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von Benjamin Vogt Donnerstag, 24. Juli 2008

 In Ben Tanakas Leben läuft gerade nicht alles so, wie er es sich vorstellt: Das Kino, das er leitet, wird kurzzeitig geschlossen, seine Freundin Miko zieht alleine nach New York, um sich beruflich weiterzuentwickeln und von der Beziehung eine Auszeit zu nehmen, und auch seine beste Freundin, die lesbische Studentin Alice, zieht es in den Big Apple. Für Ben, der seinem Umfeld ohnehin mit Engstirnigkeit und Sarkasmus entgegentritt, Grund genug, sich immer mehr in Pessimismus und Hoffnungslosigkeit zu verlieren.

Halbe Wahrheiten ist die erste Graphic Novel von Adrian Tomine (Optic Nerve, Sommerblond; beide bei Reprodukt erschienen). Wie von seinen anderen Werken bekannt, konzentriert er sich auch hier vornehmlich auf ein kleines Ensemble „normaler“ Menschen um die 30 Jahre. Dreht sich die Geschichte hauptsächlich um die Figur des Ben Tanaka, so ist dessen scheiternde Beziehung, sein Leben zwischen Film, Sex und Liebe, doch nur eine Verdeutlichung der Orientierungslosigkeit einer Generation.

 Ben, genau wie Miko und Alice, sind asiatisch-stämmige Amerikaner, die über die Klarheit der eigenen Identität ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Überdeutlich wird Bens kulturelle Identitätskrise dargestellt, so sieht sich schließlich auch Freundin Miko nach Bens sarkastischen Bemerkungen bezüglich des Asian-American Filmfestivals zur Aussage verleitet, dass er sich wohl für seine Herkunft schäme. Schließlich wird auch diese unzureichend definierte ethnische Frage zur zusätzlichen Belastung in der Beziehung, die darin gipfelt, dass Miko nach New York und Ben zurücklässt. Für ihn bietet sich jetzt die Gelegenheit, diese Auszeit zu nutzen, um seiner heimlichen Neigung nach weißen Frauen nachzukommen, was ihm aber auch nur solange im Kopf herumschwirrt, bis er von Alice nach New York bestellt wird, um Miko nachzustellen.

 Halbe Wahrheiten zeigt einen 30-jährigen Mann, dessen Leben von Zweifeln geprägt ist, der Mauern um sein Innerstes aufbaut und der auf der Suche nach sich selbst über soziale Stolpersteine fällt. Es ist ein Charakter, der, geleitet von Adrian Tomine, in der Lage ist, dem Leser Alltagssituationen möglichst gefühlsecht zu vermitteln. Mithilfe einer schlicht gehaltenen Panelanordnung und klaren, präzisen Schwarz-Weiß-Zeichnungen gelingt es Tomine, eine nachdenkliche Atmosphäre zu erzeugen, mit der sich jeder Leser identifizieren kann.

 

Halbe Wahrheiten
Reprodukt, Juli 2008
Text und Zeichnungen: Adrian Tomine
104 Seiten; schwarzweiß; Klappenbroschur; 13,00 Euro
ISBN: 978-3-938511-39-8

gut charakterisierte Graphic-Novel

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Abbildungen: © Adrian Tomine, Reprodukt

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