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Mit der Pitt Pistol-Gesamtausgabe bietet sich Comiclesern
jetzt die Gelegenheit, sich einen echten Klassiker in einem sehr schön
gestalteten Buch komplett zuzulegen. Pitt Pistol ist die Comicserie, die die
erste längere Zusammenarbeit von René Goscinny und Albert Uderzo - einige Jahre,
bevor die beiden den legendären Kulthit Asterix entwickelten und über lange
Zeit betreuen sollten.
Der Band enthält fünf Geschichten, womit sich alle je
erschienenen Abenteuer von Pitt Pistol vorfinden und am Stück lesen lassen, wobei
es sich bei der fünften Story "Der verrückte Erfinder" nicht wie bei den vier
anderen um ein reguläres Comicalbum handelt, sondern um eine Kurzgeschichte.
Vorangestellt enthält die Ehapa-Gesamtausgabe ein Vorwort von Horst Berner,
in dem u.a. auch die undurchsichtige Veröffentlichungshistorie der Serie
nochmals aufbereitet wird, sowie ein Vorwort von Albert Uderzo, dem Zeichner der
Serie, der nochmal einen persönlichen Einblick in sein Frühwerk gewährt.
Pitt Pistol ist ein Piratencomic, der im Frankreich des 18.
Jahrhunderts spielt. Zu jener Zeit startet der etwas naive Rotschopf Pitt
Pistol in eine neue Herausforderung, er kauft sich das heruntergekommene Schiff "Seestern", trommelt eine illustre Crew (bestehend aus seinen Freunden)
zusammen und schickt sich an, in Freiheit die Weltmeere zu bereisen. Und
tatsächlich wird der anfänglich von Unglück und Ungeschick geprägte
Startversuch unverhofft honoriert, denn Pitt Pistol wird zum Korsar des Königs
ernannt und nimmt fortan Aufträge im Namen seiner Hoheit entgegen.
Gerade bei der ersten Geschichte "Der unglaubliche Korsar"
wird deutlich, dass Goscinny und Uderzo ihren kreativen Höhepunkt noch längst
nicht erreicht hatten. Zu Beginn ist die Erzählung sogar ein Stück weit
ernsthafter, in Richtung Abenteuer gestaltet; dazu passt auch, dass Uderzo sich
an einem flächigeren und detaillierteren Stil versucht und Pitt Pistol selbst
relativ erwachsen aussehen lässt. Diese frühen Züge erfahren aber schon bald
eine sichtbare Veränderung, denn innerhalb der weiteren Geschichten verändert
sich die Handlung immer mehr zum klugen Gagfeuerwerk und auch die Optik wird
immer cartooniger. Am Ende der Gesamtausgabe scheinen immer deutlicher die Parallelen zum
späteren Werk Asterix durch, Klischees des Piraten-Genres werden humorvoll
bedient, die Figuren besetzen feste Rollen innerhalb der Erzähldynamik.
In den 50-er Jahren entstanden, ist Pitt Pistol sicherlich
nicht auf dem Niveau der besten Asterix-Bände, weswegen die Reihe wohl auch nie
die gleiche Aufmerksamkeit bekommen wird. Allerdings bietet sich mit Goscinnys
und Uderzos Frühwerk ein durchaus reizvolles Comicerlebnis. Es sind gute
Geschichten, die zu lesen sich auf jeden Fall lohnt. Wer Asterix mag, wird auch
an Pitt Pistol Gefallen finden, aber auch wer die Einzelbände von Pitt Pistol
besitzt, sollte sich diese sehenswerte Gesamtausgabe mal ansehen, denn das
Hardcover in Lederoptik ist ein wirklich schönes Schmuckstück für's
Sammlerregal.
Pitt Pistol
Gesamtausgabe
Ehapa Comic
Collection, September 2008
Text: René Goscinny
Zeichnungen: Albert Uderzo
HC, farbig, 224 Seiten; 29,95 Euro
ISBN 978-3-7704-3220-2
Abbildungen © dt. Ausgabe 2008 Ehapa Comic Collection
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