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von Benjamin Vogt Mittwoch, 22. Oktober 2008
Aber worum gehts? Wie der Titel Hell's Kitchen andeutet, findet sich der Leser in den Straßen von New York wieder. Es ist 1931, die Zeit der Prohibition - die Zeit, in der Mafiabanden und Schmuggler korrupte Polizisten unterhalten. In diesem blutigen Zeitgeschehen muss der 13-jährige Anthony Poucet, der mit seinen sechs Brüdern in Little Italy lebt, mit ansehen, wie seine Eltern ermordet und seine Freundin Anne von einem Gangsterboss verschleppt wird. Anthony beschließt daraufhin, sich für den Tod der Eltern zu rächen, Anne aus den Krallen des teuflischen Kriminellen Double B zu entreißen und dem rivalisierenden Mafiosi "Der Kannibale" ordentlich in die Suppe zu spucken. Viel Arbeit für einen Heranwachsenden, doch Anthony ist weit gerissener und routinierter, als es den Anschein hat. Ihm wird im Straßenkrieg zwar seine Kindheit unfreiwillig geraubt, aber er entflammt auch seinen eigenen, persönlichen Krieg …
Die Geschichte von Szenarist Damien Marie und Zeichner Karl
T. ist ein klassischer Mafiosi-Krimi, der in den USA der 30er Jahre angesiedelt
ist. Erzählt wird aus der Perspektive von Anthony Poucet; ein Junge, der selbst
zum Kriminellen wird, um im Teich der ganz großen Fische mit schwimmen zu
können. Was den beiden Kreativen hier wirklich zu verdanken ist, ist die sehr
authentisch gehaltene Atmosphäre jener Zeit. New York, in dem die Handlung
hauptsächlich angesiedelt ist, wird durch die ausgefeilten Charaktere, die man
über die vier Episoden hinweg kennen lernt, äußerst lebendig, und mit dem
Anknüpfen an historisch existierende Eckpfeiler, z.B. der Thematisierung von
Elliot Ness' Kampf gegen Al Capone, ist die Außendarstellung wirklich gelungen.
Zur Handlung selbst: Man hat immer mal wieder das Gefühl, dass einzelne Elemente
zu stark übertrieben werden, was den Band dann doch vom
Realismus wegtreiben lässt. Natürlich ist Anthony ein starker kleiner Kerl,
aber auch so stark, dass er mit Gangsterbossen verhandeln oder seine Freundin
mit einer ausgeklügelten Rettungsaktion befreien kann? Natürlich gelingt ihm
das, denn er ist sozusagen der Held der Geschichte, der umso heldenhafter wird,
wenn man sich vor Augen führt, dass er ja noch ein Kind ist. Gut, das ist das
Konzept, aber unbedingt glaubwürdig ist das in diesen Szenen nicht.
Insgesamt macht Hell's Kitchen aber Spaß; man bekommt einen packenden Crimethriller, den man gerne bis zum Ende liest. Es ist kein brillanter Comic, aber er ist qualitativ beständig und inhaltlich spannend genug, um ihn, insbesondere für Fans des Genres, empfehlen zu können. Der Preis hört sich natürlich für einen Comicband ganz schön happig an, aber man muss bedenken, dass man für dieses Geld vier Alben in einem bekommt und die ganze Story komplett und am Stück genießen kann. Insofern ist der Preis für diesen dicken Wälzer durchaus vertretbar.
PDF-Leseprobe (leider etwas unscharf): http://www.ehapa-comic-collection.de/media/Hells_Kitchen_Leseprobe.pdf
Hell's Kitchen
Ehapa Comic Collection; Oktober 2008
Zeichnungen: Karl T.
Text: Damien Marie
Hardcover; 192 Seiten; 39,95 Euro
ISBN 978-3-7704-3253-0
Abbildungen © der dt. Ausgabe: Ehapa Comic Collection















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Der Autor dieses Comics, Pierre Dragon, heißt in Wirklichkeit ganz anders. Hauptberuflich arbeitet er nämlich beim Nachrichtendienst der französischen Polizei, den "Renseignements Généraux", kurz RG. Ein echter Geheimagent also. Dieser lernte 2006 (im Zusammenhang mit dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen) Joann Sfar kennen, den französischen Hansdampf in allen Comic-Gassen. Sfar war fasziniert von den Geschichten, die ihm Dragon aus seinem Arbeitsleben erzählte und brachte ihn mit dem Schweizer Zeichner Frederik Peeters (Blaue Pillen) zusammen. Wenig später erschien dann der erste Band von RG bei Bayou, der von Sfar betreuten Comic-Edition im Verlag Gallimard.
- 29.10.2009
Vor mehr als acht Jahren hatten die Macher des „ältesten und innovativsten Comic(umsonst)magazins im deutschsprachigen Raum“, die Männer von Moga Mobo, die grandiose und doch so simple Idee, nicht nur ein Meisterwerk der Weltliteratur, sondern gleich hundert davon als Comic zu adaptieren. Zu bewerkstelligen war dieses ambitionierte Vorhaben mit dem mehr als treffenden Titel 100 Meisterwerke der Weltliteratur nur, indem man sich Grenzen setzte. Die Regeln für die hundert Künstler waren klar: Jede Adaption durfte nur 8 Panels haben und Worte waren nicht erlaubt. Und die vorwiegend deutschen Comic-Künstler kamen in Scharen. Die Erfolgsgeschichte wurde schließlich 2002 durch den Max-und-Moritz-Preis gekrönt. Nun hat sich das Trio mit dem Ehapa Verlag zusammengesetzt und eine Neuauflage des Klassikers der Klassiker ausgearbeitet.
Als 1992 mit „Enola Gay“ das erste Jessica Blandy-Album in Deutschland erschien, war nach diesem einen Band auch gleich wieder Schluss. Nun unternimmt der Verlag Schreiber & Leser einen zweiten Anlauf, diesen Klassiker des franko-belgischen Comics in einer kompakten Ausgabe herauszubringen. Dabei sammelt jeder Band drei einzelne Alben der Serie. Im nun vorliegenden zweiten Band der Werkausgabe sind die Stories „Blue Nights“, „El Zamuro“ und „The Girl from Ipanema“ enthalten.
Chauvel und Le Saec setzen ihre Geschichte des organisierten Verbrechens in New York mit „Murder Inc." fort. Aufgrund ihres „True Crime"-Charakteristikums ist die Reihe sehr faszinierend. Schließlich werden hier reale Fälle und Personen behandelt, die heute zumeist hinter popkulturellen Arbeiten wie Filmen, Romanen und anderen Comics kaum mehr zu entdecken sind. Was ist Mythos und was Realität? Die ganze Reihe Cosa Nostra ist ein historisches Sachbuch in Comicform. Und das hat als bebildertes Geschichtsbuch über Verbrechen seinen Reiz, weil es die Mythen ignoriert.
"Dies ist die Geschichte eines trauernden Fotografen, einer Werkstatt
voller Erinnerungen, eines wichtigen Buches und vom lieben Augustin..."
Passende Klappentexte sind eine Kunst für sich, und im Falle von "Kostbarkeiten" darf man das Unternehmen einmal als gelungen betrachten. Der dritte Band der Reihe Le combat ordinaire
von Emmanuel Larcenet hat tatsächlich einiges zu bieten. Um Väter und
Söhne geht es, um die Natur und ums Erwachsenwerden, den Preis des
Krieges, Sinn und Unsinn der Psychoanalyse, Mütter und Brüder, Eulen
und Hackbraten und Dockarbeiter und Korken und Beziehungen und ... na
ja, den lieben Augustin eben.