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Politix: Asterix und Politik Drucken E-Mail
Geschrieben von Daniel Wüllner   
Montag, 1. September 2008
Politix: Asterix und Politik"Ganz Gallien ist besetzt. Ganz Gallien? Nein. Ein kleines gallisches Dorf ..."
An diesem ersten Satz und den sich daraus entwickelnden Geschichten erfreuten und erfreuen sich noch immer Millionen von Lesern rund um die Welt. Sie folgen den Geschichten von Asterix und Obelix, reisen mit ihren Helden in fremde Länder und lösen die Probleme des kleinen gallischen Dorfes. Meist sind diese Probleme mit ein bisschen Zaubertrank und etwas Geschick zu lösen. Doch was würde passieren, wenn Miraculix, der Druide, nicht mehr in der Lage wäre, den Zaubertrank herzustellen? Würde das Dorf von Asterix, wie wir es kennen, zusammenbrechen? Diese und andere Fragen bezüglich der politischen Lage in Goscinnys und Uderzos gallischem Paralleluniversum stellt sich der finnische Autor und Politologe Keijo Karjalainen in seinem Buch Politix: Asterix und Politik.


Bereits im letzten Jahr hat man sich beim Saxa-Verlag freundlicherweise dazu entschieden, Keijo Karjalainens Politiikkaa Asterixin Maailmassa auch für ein deutsches Publikum zugänglich zu machen. Durch das sehr ansprechende Format und die simple, aber dadurch keineswegs weniger überzeugende Aufmachung des Buches spricht sofort an. Ganz im Stile deutscher Donaldisten bewegt sich der finnische Politologe, der derzeit im Außenministerium seines Heimatlandes arbeitet, auf populärwissenschaftlichem Parkett und gibt dabei teils interessante und teils lustige Einblicke in die politische Welt von Asterix' Gallien.

Noch bevor man aber auf die spannenden Fragen von Karjalainen näher eingehen kann, stößt man zunächst im Vorwort auf einige entschuldigende Worte des Autors, der keineswegs eine "'ernsthafte' Untersuchung" anstrebt. Für ein solches Vorhaben sollte man sich nicht entschuldigen müssen, sondern es konsequent mit geisteswissenschaftler Reife vollziehen. Dies gelingt Herrn Karjalainen nur bedingt: So kommt der Autor zwar gut ohne "literaturwissenschaftliche Untersuchung" aus, doch dies stellt den Leser vor das Problem sich ohne Inhaltsverzeichnis durch jedes Kapitel und Unterkapitel, die nicht also solche gekennzeichnet sind, zu durchwühlen, um entsprechende Stellen zu finden.

Ähnlich ungeordnet wirkt auch das Ende von Politix, an dem sich der interessierte Leser einen Index gewünscht hätte, in dem zumindest alle besprochenen Asterix-Alben mit entsprechenden Seitenzahlen aufgelistet sind. Stattdessen ist der Band mit sinnlosen Auflistungen und Schaubildern versehen, die den Leser über die Freizeitaktivitäten der Dorfbewohner oder das Lieblingsessen von Obelix aufklären. Die Welt der Politik und die Welt des Genusses sollten strikt getrennt bleiben; das gilt auch bei Asterix.

Abgesehen von einer zu bemängelnden Unübersichtlichkeit und einer etwas holperigen Sprache, die vielleicht auch durch die Übersetzung aus dem Finnischen zustande gekommen sein mag, liest sich das Buch, wie versprochen, interessant für Insider und Neulinge. Eine sehr schön an den Comics herausgearbeitete Gliederung in Exekutive, Legislative und Judikative, wobei letztere etwas zu kurz kommt, gibt zunächst einen Überblick über die politische Lage im Dorf: Zu diesem Zweck erstellt Karjalainen an Fallbeispielen die Wichtigkeit der Figuren Majestix, Asterix und Miraculix. So ist es nur durch diese Machtkonstellation möglich, die Stabilität, nach der stets im Dorf von Asterix gestrebt wird, zu erhalten. Mitten in dieser Diskussion stellt Karjalainen die These auf, dass außer Miraculix noch ein weiterer Dorfbewohner mit dem Rezept des Zaubertranks betraut wurde, um so das Geheimnis zu sichern. Wer diese Person ist, sei natürlich vor Lektüre von Politix nicht verraten.

Es sind diese Art von semiwissenschatlichen Spekulationen, welche die Donaldisten groß gemacht haben, und auch Karjalainen beherrscht die Kunst des intelligenten Vermutens, die er geschickt für sich einsetzt: Er stellt Fragen, die jedem Asterix-Leser schlaflose Nächte bereiten und versucht, manchmal mit einem Augenzwinkern, manchmal bitterernst, einleuchtende Antworten auf die Mysterien in der Welt von Asterix und Obelix zu geben:
"Weshalb hat Methusalix' Frau keinen Namen?"
"Wozu werden Hinkelsteine gebraucht?"
"Was steckt hinter dem Mysterium der Seeräuber?"

Die zweite Hälfte des Buches nimmt eine Untersuchung der Außenpolitik des Dorfs ein, das Karjalainen zunächst als souveränen Staat etabliert, um anschließend dessen Beziehungen zu Freund und Feind außerhalb der hölzernen Mauern zu klären. In diesen Passagen wirkt der Autor etwas ernster als zuvor und diskutiert über moralische Fragen in Bezug auf die Benutzung des Zaubertranks, den er in unserer Welt mit einer Atombombe gleichsetzt.

Wie bereits in der ersten Hälfte des Buches gelingt es dem Autor, das Thema mit dem nötigen Ernst zu beginnen und es mit einer gehörigen Prise Humor abzurunden: So verkündet er, dass es in Ordnung gehe, auch andere als Römer zu verprügeln. Auch wenn wir zu diesem weisen Schluss alleine gekommen wären, bietet Keijo Karjalainen, trotz kleiner formaler Schwächen, dem Leser ein informiertes Buch über Goscinnys und Uderzos Held Asterix, das die nötige Portion Humor im Hinblick auf diese fiktionale Welt nicht vermissen lässt.


Politix: Asterix und Politik
Saxa-Verlag, 2007
Text: Keijo Karjalainen; Übersetzung: Katja Zöllner
Paperback; 160 Seiten; 9,90 Euro
ISBN 978-3-939060-08-6

Spannende Populärwissenschaft mit kleinen Schwächen

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Bildquelle: saxa-verlag.de


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