Geschrieben von Benjamin Vogt am 10.08.2010
Der Start des Western-Epos Buddy Longway liegt nun mittlerweile gut 30 Jahre zurück (Band 1 erschien 1981 bei Carlsen). Die Geschichte um einen Trapper in den Rocky Mountains, der sich in eine Squaw verliebt, findet im 20. Album schließlich seinen Abschluss. Ein von vornherein geplantes Ende, wie Derib selbst sagt. Und in eben jenem wird nochmal die ganze Gefühlspalette bedient. In der Tat halten sich im Finale schöne und traurige Momente die Waage, zusätzlich sorgt ein mit rohen Bleistftilinien gezeichneter und durch seichte Aquarellfarben unterlegter Epilog dafür, dass der große Zyklus um Buddy Longway als runde Sache erscheint.
Ein großes Lob gebührt den Jungs von Finix Comics, dem als vierter deutscher Verlag im Bunde die Ehre zuteil wurde, die Erzählung über die Jahre hinweg fortzusetzen. Neben dem überraschenden Finale, das wohl nicht jedem langjährigen Leser gefallen wird, lassen sich im Extrateil des Hardcoverbandes noch weitere Highlights entdecken: Sowohl ein mehrseitiges Portrait des verantwortlichen Künstlers Derib als auch ein Interview mit diesem findet man im Anhang. Da spürt man einfach den redaktionellen Aufwand für eine Serie, die diesen auch sicherlich verdient hat.
Buddy Longway 20 - Legende
Finix Comics, Juni 2010
64 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 15,80 Euro

Tags: Western, Finix
Geschrieben von Thomas Kögel am 26.07.2010

Die erste Textbox im ersten Panel auf der ersten Seite gibt uns eine Ortsangabe: "Motherfuckin' L.A." – und setzt damit ganz nebenbei auch noch den Ton für diesen Comic. In
Officer Downe drehen Autor Joe Casey und Zeichner Chris Burnham alle Regler auf 11 und präsentieren eine völlig irrsinnige Story, in der ein Über-Polizist gegen mehrere Über-Verbrecher antritt und nur ein Ziel kennt: Aufräumen, aber richtig. Officer Terrence Downe ist der beste und härteste Cop, den das L.A.P.D. hat. Wenn er mal im Einsatz tödlich verletzt wird, kann er in kurzer Zeit zusammengeflickt und wiederbelebt werden (wie das funktioniert, wird auf nette Weise erklärt, tut aber eigentlich nichts zur Sache). In dieser Geschichte mit dem treffenden Titel "Tough Shit" bekommt er es mit dem Schurken Zen Master Flash zu tun.
Casey und Burnham wollen nicht viel mehr als einfach die Sau rauslassen und, vor allem in Sachen Gewalt, alle Geschmacks- und Jugendschutzgrenzen überschreiten. Das erinnert ein bisschen an den Punisher, vor allem aber an
Hard Boiled von Frank Miller und Geoff Darrow, was wohl auch zeichnerisch ein Vorbild für Chris Burnham war. Allzu originell ist das also nicht mehr – man merkt dem Projekt jedoch den Spaß an, den seine Macher damit hatten. Sie wissen, wie albern das hier ist und nehmen sich und ihren Comic nicht ernster als nötig. Alles ist mindestens eine Nummer zu groß, total überzogen und "over the top". Und gerade deshalb macht
Officer Downe Spaß zu lesen. Das unmoralisch-pubertäre Vergnügen am Auf-die-Kacke-Hauen trägt diesen Comic, und für einen One-Shot ist das auch völlig in Ordnung. Eine längere Serie muss man aus diesem Stoff aber wirklich nicht machen, denn auf Dauer würde sich die kompromisslose Vollgas-Attitüde des Comics wohl sehr schnell abnutzen und nur noch langweilen.
Officer Downe
Image Comics, Juli 2010
Heft, 48 Seiten, farbig
Preis: 4,99 US-Dollar
Tags: Image, Humor, Casey, Action
Geschrieben von Benjamin Vogt am 22.07.2010

Ein weißer Raum, mittendrin ein Telefon auf einem Podest und ein kleiner Junge mit einem roten Knopf auf die Brust geschnallt. Das ist die spartanische Kulisse, vor der Zeichner Timo Decker sein charmantes (Comic-) Schauspiel ablaufen lässt. Warum der junge den Knopf trägt, warum er einen Helm auf hat? Man erfährt es nicht. Der Red Button Boy hat ohnehin nur die eine Daseinsberechtigung: Er muss unbedingt herausfinden, wofür dieser verdammte Knopf gut ist. Aber soll er das Drücken des Knopfes tatsächlich riskieren? Mahnende Worte erhält der verzweifelte Junge von der unbekannten Stimme aus dem Telefon, die scheinbar über vieles Bescheid weiß, aber gemeinerweise nur in Rätseln spricht. Richtig süß ist Deckers Figur geworden, wie sie auf kindlich-naive Weise experimentiert und hinter das Geheimnis des Knopfes zu kommen versucht. Sensationell, wie dem Künstler dabei die trickreiche Variation von Mimik und Körperbewegung leicht von der Hand zu gehen scheinen. Gute Voraussetzungen für einen amüsanten, lustigen und einfallsreichen Comic.
Red Button Boy ist all das, ein echter Geheimtipp also.
Entstanden ist diese gelungene Mischung aus Mangaanleihen und humoristischem Cartoon an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Augsburg. Da kann man nur hoffen, dass Timo Decker noch viele weitere Comicprojekte in Angriff nimmt. Und bitte bitte irgendwann Red Button Boy 2.
Red Button Boy
Eigenverlag, Juni 2010
50 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 5,50 Euro
Als iPhone-App zu haben über www.redbuttonboy.com
Tags: Independent, Humor
Geschrieben von Benjamin Vogt am 15.07.2010

Endlich gibts auch hierzulande neues Comicmaterial zu den bekanntesten Xenomorphen unserer Zeit. Diesmal, im Gegensatz zu den den drei bisherigen
Aliens-Bänden von Cross Cult, in Farbe, im US-Format und neben der Hardcover-Version wahlweise auch als Softcover erhältlich. Leider kann der neue Einzelband "Nekropolis" qualitativ nicht an den weitaus stylischeren Geschichten der Schwarz-Weiß-Reihe anknüpfen. Erzählt wird aus der Sicht des Wissenschaftlers David Sereda, der am Anfang des Comics über die Kultur der Aliens sinniert (als Prolog ist diese Szene auch Teil jenes Heftes, das Cross Cult zum Gratis-Comic-Tag besteuerte), bevor er sich an Bord des Raumschiffes Vidar in Richtung des Planeten Chione begibt. Dort haben Archäologen eine außerirdische Ruinenstadt ausgegraben. Welche tödliche Falle sich im Innern verbirgt, dürfte für den Leser kaum eine Überraschung darstellen. Verblüffender ist da schon die Verwandlung des unscheinbaren Sereda in einen coolen, schießwütigen Soldaten. Die ihm zur Seite stehende Gruppe Überlebender dezimiert sich freilich aufs Ende zu, der Rest ist Überlebenskampf und viel Ballerei.
Natürlich ist das das vornehmliche Konzept des Franchise, einen über die Maßen anspruchsvollen Comic sollte man demnach auch gar nicht erwarten. Erhofft hatte ich mir allerdings ein paar frische Ideen. In dieser Form kann "Nekropolis" sich jedenfalls nicht von anderen beliebigen Sci-Fi-Comics abheben. Die Zeichnungen bedienen einen ordentlichen US-Standard, nicht mehr, nicht weniger. Für eingefleischte Aliens-Fans mag das alles genügen, doch ich vermisse dann doch die gruselige, beklemmende Atmosphäre, die mir die farbfreien Erzählungen im verkleinerten A5-Format auf wenigen Seiten zu vermitteln wussten. Das mag nun an der Arveit des Kreativteams John Arcudi und Zach Howard liegen oder an der Aufmachung des Bandes.
Aliens: Nekropolis
Cross Cult, Juni 2010
104 Seiten, farbig, SC und HC
Preis: 14,80 Euro (SC), 19,80 Euro (HC)
Tags: Science-Fiction, Cross Cult
Geschrieben von Benjamin Vogt am 20.06.2010

Für die beiden Schüler Guido Falter und Martina Höhne ist das Leben irgendwie auch nicht mehr so einfach wie es mal war. Begann der erste Band dieser Serie noch damit, dass die beiden auf infantil-verzückende Weise über eine allumfassende Alien- und/oder Roboterverschwörung plauderten, sind sie jetzt mittendrin. Band 3 führt die beiden Kosmonauten der Zukunft, die bereits zuvor schockierende Wahrheiten über sich selbst erfahren mussten, ins große galaktische Abenteuer. Zwischen Mawisianern, Rebellenarmeen und unzähligen Klonen kämpfen sie um ihr Schicksal.
Wenn sich die französischen Künstler Lewis Trondheim und Manu Larcenet zusammentun, um einen spacigen Science-Fiction-Comic zu fabrizieren, kann man sich bereits ungefähr ausmalen, was dabei herauskommt. Die Kosmonauten der Zukunft ist eine sehr empfehlenswerte Funnyserie, die gespickt ist mit absurden Situationen und brillantem Humor. Bereits die beiden im Jahr 2002 bei Ehapa veröffentlichten ersten Alben haben äußerst viel Spaß bereitet. Und dafür steht auch der abschließende dritte Band ein, auch wenn dieser für mich persönlich nicht an die Brillianz der ersten beiden heranreicht. Dass das Ende übrigens bei Finix erscheint und nicht bei Reprodukt, sozusagen dem deutschen Stammverlag Trondheims und Larcenets, hat mich bei der Ankündigung doch sehr verwundert. Dem Leser kann's egal sein, zumal sich beide Verlage in punkto Qualität ihrer Produkte in nichts nachstehen. Hauptsache man kann diese tolle Reihe endlich komplett im Regal stehen haben.
Die Kosmonauten der Zukunft 3 - …sind schon wieder da!
Finix, Juni 2010
48 Seiten, Softcover
Preis: 11,80 Euro
Tags: Trondheim, Larcenet, Humor, Finix
Geschrieben von Benjamin Vogt am 16.06.2010

1945, der Zweite Weltkrieg ist gerade vorbei, ansonsten ist alles anders. Frankreich und Großbritannien gingen als Sieger aus dem Krieg hervor,
aber Deutschland und die Sowjetunion stehen weiterhin im Konflikt miteinander.
Nestor Serge, ein französischer Journalist, soll den Absturz des Zeppelins
„Charles de Gaulle“ untersuchen und gerät dabei in eine mysteriöse
Verschwörung.
Bis hierhin ist dieser Comic vom Kreativteam Jean-Pierre Pécau und Leo Pilipovi ein historischer Thriller in einem fiktiven Europa. Die beiden haben etwas verworrene zeitgeschichtliche Veränderungen vorgenommen, was sicherlich legitim ist. Sehr seltsam wird es, als der deutsche Comicheld und Kostümträger „Streitaxt“ sich als reale tödliche Person herausstellt und Serge von Nazi-Werwölfen verfolgt wird. Wie derlei Dinge nun in den geschichtlichen Kontext der Serie passen, bleibt erstmal offen. Angedeutet wird in Band 1 lediglich, dass in der Welt von
Das Große Spiel Magie zu existieren scheint.
Zugegeben, die übernatürlichen Elemente in diesem Comic wirken beim ersten Lesen völlig deplatziert und extrem idiotisch in ihrer Ausführung. Andererseits weiß man bislang so gut wie gar nichts über deren Herkunft oder Gewichtung für die übergeordnete Handlung. Von daher bin ich zwiegespalten, auch weil allein der dreiste Kitsch mit dem Nazi-Comichelden irgendwie einen gewissen Charme versprüht. Es bleibt abzuwarten, wie sich das noch entwickelt oder gar steigern kann.
Das Große Spiel 1 - Ultima Thule
Bunte Dimensionen, November 2009
48 Seiten, Hardcover
Preis: 14,- Euro
Tags: Pulp, Bunte Dimensionen
Geschrieben von Jons Marek Schiemann am 03.06.2010

Nun also das Finale des großen und großartigen Comicromans der Reisenden im Wind. USA 1862. Der amerikanische Bürgerkrieg spaltet das Land. Die junge Zabo muss New Orleans verlassen und trifft nach einer abenteuerlichen Reise auf einer abgelegenen Plantage erstmals ihre Urgroßmutter Isabeau de Marnaye, die ihrer Nachkommin ihre Lebensgeschichte erzählt, wie man schon in den ersten Bänden der Serie lesen konnte. Der Faden wird wieder aufgenommen und verknüpft verschiedene Schicksale in Amerika miteinander. Im zweiten Band setzt Isabeau den Bericht aus ihrer Familiengeschichte fort. So wird auch deutlich, wer nun das titelgebende Mädchen ist. Diese Auflösung wird manchen Leser überraschen, denkt man doch zunächst an jemand anderes. In den filigranen Naturzeichnungen offenbart sich wieder einmal die Meisterschaft von Francois Bourgeon und versetzt damit den Leser direkt in die Zeit und in die Örtlichkeiten. Besonders beeindruckend ist es, wie er es schafft, mit einigen wenigen, kaum wahrnehmbaren Strichen, das Älterwerden seiner Hauptfigur aufzuzeigen.
Generell muss man aber leider feststellen, dass richtig herausragende graphische Einfälle fehlen. Es gibt zwar einige gute Montagen, aber eine richtige dynamische Zeichnung fehlt. Auch die Handlung plätschert etwas dahin wie Sumpfwasser. Sie liest sich zwar flüssig und angenehm, aber gerade die dramatischen Aspekte kommen manchmal etwas zu kurz. Vieles erschließt sich aus den Dialogen, ohne ein Äquivalent in den Bildern zu haben. So wird von Schicksalen berichtet, sie werden aber nicht gezeigt. Dabei hätten gerade diese noch einige Actionszenen liefern können. Bourgeon betätigt sich hier mehr als Naturmaler denn als Geschichtenerzähler. Für ein Finale ist das aber viel zu ruhig, behäbig und damit doch leicht unbefriedigend.
Reisende im Wind 6.2 - Das Mädchen vom Bois-Caiman
Splitter, April 2010
88 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 17,90 Euro
Tags: Splitter, Historie
Geschrieben von Jons Marek Schiemann am 01.06.2010

Langsam fragt man sich, wie das mit dem Dämonenjäger John Constantine weitergehen mag. Schließlich sind in den
letzten Bänden die Reihen seiner Freunde und Kollegen arg dezimiert worden. Auch in diesem Band verlassen einige sehr wichtige Personen die Reihe. Hoffentlich verkommt Constantine nicht bald wieder zu einem Helden, der von einem Abenteuer in das nächste strauchelt. Kurze abgeschlossene Gruselgeschichten haben zwar auch ihren Reiz, aber gerade die zwischenmenschlichen Töne und das Leid von John Constantine machen einen sehr großen Teil der Serie aus. Es braucht dringend einige neue Figuren, quasi frisches Blut. Dabei sollten sie langsam eingeführt und nicht direkt verheizt werden. Eine neue Gruppe würde nicht nur den Charakter des Helden stützen, sondern auch neue Aspekte einbringen.
Das alles soll aber nicht heißen, dass dieser Band schlecht sei. Ganz im Gegenteil. Er ist sehr packend und schließt einige lose Handlungsfäden zu einem ordentlichen Paket zusammen. Manche der Fäden reichen noch bis in die Zeit zurück, in der Garth Ennis die Serie schrieb. Die Zeichnungen sind sehr phantasievoll, spielt doch ein Großteil der Handlung in der Hölle selbst. Leider lässt die Tuschezeichnung manche Details etwas verschwimmen, verstärkt aber das Düstere in den sehr dunkel gehaltenen Farben. Es gibt in den Zeichnungen auch manche Anspielungen an Die göttliche Komödie von Dante. Vor allem natürlich, was das Inferno betrifft. Der Humor hingegen wurde etwas heruntergeschraubt. Eigentlich kein Wunder, denn Constantine versucht schließlich die Seele seiner Schwester zu retten. Die besten Sprüche hat diesmal ausgerechnet der Teufel. Und diesmal hat er auch das letzte Wort. Für Fans wird es ein überraschendes Finale geben. Zugreifen.
Hellblazer 8 - Bei den Toten
Panini Comics, April 2010
144 Seiten, farbig, Softcover
Preis: 16,95 Euro
Tags: Vertigo, Panini, Horror, Hellblazer