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Der Kri-Ticker

Comicgate-Redakteure besprechen in knapper Form neue und weniger neue Comics, querbeet durch alle Genres und Stile.

Tag >> Image

Officer Downe (US)

Geschrieben von Thomas Kögel am

OfficerDowne.jpgDie erste Textbox im ersten Panel auf der ersten Seite gibt uns eine Ortsangabe: "Motherfuckin' L.A." – und setzt damit ganz nebenbei auch noch den Ton für diesen Comic. In Officer Downe drehen Autor Joe Casey und Zeichner Chris Burnham alle Regler auf 11 und präsentieren eine völlig irrsinnige Story, in der ein Über-Polizist gegen mehrere Über-Verbrecher antritt und nur ein Ziel kennt: Aufräumen, aber richtig. Officer Terrence Downe ist der beste und härteste Cop, den das L.A.P.D. hat. Wenn er mal im Einsatz tödlich verletzt wird, kann er in kurzer Zeit zusammengeflickt und wiederbelebt werden (wie das funktioniert, wird auf nette Weise erklärt, tut aber eigentlich nichts zur Sache). In dieser Geschichte mit dem treffenden Titel "Tough Shit" bekommt er es mit dem Schurken Zen Master Flash zu tun.

Casey und Burnham wollen nicht viel mehr als einfach die Sau rauslassen und, vor allem in Sachen Gewalt, alle Geschmacks- und Jugendschutzgrenzen überschreiten. Das erinnert ein bisschen an den Punisher, vor allem aber an Hard Boiled von Frank Miller und Geoff Darrow, was wohl auch zeichnerisch ein Vorbild für Chris Burnham war. Allzu originell ist das also nicht mehr – man merkt dem Projekt jedoch den Spaß an, den seine Macher damit hatten. Sie wissen, wie albern das hier ist und nehmen sich und ihren Comic nicht ernster als nötig. Alles ist mindestens eine Nummer zu groß, total überzogen und "over the top". Und gerade deshalb macht Officer Downe Spaß zu lesen. Das unmoralisch-pubertäre Vergnügen am Auf-die-Kacke-Hauen trägt diesen Comic, und für einen One-Shot ist das auch völlig in Ordnung. Eine längere Serie muss man aus diesem Stoff aber wirklich nicht machen, denn auf Dauer würde sich die kompromisslose Vollgas-Attitüde des Comics wohl sehr schnell abnutzen und nur noch langweilen.

Officer Downe
Image Comics, Juli 2010
Heft, 48 Seiten, farbig
Preis: 4,99 US-Dollar

 

Tags: ImageHumorCaseyAction


Charlatan Ball (US)

Geschrieben von Marc-Oliver Frisch am

 Mit US-Autor Joe Casey und mir ist das so eine Sache. Ich mag seine Comics sehr, aber ich bin auch der erste, der zugibt, dass diese oft nicht besonders gut und manchmal sogar schlecht sind. Charlatan Ball, gezeichnet von Andy Suriano, ist auch wieder so ein schwieriger Fall. Qualitativ liegt der Comic insgesamt im oberen Mittelmaß, aber ich finde ihn trotzdem klasse.

Die Hauptfigur ist Chuck Amok, ein glückloser Zauberkünstler, der durch mysteriöse Umstände plötzlich von einer kosmischen Instanz auf eine Reise über mehrere Dimensionen geschickt wird. Grund: Chuck, der es bisher nicht einmal fertig bringt, ein ordentliches Karnickel aus dem Hut zu ziehen, soll an einem Wettstreit der Zauberer teilnehmen.

Stilistisch ist das ganze Gødland, einer weiteren Casey-Eigenschöpfung die zurzeit bei Image erscheint, nicht unähnlich: Auch Surianos Zeichnungen erinnern stark an die Jack Kirbys. Und die Erzählweise steht der von Gødland in Sachen Wahnwitz in nichts nach. Charlatan Ball, könnte man sagen, ist sowas Steve Ditkos "Doctor Strange" auf Anabolika, gemischt mit Alice im Wunderland auf LSD, oder umgekehrt.

Ein übergroßer, gebildeter aber latent gewalttätiger weißer Hase namens Caesar kommt vor und eine Liebesgeschichte wird unterwegs erzählt, aber hauptsächlich verkloppen sich irgendwelche riesenhaften Magier oder Dämonen. Und mit denen ist nicht zu spaßen: "Er FRISST Aggression. Er KACKT Prügel," heißt es über einen von ihnen. Der arme Chuck, der von Haus aus tatsächlich über keinerlei übernatürliche Kräfte verfügt, ist irgendwie immer mittendrin, muss abwechselnd rennen, hüpfen und den Kopf einziehen wie in einem alten Nintendo-Spiel. Die Rückblende einer Ausgabe fasst die Sachlage knapp und treffend zusammen: "Chuck steckt ganz tief in der Scheiße."

Vermutlich bin ich der einzige, dem sowas gefällt, denn die Serie wurde nach den ersten sechs Heften leider "vorübergehend eingestellt". Mit auf die Insel* kommt sie trotzdem.

______
(* Der Beitrag entstand ursprünglich für die Rubrik "Comics für die Insel", die im Comicgate-Printmagazin zu finden ist, wo er leider aus Platzgründen herausfallen musste. Gut, dass im Web genug Platz ist.)

Charlatan Ball
Image Comics, Mai 2009
160 Seiten, farbig, SC
Preis: 16,99 US-Dollar 

 

Tags: ImageHumorCasey


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