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10.02.2012
(Ausstellung) - Berlin: Signierstunde mit Anke Feuchtenberger, Birgit Weyhe u. Jul Gordon
11.02.2012
(Signierstunde) - Köln: Daniel Schreiber signiert
15.02.2012
(Signierstunde)
von Benjamin Vogt Donnerstag, 24. Juli 2008
In Ben Tanakas Leben läuft gerade nicht alles so, wie er es
sich vorstellt: Das Kino, das er leitet, wird kurzzeitig geschlossen, seine
Freundin Miko zieht alleine nach New York, um sich beruflich weiterzuentwickeln und
von der Beziehung eine Auszeit zu nehmen, und auch seine beste Freundin, die
lesbische Studentin Alice, zieht es in den Big Apple. Für Ben, der seinem
Umfeld ohnehin mit Engstirnigkeit und Sarkasmus entgegentritt, Grund genug,
sich immer mehr in Pessimismus und Hoffnungslosigkeit zu verlieren.
Halbe Wahrheiten ist die erste Graphic Novel von Adrian Tomine (Optic Nerve, Sommerblond; beide bei Reprodukt erschienen). Wie von seinen anderen Werken bekannt, konzentriert er sich auch hier vornehmlich auf ein kleines Ensemble „normaler“ Menschen um die 30 Jahre. Dreht sich die Geschichte hauptsächlich um die Figur des Ben Tanaka, so ist dessen scheiternde Beziehung, sein Leben zwischen Film, Sex und Liebe, doch nur eine Verdeutlichung der Orientierungslosigkeit einer Generation.
Ben, genau wie Miko
und Alice, sind asiatisch-stämmige Amerikaner, die über die Klarheit der
eigenen Identität ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Überdeutlich wird
Bens kulturelle Identitätskrise dargestellt, so sieht sich schließlich auch
Freundin Miko nach Bens sarkastischen Bemerkungen bezüglich des Asian-American
Filmfestivals zur Aussage verleitet, dass er sich wohl für seine Herkunft
schäme. Schließlich wird auch diese unzureichend definierte ethnische Frage zur
zusätzlichen Belastung in der Beziehung, die darin gipfelt, dass Miko nach New
York und Ben zurücklässt. Für ihn bietet sich jetzt die Gelegenheit, diese
Auszeit zu nutzen, um seiner heimlichen Neigung nach weißen Frauen
nachzukommen, was ihm aber auch nur solange im Kopf herumschwirrt, bis er von
Alice nach New York bestellt wird, um Miko nachzustellen.
Halbe Wahrheiten zeigt einen 30-jährigen Mann, dessen
Leben von Zweifeln geprägt ist, der Mauern um sein Innerstes aufbaut und der
auf der Suche nach sich selbst über soziale Stolpersteine fällt. Es ist ein
Charakter, der, geleitet von Adrian Tomine, in der Lage ist, dem Leser
Alltagssituationen möglichst gefühlsecht zu vermitteln. Mithilfe einer schlicht
gehaltenen Panelanordnung und klaren, präzisen Schwarz-Weiß-Zeichnungen gelingt es
Tomine, eine nachdenkliche Atmosphäre zu erzeugen, mit der sich jeder Leser
identifizieren kann.
Halbe Wahrheiten
Reprodukt, Juli 2008
Text und Zeichnungen: Adrian Tomine
104 Seiten; schwarzweiß; Klappenbroschur; 13,00 Euro
ISBN: 978-3-938511-39-8
Abbildungen: © Adrian Tomine, Reprodukt















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Auf einer
Podiumsdiskussion vor einigen Wochen im Münchener Literaturhaus wurde zum x-ten
Mal über das Für und Wider des Prädikats „Graphic Novel“ und seiner Stellung
auf dem Buchmarkt gesprochen. Ein nicht uninteressanter Vorschlag kam dabei von
Armin Abmeier, dem Herausgeber von Die
Tollen Hefte:
Man könnte doch anspruchsvolle Comics wie Romane behandeln und sie in die
jeweilige Genre-Kategorie in der Buchhandlung einordnen, um so Vorurteile gegenüber dem Comic zu überbrücken. Ein Comic mit dem Aufkleber „Graphic Novel“, der diesen
Weg hier exemplarisch gehen soll, ist Sascha Hommers neuer Comic Vier Augen aus dem Hause Reprodukt.
- 05.01.2010

Die sechs Schüsse von Philadelphia ist der fünfte Band der
Kollektion Levitation, die im Avant-Verlag erscheint. Und man muss sich positiv
wundern, dort einen deutschen Comicschaffenden vorzufinden, ist doch diese
wunderbare Reihe bislang den beiden internationale Ausnahmekünstlern Joann Sfar
(Pascin, Klezmer, Die kleine Welt des Golem) und Gipi (5 Songs) vorbehalten
gewesen. Nicht minder überrascht es, dass man mit Ulrich Scheel einen
hierzulande kaum bekannten Zeichner antrifft. Scheel hat zwar in Frankreich
bereits einige seiner Comics veröffentlicht, aber Die sechs Schüsse von
Philadelphia stellt sein Deutschlanddebut dar - umso bemerkenswerter, dass er
dabei gleich ein 240 Seiten dickes Buch vorlegt.

In der großen weiten Comicwelt gibt es kleine Projekte, es gibt große Projekte, es gibt riesig große Projekte und es gibt Donjon. Wer noch das Ende der insgesamt auf
300 Bände angelegten Reihe erleben will, sollte besser kein allzu weit
zurückliegendes Geburtsdatum vorweisen können und selbst die
Vielschreiber Sfar und Trondheim werden sich schon sicher mehr als
einmal selbst verflucht haben für das gigantische Pensum, das sie sich
auferlegt haben. Aber kann man denn in dieser Beziehung wirklich Mitleid empfinden mit
jemandem, der 100 Bände dem Werdegang einer Figur widmet, die im
weiteren Verlauf der Handlung gerade mal eine Nebenrolle spielen wird?