene Buch ist kein durchgängiger Comic, sondern vielmehr ein Tagebuch, ein Reisejournal, in dem sich flüchtige Skizzen, Landschaftsporträts und erzählte Anekdoten abwechseln. Mit dieser Form des autobiografischen Reiseberichts findet sich Kleist in guter Gesellschaft wieder, denn es liegen bereits einige Comicbände vor, die sich an jener Form orientierten, so z.B. Craig Thompsons Tagebuch einer Reise, Guy Delisles Shenzhen (beide bei Reprodukt) oder die deutsch-israelische Comicreportage Cargo (im Avant-Verlag).

 Bei Havanna fällt der tatsächliche Comicanteil aber im Vergleich zu den anderen genannten Büchern deutlich geringer aus, denn Reinhard Kleist benutzt Comicpassagen eher, um Gespräche mit Einheimischen darzustellen oder um bestimmte Gedanken vor der Ankunft und während des Rückflugs auszubreiten. Die Stimmung und Atmosphäre des Landes fängt er zum Großteil mit ganzseitigen Gemälden von Straßenszenen, Menschengruppen oder Landstrichen ein. Diese sind mal in stimmigen, warmen Farben, mal in schwarz-weiß gehalten und verhelfen dem Comic mit ihrer anarchischen Einstreuung zu einem Ausbruch aus dem dokumentarischen Charakter. Gerade die oft präzisen Erklärungen zu den Skizzen vermitteln dem Leser ein zwar subjektives, aber doch sehr genaues Bild des kommunistischen Kuba. Die persönlichen Momente mit den Menschen interessierten Kleist dabei genauso wie bestehende Wert- und Gesellschaftssysteme, die auf der Insel vorzufinden sind.

 Er findet schließlich keine wirklichen Antworten auf die Probleme und die Fragen, die er sich vor dieser Reise stellte, aber er hinterlässt ein wunderbares Comicbuch voller intensiver Beobachtungen und Eindrücke und voller bezaubernder Illustrationen, die diese auf Papier bannen. Zudem war Kleist auch vom Niveau seiner Zeichnungen her selten so gut wie hier. Gerade wenn man sich seine frühen Werke ansieht, wirkt seine künstlerische Entwicklung bis heute erstaunlich.

Ebenfalls einen Blick wert ist ein Blog, das er während seines Aufenthaltes in Kuba und über diese Zeit hinaus führte: http://www.carlsen.de/blog/reinhard-kleist

 

Havanna
Carlsen Graphic Novel, Oktober 2008
Text und Zeichungen: Reinhard Kleist
80 Seiten; vierfarbig; Hardcover; 19,90 Euro
ISBN 978-3-551-73434-1
 

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Bildquelle: carlsen.de/blog/reinhard-kleist

 



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