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Geschrieben von Thomas Kögel
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Samstag, 13. September 2008 |
Der kleine Joachim führt mit seinen Eltern ein Leben voller Idylle.
Die kleine Familie lebt in einem kleinen Häuschen, umgeben von Natur. Die
Geschichte von Drei Schatten spielt in einer nicht näher definierten Welt,
die an Märchen und Volkssagen erinnert. Ihr Ausgangspunkt ist das
Eindringen von drei dunklen Gestalten in das Familienidyll.
Joachim
entdeckt eines Tages drei Reiter schemenhaft am Horizont, die langsam
näher kommen und ihm Angst machen. Am ersten Tag verschwinden sie bald
wieder, kehren aber regelmäßig zurück. Schon bald wird klar: Die drei sind
gekommen, um Joachim zu holen.
Was anfänglich wie eine klassische Fantasy-Genre-Geschichte beginnt,
konzentriert sich schon bald auf die Frage, wie die Eltern mit dem
drohenden Verlust ihres Sohnes umgehen. Während die Mutter Rat bei
einer alten Wahrsagerin sucht, leugnet der Vater die Gefahr und will
sie nicht wahrhaben. Schließlich verlässt er sein Heim und begibt sich mit
seinem Sohn auf die Flucht.
Diese Flucht führt die beiden auf ein großes Schiff, mit dem sie auf
die andere Seite eines nicht näher definierten Gewässers übersetzen
wollen, um dort vor der Gefahr sicher zu sein. Doch Sicherheit gibt es
dort nicht, und die Flucht endet schließlich mit einem übermenschlichen
Aufopferungsakt des Vaters. Auf diesen dramatischen Höhepunkt folgt eine
abschließende Coda, die gleichzeitig todtraurig und tröstlich,
melancholisch und wunderschön ist.
Drei Schatten wurde im letzten Jahr als einer von fünf "essentiellen"
Comics auf dem Festival von Agoulême ausgezeichnet. Sein Schöpfer Cyril
Pedrosa hatte zuvor als Animator für Disney-Zeichentrickfilme gearbeitet
und die Albenserie Ring Circus von David Chauvel (deutsch bei Salleck)
gezeichnet. In Drei Schatten erinnern zwar die Charakterdesigns an
Trickfilme, doch ist Pedrosas Zeichenstil hier deutlich individueller und
weniger gefällig. Er verzichtet auf Farbe und lotet dafür die zahlreichen
Möglichkeiten von Schwarz und Weiß aus. Von sehr hellen bis ganz finsteren
Seiten, von fein ziselierten Linien bis zu grob aufs Papier gehauenen
Kreidestrichen reicht Pedrosas Bandbreite.
Der Künstler spielt virtuos auf der Klaviatur der Emotionen, die man
mit zeichnerischen Mitteln herstellen kann. Am stärksten ist Drei
Schatten immer dann, wenn Gefühle, Stimmungen und Atmosphäre
vermittelt werden.
Erzählerisch wirkt der Band stellenweise etwas
unentschlossen. Man kann sich vorstellen, dass zu Beginn der Arbeit
kein fertiges Skript bereit lag und sich die Handlung erst im Laufe
der Zeit entwickelte. Die Episode auf dem Schiff, die sehr breiten
Raum in der Erzählung einnimmt, hat am Ende keine allzu zentrale
Bedeutung für die Geschichte und die Nebenfiguren dieses Kapitels
verschwinden ebenso schnell wieder, wie sie aufgetaucht sind.
Doch spätestens der überaus gelungene Schluss lässt den Leser diese
Schwächen vergessen. Aus einer banalen Abenteuergeschichte in einer
fantastischen Welt ist eine anrührende Allegorie über den Verlust
geliebter Menschen geworden.
Drei Schatten
Reprodukt, Juni 2008
Text und Zeichnungen: Cyril
Pedrosa
272 Seiten, Softcover, s/w; 20,- Euro
ISBN: 978-3938511954
Leseprobe

Abbildungen Drei Schatten © Cyril
Pedrosa, für die dt. Ausgabe 2008 Reprodukt

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