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von Benjamin Vogt Donnerstag, 20. November 2008
Während von Manu Larcenets vielbeachteter Comicreihe Der
alltägliche Kampf in Kürze der abschließende vierte Band bei Reprodukt
erscheint, liegt bereits ein weiteres Album Larcenets auf Deutsch vor. Es
handelt sich um Larcenets zweiten Ausflug in Die wundersamen Abenteuer von ..., für
die er bekannte Persönlichkeiten in ungewöhnliche Szenarien versetzt und
bislang unbekannte Episoden aus deren Leben erzählt. Wurde im ersten Band noch
Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, nach Amerika geschickt um einen
Hund zu therapieren (Rezension bei Comicgate), widmet sich der neue Comic dem niederländischen Maler
Vincent van Gogh, den es an die Front des Ersten Weltkrieges verschlägt.
Nach einem vorgetäuschten Selbstmord wird van Gogh engagiert, um mit Hilfe seiner Gemälde das Geschehen des Krieges möglichst authentisch einzufangen und der Armeeführung dadurch eine Erklärung für die schwindende Moral ihrer Soldaten zu liefern. Widerwillig nimmt van Gogh die Aufgabe an und begibt sich als Gefreiter mit seinem Malerutensil direkt an die gefährliche Front.
Manu Larcenet gelang ein absurder Comic, der stark zwischen
Komik und Kriegsschauen schwankt. Natürlich sind seine knubbelnäsigen Figuren
nicht ganz ernst zu nehmen; sein van Gogh ist ein aufbrausender, wütender Kerl,
der sich permanent als Künstler ausweisen und erklären muss. Überhaupt wird
hier das Künstler- und das Soldatendasein direkt gegenübergestellt, was mit dem
pinselschwingenden van Gogh mitten im zerbombten Kriegsgebiet zu einem mitunter
starken Kontrast führt. Die wundersamen Abenteuer von Vincent van Gogh ist
ein urkomischer, aber gleichsam sehr erschütternder Band, denn das
Aufeinandertreffen mit Deserteuren aus den eigenen Reihen, zerfetzte Leichen,
der Kampf ums Überleben - das alles ist glaubhaft dargestellt und wird
von Larcenet auch durch ausdrucksstarkes Inszenieren Rechnung getragen.
Beklemmend wirkt die Story zusätzlich durch einige
tiefgehende, fast poetische Elemente. Van Goghs Fronteinsatz ist von Albträumen
geprägt, in denen er Kollegen als vermenschlichte Vögel sieht. Zunehmend
bekommen die beunruhigenden Träume für ihn Prophezeiungscharakter, zudem geht
die Legende von der "Mutter der Granaten" um. Van Goghs Visionen und die
Unzufriedenheit der Armeeführung mit seiner bisherigen Arbeit treiben den
berühmten Maler immer näher an den Schrecken des Krieges und an die vorderste
Front.
Nun ist dieser Band sicherlich von der grundsätzlichen
Ausrichtung her nicht weniger komisch als Larcenets andere Werke.
Allerdings sind seine Comics auch immer von sehr traurigen, ernsten Elementen
geprägt, was auch bei diesem Album zum Tragen kommt. Ähnlich wie sein Comic zu
Sigmund Freud treibt er auch van Goghs Biografie auf die Spitze und spinnt sie
fiktiv weiter. Besonders markant ist dabei das extreme Setting, dem die
berühmten Persönlichkeiten sich ausgesetzt sehen. Der Frontverlauf des Ersten
Weltkrieges bietet dafür eine gute Möglichkeit, die Larcenet wie gewohnt
brillant nutzt.
Die wundersamen Abenteuer von Vincent van Gogh - An
vorderster Front
Reprodukt,
Oktober 2008
Text und Zeichnungen: Manu Larcent
48 Seiten, farbig, 29 x 21 cm, Softcover; 12,- Euro
ISBN 978-3-938511-94-7
Leseprobe bei Reprodukt

Abbildungen © dt. Ausgabe Reprodukt















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"Dies ist die Geschichte eines trauernden Fotografen, einer Werkstatt
voller Erinnerungen, eines wichtigen Buches und vom lieben Augustin..."
Passende Klappentexte sind eine Kunst für sich, und im Falle von "Kostbarkeiten" darf man das Unternehmen einmal als gelungen betrachten. Der dritte Band der Reihe Le combat ordinaire
von Emmanuel Larcenet hat tatsächlich einiges zu bieten. Um Väter und
Söhne geht es, um die Natur und ums Erwachsenwerden, den Preis des
Krieges, Sinn und Unsinn der Psychoanalyse, Mütter und Brüder, Eulen
und Hackbraten und Dockarbeiter und Korken und Beziehungen und ... na
ja, den lieben Augustin eben.
Während der Comic-Salon Erlangen und die deutsche Comicszene mit Anke Feuchtenberger und Hendrik Dorgathen ihre avantgardistischen Helden feiern, bahnt sich in Frankreich seit ein paar Jahren eine Renaissance der Geschichtenerzähler an. Doch trotz des Fokus auf nationale Comic-Künstler kann man beruhigt sein, da sich deutsche Verlage auch um die franko-belgischen Lizenzen kümmern. Der Berliner Comicverlag Reprodukt zeigt dabei ein reges Interesse an der Nachfolgegeneration der Künstlergemeinschaft L'Association (um Lewis Trondheim, Killoffer und David B). So erschien zum Comic Salon nicht nur die neue Ausgabe von Manu Larcenets Der Alltägliche Kampf, sondern auch seine Koproduktion mit Jean-Yves Ferri, Die Rückkehr aufs Land, eine biographische Erzählung, die das klassische comic strip-Prinzip verwendet.
Die Nummer 1 von Manu Larcenets „Der alltägliche Kampf“ wurde schon sehr viel gelobt. Zu Recht. Die Reihe des Franzosen entpuppte sich als einfühlsames Melodram mit einer leicht nörgelnden, doch sympathischen Hauptfigur.
- 03.08.2005
Manu Larcenet hat mit den bis jetzt zwei bei Reprodukt erschienenen Bänden von "Der alltägliche Kampf" wahrhaftig Eindruck geschunden.