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von Thomas Kögel Montag, 13. Oktober 2008
Denn Blutspuren erzählt vor allem von drei Menschen: Vom Taxifahrer Kobi, der mit seinem Vater zerstritten ist und keinem Kontakt mehr zu ihm hat. Von der jungen Numi, einer Tochter aus reichem Hause, die sich in der High Society nicht wohl fühlt. Und von Kobis Vater Gabriel, der allerdings in der Geschichte niemals persönlich auftaucht. Ohne, dass er selbt mitspielt, erfahren wir nach und nach immer mehr über diesen Gabriel, der so ganz anders ist als das Bild, dass sein Sohn von ihm hatte.
Gabriel hatte eine Affäre mit der viel jüngeren Numi und sie ist es, die Kontakt zu dessen Sohn Kobi aufnimmt, denn Gabriel ist verschwunden. Numi vermutet, er sei bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen, bei dem eine Person nicht identifiziert werden konnte. Und so machen sich Kobi und Numi gemeinsam auf Spurensuche, um zu erfahren, wo Gabriel steckt und ob er das unbekannte Anschlagsopfer ist. Beide erfahren auf dieser Spurensuche sehr überraschende Fakten über den alten Mann. Wie hier mit der Zeit ein vielschichtiges Bild einer Person gezeichnet wird, die niemals selbst auftritt, ist die größte Stärke von Rutu Modans Comic. Und auch Kobi und Numi lernen lernen unterwegs viel über sich selbst -- in dieser Hinsicht hat Blutspuren durchaus etwas von einem Entwicklungsroman. Bemerkenswert ist übrigens, dass Rutu Modan ihre Geschichte aus dem Blickwinkel von Kobi, also einer männlichen Perspektive, erzählt. Dass sich Kobi und Numi während ihrer Ermittlungen auch noch verlieben, hätte leicht in gängige Hollywoodklischees abdriften können, doch Modan gelingt es auch bei diesem Teil der Geschichte, den Leser zu überraschen und dieser Beziehung einige Ecken und Kanten zu verleihen.
In einem Interview im Comics Journal sagt Modan dazu: "Seit der zweiten Itifada und dem Attentat auf Rabin,haben die Leute die Hoffnung aufgegeben, eine Lösung zu finden oder auch nur die politische Situation zu verstehen. Also gehen sie damit um, als wäre es ein schweres Schicksal, mit dem man sich halt abfinden müsse und mit dem man möglichst wenig Kontakt haben will. Das ist eine sehr traurige und gefährliche Situation. [...] In Blutspuren habe ich versucht, diese Realität widerzuspiegeln, ohne sie zu erklären oder meine Meinung dazu zu sagen - sie einfach zu zeigen."
Für ihre Zeichnungen orientiert sich Rutu Modan deutlich an der von Hergé geprägten Ligne Claire. Scharfe Konturen, pünktchenförmige Augen und eine extrem flächige Kolorierung sorgen für einen zeitlosen Stil, der allerdings nicht gerade dynamisch wirkt. Doch Blutspuren zielt nicht darauf ab, den Leser grafisch zu beeindrucken. Vielmehr geht es um Emotionen und Charakterentwicklungen, und diese werden hervorragend transportiert.
Dass Rätsel um den Verbleib von Kobis Vater wird am Ende aufgelöst - aber nicht restlos. Es bleiben noch immer ein paar offene Fragen. Und auch das Verhältnis zwischen Kobi und Numi steht bis zum letzten Panel auf der Kippe. Rutu Modan überlässt es dem Leser, sich sein eigenes Ende auszumalen. Eine Offenheit, die sehr gut zu diesem Comic-Roman passt.
Die deutschsprachige Ausgabe der Edition Moderne ist mit 28 Euro leider nicht gerade billig, ist aber in Übersetzung, Druck, Papier und Aufmachung absolut zu empfehlen.
Blutspuren
Edition Moderne, August 2008
Text und Zeichnungen: Rutu Modan
Softcover mit Klappenbroschur; 168 Seiten; 28,- Euro
ISBN: 978-3-03731-035-9
Bildquelle: editionmoderne.ch
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