| Lost Girls |
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| Geschrieben von Thomas Kögel | ||||
| Dienstag, 22. Juli 2008 | ||||
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Lost Girls - Ein Annäherungsversuch Eigentlich muss man über Lost Girls nicht mehr viel sagen. Über keine Comic-Veröffentlichung dieses Jahres wurde bisher mehr geschrieben als über das "Kunst meets Porno"-Projekt von Alan Moore und seiner Ehefrau Melinda Gebbie. Das Thema sorgte in den letzten Wochen für soviel Aufmerksamkeit, dass in der deutschsprachigen Presse - von Spiegel über den Stern bis zur Bild-Zeitung - eine ungeheure Menge von Artikeln erschien - auch in vielen Blättern, die Comics in der Regel eher ignorieren. Für alle, die wider Erwarten nicht wissen sollten, worum es geht: Der Comic spielt im Jahr 1913 in einem Hotel am Bodensee. Dort lernen sich drei Frauen kennen, die zu den berühmtesten Figuren aus der angloamerikanischen Kinderliteratur gehören: Alice (aus Lewis Carrolls Alice im Wunderland), Wendy (aus Peter Pan von James M. Barrie) und Dorothy (aus L. Frank Baums Zauberer von Oz). In dem Hotel herrscht eine äußerst freizügige, erotische Atmosphäre, so dass die drei Frauen (und andere Gäste) schnell beginnen, sich in sexuelle Abenteuer in allen denkbaren Variationen zu stürzen. Währenddessen und dazwischen erzählen sich Alice, Wendy und Dorothy gegenseitig ihre jeweilige (ebenfalls schwer sexuell aufgeladene) Herkunftsgeschichte. Alan Moore ist kein Autor, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht und einmal erprobte Rezepte und Strickmuster immer wieder aufs Neue abspult. Moore ist ein Neugieriger, der erforschen möchte, was - und mit welchen Mitteln - man im Comic erzählen kann. Und auf dem Gebiet der Pornographie sah er eine echte Lücke: "Warum nicht mal ein pornographisches Werk, das genauso wertvoll und schön ist, wie man es von jedem anderen Kunstwerk auch erwarten würde?" (Alan Moore im Interview auf mania.com) Als Zeichnerin für dieses Projekt fand er Melinda Gebbie, die ihre ersten Comics in den 70er Jahren im Magazin Wimmen's Comix veröffentlichte, einer feministischen Underground-Comix-Anthologie aus San Francisco. Gebbie lebt seit 1984 in England und lernte Alan Moore durch Vermittlung ihres Comic-Kollegen Neil Gaiman kennen. Moore und Gebbie planten zunächst nur eine kurze, achtseitige erotische Geschichte, die sich erst im Laufe der Zeit zu einem 240-Seiten-Epos auswuchs. Aus dem Kreativteam wurde recht bald ein Paar, und seit 2007 sind die beiden auch verheiratet. Eine schwere Geburt Kein Porno wie jeder andere Obwohl Alan Moore in verschiedenen Statements klar und deutlich sagt, dass er hier ganz gezielt Pornographie produzieren wollte, hebt sich Lost Girls ganz klar von dem ab, was man sich landläufig darunter vorstellt und ist weder Schmuddel- noch Hochglanzporno. Bereits die hochwertige Aufmachung, aber auch der Zeichenstil und die Erzählweise machen unmissverständlich klar, dass die sexuelle Erregung des Konsumenten hier nicht allein im Vordergrund steht. "Was wir bieten wollten, ist ein Stück Pornographie, das so künstlerisch, intelligent und schön ist, dass es einige der möglichen Schamgefühle bei den Käufern umschifft", so Alan Moore im Interview mit der FAZ. Lost Girls ist ein literarisches Spiel, mit einer ganz ähnlichen Ausgangsbasis wie Alan Moores League of Extraordinary Gentlemen - nur eben mit sehr viel mehr Sex. Hier wie dort nimmt Moore berühmte Figuren der Unterhaltungsliteratur aus dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert, lässt sie aufeinandertreffen und gemeinsam etwas erleben. Während die Figuren in LOEG jedoch in ihrem angestammten Milieu bleiben (Action/Abenteuer/Fantasy), sieht es in Lost Girls ganz anders aus: Es sind Charaktere, die wir als junge Mädchen in Kinderbüchern kennengelernt haben und die wir jetzt plötzlich als Erwachsene bei sexuellen Ausschweifungen erleben. Jede der drei offenbart den anderen Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit, was Moore Gelegenheit gibt, die Klassiker Peter Pan, Alice im Wunderland und Der Zauberer von Oz sexuell zu interpretieren. In Sigmund Freuds Traumdeutung gelten Träume vom Fliegen als Ausdruck sexueller Wünsche, "und in Peter Pan wird viel geflogen", sagt Alan Moore (ebenfalls im FAZ-Interview). In Form von Flashbacks erzählen die drei Protagonistinnen von ihren ersten sexuellen Erfahrungen. Bei Wendy gab es intime Begegnungen mit Peter Pan, aber auch mit Captain Hook, bei Dorothy mit Löwe, Blechmann und Vogelscheuche und bei Alice mit der Herzkönigin. Moore und Gebbie nehmen also bekannte Figuren und Motive aus den Kinderbuchklassikern und interpretieren sie (porno)grafisch. Das allein wäre aber kaum sonderlich innovativ - schon in den Tijuana Bibles der 20er Jahre Jahre vögelten bekannte Comicfiguren oder Filmstars in Comicform miteinander. Und in den unzähligen Fanfiction-Archiven im Internet findet man massenhaft erotische und/oder pornografische Geschichten mit bekannten Charakteren. Ist Lost Girls also nichts weiter als Femslash? Im Grunde ja, aber ein sehr ambitioniertes Exemplar. Vor dem Orgasmus kommt der Formalismus Formal ist Lost Girls ein waschechter Alan Moore. Wie in den meisten seiner Comics umgibt er seine ausufernden Geschichten mit einem strengen Rahmen: Jedes der drei Bücher besteht aus jeweils zehn achtseitigen Kapiteln, die stets in sich geschlossen sind und fast immer einen symmetrischen Aufbau aufweisen. In den meisten Kapiteln schließt sich nach acht Seiten ein kleiner Kreis, man kehrt wieder zurück an den Ausgangspunkt, was sowohl inhaltlich als auch grafisch deutlich wird. Symmetrie vom ersten bis zum letzten Kapitel. Und Moore wäre nicht Moore, wenn er nicht auch hier wieder mit ganz speziellen Ausdrucksmitteln spielen würde, die es so nur im Comic gibt. Am deutlichsten wird das in den Kapiteln 4 und 5, bei denen die Hälfte der Seiten exakt identisch ist, nur mit anderen Dialogen. Zunächst verfolgt man ein Gespräch zwischen Alice und Dorothy, dann "spulen" Moore und Gebbie praktisch zurück und erzählen im 5. Kapitel noch einmal das gleiche Geschehen, diesmal aus der Perspektive von Wendy und ihrem Mann. Es ist nicht zuletzt dieser Formalismus, der Lost Girls zu mehr als irgendeinem Sex-Comic macht. Dazu kommen natürlich die zahlreichen Verweise, nicht nur auf die drei großen Kinderbücher, sondern auf den kulturellen und historische Hintergrund. Das erste Buch endet mit einem Besuch der Premiere von Strawinskis Ballett Le sacre du printemps, am Ende von Buch Zwei erfährt man im Hotel vom Attentat auf den österreich-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und Buch Drei endet schließlich damit, dass der Erste Weltkrieg hereinbricht. Die Hotelinsassen müssen fliehen, das freie und ungezügelte Leben endet jäh wie eine geplatzte Seifenblase. Bis es soweit ist, bekommt der Leser zahlreiche Geschlechtsorgane in Aktion zu sehen, was spätestens im dritten Band auch ziemlich ermüdend sein kann. Irgendwann wirkt es allzu schematisch, wie sich Alice, Wendy und Dorothy immer wieder brav abwechselnd von früher erzählen und nebenbei immer neue Sex-Spielarten ausprobieren. Das hat dann durchaus auch mal Längen, zumal die Dialoge an manchen Stellen auch nicht viel intelligenter sind als bei üblichen Pornos. Vielleicht hätten etwas weniger als 240 Seiten auch gereicht. Nein, Lost Girls ist nicht Alan Moores bester Comic, und nicht jeder Alan-Moore-Fan muss ihn unbedingt gelesen haben. Wer den hohen Kaufpreis nicht scheut und sich von deutlich dargestelltem Sex nicht abgestoßen fühlt, sollte trotzdem einen Blick riskieren. Lost Girls ist ein Comic, wie es ihn so kein zweites Mal gibt und schon dieses offensichtliche Anders-Sein ist Grund genug, sich damit zu befassen. Und wie bei allen größeren Werken von Alan Moore gilt: Es lohnt sich, diesen Comic mehr als einmal zu lesen! Das britische Webmagazin The First Post veröffentlichte übrigens im Frühjahr 2008 eine Auswahl von sechs Kapiteln aus Lost Girls in Form eines Webcomics (Achtung, dieser Link ist nicht fürs Büro geeignet!). Lost Girls Cross Cult, Mai 2008 Text: Alan Moore Zeichnungen: Melinda Gebbie 3 Hardcover-Bände im Schuber; farbig; 3x 112 Seiten; 75,00 Euro ISBN: 978-3936480009
Bildquelle: www.cross-cult.de Abbildungen © Melinda Gebbie, Alan Moore, Cross Cult
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Auf den ersten Blick ist Heimkehr nach Khera
ein ziemlich gewöhnlicher Superhelden-Comic. Vom Cover bis zur letzten
Seite springen da dem Leser die WildC.A.T.S entgegen: bunte,
athletische Körper ohne den geringsten Makel. Sie sind ein
außerirdisches Superhelden-Team, vergleichbar mit der JLA oder den Teen
Titans. Sie können durch die Luft fliegen, Wände einreißen und andere
tolle Sachen machen. Ihre Fähigkeiten setzen sie natürlich nur zum
Guten ein, Menschheit beschützen, Katastrophen verhindern, Katzen
retten und so. Von den knalligen Seiten lächelt einem die glatte
Plastikwelt der US-Comicindustrie entgegen. Nach wie vor führen
Superhelden in den USA die Verkaufszahlen an.