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von Andreas Fisch Samstag, 08. November 2008
Bis das Dorf von der Guardia niedergebrannt wird, ist schon vieles passiert. Als Gabriel in den Dschungel flüchten muss und sich einer Gruppe von Guerilleros anschließt, trägt er schon seine eigene Vergangenheit in die verschworene Truppe hinein. Viel mehr möchte ich der Erzählung nicht vorweg greifen. Sie ist nur ein einziges Mal abgeschmackt (das billige Stilmittel, den kleinen Hund eines Kindes von einem Soldaten tot treten zu lassen, banalisiert die systematischen Gräueltaten des Regimes). Ansonsten entwickelt Lepage kaum vorhersehbare Wendungen und überrascht mit einzigartigen Momenten. Lesen und Betrachten werden zum Genuss, die Story zieht unversehens in den Bann.
Meine persönlichen - wirklich kleinen - Wermutstropfen sind zwei: Zum einen erfährt der Leser vom Künstler Lepage kaum mehr als den Nachnamen. Zum anderen spielt im ersten Teil des Comics ein Wandbild in der Kirche eine bedeutende Rolle. Das Bild zieht seine magische und provokative Kraft aus Gabriels Eintauchen in die Lebenswelt der kleinen Leute und teils aus bedrohlichen Konfrontationen. Bedauerlicherweise wird das Bild nur in Fragmenten gezeigt. Als gespannter Leser hätte ich mir sehr gewünscht, es über eine ganze Seite und vollständig dargestellt zu finden.
Muchacho empfehle ich daher allen, die in schwierigen Umständen lieben, allen, die um Gerechtigkeit ringen, aber nicht immer Helden sind, jedem, der nach Nicaragua reisen möchte und allen, die sich an eindrucksvollen Bildern berauschen können und eine wirkliche gute Erzählung nicht versäumen möchten.
Muchacho
Carlsen Comics, Juni 2008
Text und Zeichnungen: Emmanuel Lepage
168 Seiten, farbig, Hardcover; 24,90 Euro
ISBN: 978-3551776556

Bilder © dt. Ausgabe 2008 Carlsen Comics
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