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Welt am Draht

Links, News, Kommentare und Einsichten aus der Comicgate-Redaktion. Diese Rubrik lief von März 2003 bis Oktober 2010 als separates Blog, dessen Archiv hier zu finden ist.

Eine entsprechende Tag-Wolke zu den Einträgen der Welt am Draht haben wir rechts eingebunden.

von Thomas Kögel Sonntag, 25. Januar 2015

Unsere Links der Woche, Ausgabe 4/2015:

 

Hanau nimmt Absage der Ausstellung zurück
Frankfurter Allgemeine, Luise Glaser-Lotz
Mitte März beginnt im Schloss Philippsruhe in Hanau eine Ausstellung mit Werken des Aschaffenburger Karikaturisten-Duos Greser & Lenz. Nach den Pariser Anschlägen auf die Redaktion von Charlie Hebdo wollte die Stadt Hanau diese Ausstellung zunächst absagen, weil die nun als notwendig erachteten höheren Sicherheitsvorkehrungen zu teuer geworden wären. Dies sorgte für viel Kritik in der Öffentlichkeit, so dass die Stadt ihre Entscheidung rückgängig machte. Wie Bürgermeister Claus Kaminsky in einem offiziellen Statement bekannt gibt, wird die Ausstellung nun doch stattfinden: “Allen Bedenken zum Trotz bin ich inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass von einem Verzicht ein falsches Signal ausgegangen wäre.” Der Artikel der FAZ, in der Greser & Lenz regelmäßig veröffentlichen, fasst die Entwicklung zusammen und lässt auch die Karikaturisten selbst zu Wort kommen.

In Ketten durch Sprechblasen tanzen
Der Tagespiegel, Lars von Törne
Der Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis wird in diesem Jahr eine Übersetzung eines Comics auszeichnen (siehe Link der Woche 2/15). Helga Pfetsch, Präsidentin des Freundeskreises zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen, der den Preis vergibt, äußert sich im Interview zu den Hintergründen des Preises.

z-wie-klugscheisser
zwieklugscheisser.wordpress.com, Marco Behringer
Es gibt mal wieder ein neues deutschsprachiges Comicblog. Das Mitte Januar gestartete “z wie klugscheisser” wird von Marco Behringer betrieben (der in der Vergangenheit auch schon ein paar Beiträge für Comicgate verfasst hat) und beschäftigt sich bisher schwerpunktmäßig mit aktuellen US-Comics.

We draw Pokemon
Tumblr, Anton und Tim
Ein hübsches Zeichenprojekt von Tim Gaedke und Anton alias MandarineOne: Die beiden wollen in den kommenden Monaten alle 151 Pokémons zeichnen, jeden Tag gehen zwei neue Bilder online. Macht viel Spaß zu sehen, wie hier jeweils die gleiche Figur in zwei unterschiedlichen Stilen und Techniken umgesetzt wird. Gotta catch‘em all!

No Business As Usual With Israel
lettertoangouleme.tumblr.com
Zahlreiche Comicschaffende aus aller Welt, darunter z.B. Jacques Tardi, Lewis Trondheim, Warren Ellis oder Jaime Hernandez, haben diesen offenen Brief unterzeichnet, der sich an den Direktor des Comicfestivals von Angoulême richtet. Zum zweiten Mal nach 2014 protestieren die Unterzeichner damit gegen einen der Sponsoren des Festivals, den Blubberwassermaschinen-Hersteller Sodastream. Dieser hat seinen Sitz in Israel, große Teile der Produktion werden in einer Fabrik hergestellt, die im israelisch besetzten Westjordanland liegt. Nach massiven Protesten und Boykottaufrufen wird dieser Standort in Kürze verlegt werden. Der offene Brief der Comiczeichner fordert das Festival auf, sich komplett von diesem Sponsor zu trennen, der zur Siedlungspolitik des Staates Israel beitrage.

'Pressure/Sensitivity' Now Available for Free on ComiXology
Wacom Community
Der Grafiktablett-Hersteller Wacom hat eine Comicanthologie zusammengestellt, die ab sofort kostenlos auf der Digitalcomic-Plattform Comixology erhältlich ist. Die Sammlung enthält vier jeweils 8-seitige Kurzgeschichten von Zeichnern, die alle eher aus der Independent- oder Webcomic-Szene stammen. Obwohl die Comics als Werbeprojekt für einen Konzern entstanden, bleiben die Comics “creator owned”, gehören also rechtlich weiterhin den Künstlern.

Marvel Merges Its Universes With 'Secret Wars'
Publishers Weekly, Heidi MacDonald
Im Mai startet das nächste Großevent im Hause Marvel, vergangene Woche wurde es groß angekündigt. Das Crossover “Secret Wars” folgt dem üblichen Schema: Eine zentrale Miniserie (geschrieben von Jonathan Hickman), dazu jede Menge Tie-Ins, und diesmal werden auch Lizenzprodukte wie Spielzeug, Actionfiguren oder Videospiele miteinbezogen. Am Ende soll (mal wieder) nichts so sein wie je zuvor – ein Ergebnis des Events wird sein, dass es danach nur noch ein Marvel-Universum geben wird, in dem die Geschichten spielen. Das im Jahr 2000 begründete “Ultimate”-Universum wird mit der restlichen Marvelwelt verschmolzen, das Ergebnis ist eine gemeinsame Battleworld. Ein schöner Kommentar dazu steht bei Sequart: Marvel Is Rebooting Its Universe. So What?

Every X-Man Ever
IGN, Scott Colura
Ein gut gemachtes Erklärvideo mit begleitendem Text listet sämtliche Mutanten auf, die in der langen Geschichte von Marvels X-Men jemals Mitglied des Teams waren:

 
 

von Thomas Kögel Sonntag, 18. Januar 2015

Unsere Links der Woche, Ausgabe 3/2015:

Eine Woche nach den tödlichen Anschlägen von Paris erschien eine neue Ausgabe der Zeitschrift Charlie Hebdo, abermals mit dem Propheten Mohammed auf dem Cover, mit ein wenig “Jetzt erst recht”-Gefühl, vor allem auch mit viel Spott gegen all die hohen Politiker, die sich öffentlich solidarisch mit dem Heft zeigen, obwohl sie eigentlich alles andere als dessen Freunde sind. Das Heft von acht Seiten erschien in einer Auflage von mehreren Millionen Stück, schon in den Morgenstunden war es an vielen Verkaufsstellen in Frankreich vergriffen. Eine digitale Version der Ausgabe, von der auch Varianten in verschiedenen Sprachen in Vorbereitung sind, gibt es in den App-Shops für Android, iOS und Windows.

Lachen gegen die Trauer
Der Tagesspiegel, Jan Schulz-Ojala
Diese Nummer 1178 von Charlie Hebdo ist womöglich eine der meistbesprochenen und meistanalysierten Einzelausgaben eines Periodikums, die es je gab. Natürlich sezierten auch zahlreiche deutsche Medien das Heft, neben dem Tagesspiegel z.B. auch die FAZ, Spiegel Online oder Zeit Online.

"Charlie Hebdo" soll 999.999 Euro kosten
n-tv, Hannes Vogel
Leider hat auch längst eine ekelhafte Form der Geschäftemacherei rund um Charlie Hebdo begonnen. Auf ebay werden Exemplare der blitzschnell vergriffenen aktuellen Ausgabe zu hohen Preisen angeboten (die 999.999 Euro aus der Überschrift des Artikels gehören allerdings zu einem Inserat, das gegen diese Auktionen protestiert), ebenso wie allerlei Produkte mit “Je suis Charlie”-Aufdruck.

Understanding Charlie Hebdo cartoons
understandingcharliehebdo.com
In den Tagen nach dem Anschlag wurden weltweit viele Titelbilder und Einzelcartoons aus Charlie Hebdo gezeigt und auch vielfach als rassistisch bezeichnet. Was oft fehlte, war ein einordnender Kontext, der die Hintergründe der jeweiligen Zeichnung genauer beleuchtet. Genau das versucht nun diese englischsprachige Website zu leisten.

A Year in the Merde
The Hooded Utilitarian, Josselin Moneyron
Zu den ersten scharfen Kritikern der Charlie Hebdo-Karikaturen gehörte ein Artikel von Jacob Canfield auf dem Blog The Hooded Utilitarian. Ebendort erschien nun eine umfassendere Einordung. Die Autorin dieses Texts hat sich dafür alle 52 Titelbilder des vergangenen Jahres angesehen und in Kategorien gruppiert.

Karikaturen-Krise der "New York Times": "Unglaublich feige" 
Spiegel Online, Marc Pitzke 
Nicht alle Medien zeigen das Cover der aktuellen Charlie Hebdo-Nummer. Vor allem amerikanische Zeitungen, allen voran die New York Times, verzichten auf einen Abdruck und berufen sich dabei auf ihre Richtlinien, was wiederum viele Kritiker auf den Plan bringt.

My NYT Nightmare 
The Hooded Utilitarian, Michael Kupperman 
Von (über-) vorsichtigen Redakteuren der New York Times kann auch Zeichner Michael Kupperman ein Lied singen, der mit dem schrägen Humor seiner Tales Designed to Thrizzle bekannt wurde und im letzten Jahr zusammen mit Autor David Rees einen regelmäßigen Comic für die Seite “Week in Review” beisteuern sollte. Hier erklärt er, warum die Zusammenarbeit mit der Zeitung aus seiner Sicht eine Katastrophe war.

Auf der Suche nach der verlorenen Familie
Zeit Magazin, Anna Kemper
Eine lange, lesenswerte Reportage aus dem Zeit Magazin erzählt die Geschichte des regimekritischen argentinischen Comicautors Héctor Oesterheld und seiner Familie. Sowohl Oesterheld selbst als auch seine Töchter wurden 1977 von der Militärdiktatur verschleppt und kehrten nie zurück. Autorin Anna Kemper sprach mit Oesterhelds Witwe und seinem Enkel, auch über die Parallelen, die ihr Schicksal mit seinem Comic El Eternauta gemeinsam hat.

COMICINVASIONBERLIN Förderpreis / Comic Stipendium (PDF)
COMICINVASIONBERLIN, Marc Seestaedt
Das Berliner Festival COMICINVASIONBERLIN, das dieses Jahr am 18./19. April stattfindet, sucht noch nach Sponsoren für einen Förderpreis, der in diesem Jahr vergeben werden soll. Der Preis soll aus finanzieller und inhaltlicher Förderung bestehen: “Wir wollen einem Nachwuchs-Talent die Chance geben, ein größeres Comic-Projekt entwickeln zu können.” Institutionen, Firmen und Verlage sind aufgerufen, sich mit kleineren oder größeren Summen an dieser Förderung zu beteiligen.

Marvels großer Plan mit den Star-Wars-Comics
Gamona, Peter Osteried
In dieser Woche erschien in den USA das erste Heft der neuen Star Wars-Comicreihe mit einer immens hohen Startauflage. Nach vielen Jahren, in denen der Verlag Dark Horse diverse Star Wars-Comicreihen produzierte, kehrt das Franchise nun wieder zurück zu Marvel und damit ins Mutterhaus, denn sowohl Marvel als auch Lucasfilm wurde mittlerweile vom Unterhaltungsriesen Disney gekauft. Dieser Artikel beschreibt die Hintergründe des verlegerischen Neustarts und dessen kommerziellen Erfolgs.

 

 
 

von Thomas Kögel Sonntag, 11. Januar 2015

Das Attentat auf Charlie Hebdo am vergangenen Mittwoch (siehe Links der Woche 1/15) bleibt das bestimmende Thema. Nach Geiseldramen, Großeinsätzen von Polizei und Militär und weiteren Toten konnten drei Täter überwältigt werden, auch sie sind tot.

In Paris gingen am heutigen Sonntag Hunderttausende zu einem Schweigemarsch auf die Straße, die Presse spricht von der “größten Kundgebung seit Ende des Zweiten Weltkrieges”). In Hamburg wurde letzte Nacht ein Brandanschlag auf das Gebäude der Boulevardzeitung Hamburger Morgenpost verübt. Verletzt wurde niemand, zu den Hintergründen oder etwaigen Tätern ist noch nichts bekannt. Die MoPo hatte wie viele andere Zeitungen nach dem Pariser Anschlag einige der provokanten Karikaturen aus Charlie Hebdo abgedruckt.

Mittlerweile läuft längst die Meta-Diskussion über die Reaktionen der Öffentlichkeit auf das Attentat. Steht Meinungsfreiheit immer über allem, darf Satire wirklich alles, oder gibt es Grenzen? Ist es okay, sich bedingungslos zu Charlie zu bekennen, müssen wir mehr differenzieren? Der Link-Überblick legt einen Schwerpunkt auf diese Debatte, widmet sich am Ende aber auch ganz anderen Comicthemen.

On Satire – a response to the Charlie Hebdo attacks
The Guardian, Joe Sacco
Joe Sacco, Leitfigur des Journalismus in Comicform, mit einem Debattenbeitrag in Comicform: “When we draw a line, we are often crossing one, too.” Sacco gibt keine einfache Antwort, sondern ermuntert uns, uns Fragen zu stellen.

Charlie Sein oder Nichtsein
Süddeutsche Zeitung, Lilith Volkert
“Unter dem Hashtag #JeNeSuisPasCharlie (Ich bin nicht Charlie) erklären nun viele, warum sie die Attentate von Paris verurteilen, Charlie Hebdo aber trotzdem kritisch sehen.”

Frankreichs Zeichner suchen nach den Grautönen
Zeit Online, Wenke Husmann
Dieser Artikel zitiert auch die Zeichnerin Zeina Abirached (Das Spiel der Schwalben): "Man muss mit den Karikaturen von Charlie Hebdo nicht einverstanden sein. Aber dass eine solche Redaktion in einer Gesellschaft existiert, damit müsste jeder einverstanden sein."

Für Satire dieser Art ist in Amerika kein Platz
Frankfurter Allgemeine, Patrick Bahners
Viele große amerikanische Medien haben die drastische Religionskritik von Charlie Hebdo nicht nachgedruckt. Patrick Bahners macht ihnen dies in der FAZ zum Vorwurf: “Sie versagen den Arbeiten der Toten, die sie als vulgär und krude beschreiben, die Chance, für sich selbst zu sprechen.”

A Close Call on Publication of Charlie Hebdo Cartoons
The New York Times, Margaret Sullivan
Die Redaktion der New York Times wehrt sich gegen den Vorwurf, zu feige für einen Nachdruck der Karikaturen zu sein und erklärt ihre Haltung.

Über Satire und Gewalt
Neue Zürcher Zeitung, Hartwig Isernhagen
Sehr lesenswerter Kommentar des Basler Anglisitikprofessors Hartwig Isernhagen:

“[Satire] braucht einen kulturellen Raum, in dem sie richtig verstanden wird, und ein Publikum, das gelernt hat, sie zu verstehen, damit ihre beabsichtigte Richtung (von der Empörung als Handlungsimpuls zur empörten Äusserung) nicht um einhundertachtzig Grad gedreht wird. Das heisst, die Satire braucht einen soliden kulturellen Rahmen, der in kulturell heterogener werdenden Gesellschaften immer weniger leicht zu erstellen ist. Sie braucht einen kulturellen Konsens, was satirisierbar ist und was nicht, welche satirischen Überzeichnungen legitim sind, welche nicht. Denn die nun wieder zu Recht beschworene Meinungsfreiheit hat auch in den freiesten Gesellschaften des Westens nie unbeschränkt gegolten.”

‘We vomit’ on Charlie’s sudden friends: staff cartoonist
rawstory.com
Die Agentur AFP zitiert den niederländischen Zeichner Willem, der auch für Charlie Hebdo arbeitet. Er muss kotzen, wenn er sieht, wer sich nun alles hinter Charlie Hebdo stellt, ohne das Blatt je gelesen zu haben.

Am Abend nach dem Anschlag ...
Facebook, Ralf König
Schon am Mittwoch hatte sich Ralf König, schon lange ein Kämpfer für Meinungsfreiheit und gegen die Intoleranz religiöser Fundamentalisten, auf Facebook mit einem Statement gemeldet und dazu eine zum Thema passende, alte Karikatur von ihm gepostet. Dieses Posting hat er nun wieder gelöscht. Anders als in der Diskussion um die dänischen Mohammed-Karikaturen wolle er sich diesmal mit Kommentaren oder Cartoons zurückhalten, nicht zuletzt auf Bitten seines Agenten.

Aufrecht leben, statt kniend sterben!
Männer, David Berger
Der Chefredakteur des Schwulenmagazins Männer verteidigt König gegen die teils harschen Reaktionen auf seinen Entschluss: “Jeder, der das Verhalten Königs nun verurteilt, ihn als Feigling beschimpft, muss sich fragen lassen: Wie hättest Du gehandelt, wenn du in dieser konkreten Situation gewesen wärst?”

Zeitungsverleger instrumentalisieren „Charlie Hebdo“-Anschlag für Kampf gegen Pegida
Stefan Niggemeier
Der Bundesverband der Zeitungsverleger (BDZV) reagierte auf das Attentat mit einer Solidaritätsaktion. Zahlreiche Zeitungen druckten einen Kommentar von BDZV-Präsident Helmut Heinen, zusammen mit einer Karikatur von Klaus Stuttmann. Heine und Stuttmann schlagen darin einen Bogen vom gewaltsamen Angriff auf die Pressefreiheit in Paris zu den Pegida-Anhängern, die die etablierten Medien als “Lügenpresse” beschimpfen. Medienjournalist Stefan Niggemeier hält das für falsch: “Die Presse bestätigt aus Pegida-Sicht so, auf kaum zu übertreffende Weise, den Vorwurf von der ‘Lügenpresse’.”

On Optimism
Medium, Anders Nilsen
Nach den Ereignissen in Frankreich ist der Slogan “Why 2015 won’t suck” eigentlich schon wieder hinfällig. Unter diesem Motto hat das Webmagazin Medium eine Reihe von Aufsätzen veröffentlicht, die davon handeln, warum man sich auf das neue Jahr freuen darf. Darunter auch ein Comic von Anders Nilsen (Große Fragen) über den Optimismus. Es gibt nämlich immer noch Gründe dafür.

Comics oder Graphic Novels vor!
Börsenblatt
Seit 1979 wird alle zwei Jahre der Christoph-Martin-Wieland-Preis für Übersetzungen vergeben. Dabei konzentriert sich der Freundeskreis zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen e.V., der den Preis vergibt, jedes Mal auf ein bestimmtes Gebiet (z.B. Bühnenstücke, Biographien oder Lyrik). In diesem Jahr sollen erstmals Übersetzungen von Comics ins Deutsche ausgezeichnet werden. Bis zum 20. März können Verlage und Übersetzer ihre Bewerbungen einreichen. Der vom Land Baden-Württemberg finanzierte Preis ist mit 12.000 Euro dotiert.

Konservierung und Restaurierung von Comics
SWR 2 Impuls, Charlotte Grieser
Ein Hörfunkbeitrag beschreibt, wie im Brüsseler Comicmuseum die Originalseiten, die dort aufbeawahrt und gezeigt werden, vor Verfall geschützt werden. (MP3-Download, ca. 5 Minuten)

Die Comics
Gratis Comic Tag
Der Gratis-Comic-Tag findet dieses Jahr am 9. Mai statt. Zum fünften Mal gibt es im Comichandel eine Auswahl aus 34 extra für diesen Tag produzierten kostenlosen Comics aus zahlreichen deutschen Comicverlagen. Die Auswahl für dieses Jahr, die in dieser Woche veröffentlicht wurden, lässt auch einen Blick darauf zu, welche Comics in diesem Jahr von ihren jeweiligen Verlagen besonders in den Mittelpunkt gestellt werden.

Kickstarter Numberwang
Oh Joy, Sex Toy, Matthew Nolan
Aus dem erfolgreichen Webcomic Oh Joy, Sex Toy von Erika Moen ist ein erstes gedrucktes Buch entstanden, dass die Zeichnerin zusammen mit ihrem Mann Matthew Nolan per Crowdfunding finanziert hat, was ihnen recht mühelos gelungen ist. In kurzer Zeit wurden auf Kickstarter fast 70.000 US-Dollar eingesammelt. Nolan sorgt nun für Transparenz, indem er genau aufschlüsselt, wofür dieses Geld verwendet wurde und was unterm Strich als “Gewinn” übrig blieb. Außerdem wird genau beschrieben, wie die beiden ihre Kickstarter-Kampagne planten, wie sie ihre ursprüngliches Ziel definierten und es im Laufe des Fundings anpassten und welche Lehren man daraus ziehen kann. Sicher nicht auf alle Crowdfunding-Comics übertragbar, schon gar nicht auf deutsche Verhältnisse, aber ein selten detaillierter Einblick in ein Finanzierungsmodell, dass im Detail natürlich komplexer ist, als es auf den ersten Blick aussieht.

"Das Jahr der Widersprüche" – Der französische Comic-Markt 2014
Dreimalalles, Christian Maiwald
Der französische Verband der Comickritiker und -journalisten ACBD veröffentlicht jedes Jahr einen umfangreichen Marktreport über die Lage der Comicbranche in Frankreich. Christian Maiwald fasst ihn zusammen und wertet die wichtigsten Zahlen aus. Den vollständigen Bericht des ACBD gibt es hier als PDF zum Download.

IDW Publishing Acquires Top Shelf Productions
Top Shelf Productions
Ein interessanter Zusammenschluss auf dem amerikanischen Comicmarkt: Der Independent-Verlag Top Shelf Productions, der vor allem für seine Graphic Novels bekannt ist (u.a. erschienen dort Werke von Craig Thompson, Jeff Lemire, Ed Piskor und Alan Moore) wird Teil von IDW Publishing und wird dort als eigenständiges Imprint weitergeführt. IDW fasste mit dem Überraschungserfolg 30 Days of Night (2002) Fuß in der Branche und teilt hat im “Direct Market” einen Marktanteil um die 5 Prozent, was den Verlag auf Position vier nach den Big Playern Marvel und DC sowie dem Drittplatzierten Image Comics bringt. Großen Anteil am Verlagsprogramm von IDW haben lizenzierte Comics zu Film- und Serienhits wie Star Trek, Transformers oder My Little Pony, es gibt aber auch Eigenentwicklungen wie Locke & Key. Viel Lob gab es zuletzt für IDWs Faksimileausgaben von Comicklassikern (“Artists Editions”), sowie eine Reihe von Archivausgaben klassischer Zeitungscomics. Das Portfolio von Top Shelf erweitert das Programm von IDW nun um ein weiteres Standbein.

Marvel vs DC Epic Trailer
YouTube, Alex Luthor
Ein Film-Crossover zwischen den Superhelden-Universen von Marvel und DC wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Aber inzwischen liegt aus Film und Fernsehen soviel Material vor, dass man sich ein solches Crossover schon ziemlich gut zusammenschneiden kann, zumindest als dreiminütigen Trailer zu einem fiktiven Film:

 

 
 

von Thomas Kögel Donnerstag, 08. Januar 2015

Das neue Jahr beginnt mit einer Tragödie und die erste Ausgabe der Links der Woche widmet sich allein diesem Thema. Gestern vormittag starben zwölf Menschen bei einem Attentat auf die Redaktion der seit 1992 bestehenden französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Man geht von einem radikal-islamistischen Hintergrund der Tat aus, inzwischen wurden erste Verdächtige festgenommen. Das Magazin provoziert radikale Islamisten seit Jahren mit Karikaturen und Sonderausgaben wie Sharia Hebdo oder der "Biografie von Mohammed", wobei der Islam bei weitem nicht die einzige Religion ist, die ihr satirisches Fett wegbekommt. Bereits 2011 wurde die Redaktion Opfer eines Brandanschlags, dem aber keine Menschen zum Opfer fielen. 

[Update, 8.1.2015, 20:30 Uhr] Weitere Links, markiert mit **

Illustration: Wittek

Unter den Opfern des Anschlags sind vier Zeichner, die lange Jahre als Cartoonisten und Comiczeichner tätig waren:

Cabu (i.e. Jean Cabut, 13. Januar 1938 - 7. Januar 2015) [Biographie der Lambiek Comiclopedia]

Charb (i.e. Stéphane Charbonnie, 21. August 1967 – 7. Januar 2015) [Biographie der Lambiek Comiclopedia, Wikipedia deutsch]

Tignous (i.e. Bernard Verlhac, 1957 - 7. Januar 2015) [Wikipedia französisch]

Georges Wolinski (28. Juni 1934 - 7. Januar 2015) [Biographie der Lambiek Comiclopedia, Wikipedia deutsch]

** Philippe Honoré (25.11.1941 - 7. Januar 2015) [Wikipedia französisch]

 

Über die politischen Folgen in Frankreich und der Welt erscheinen jede Menge Einschätzungen und Kommentare in der Weltpresse (hier eine kleine Auswahl aus deutschen Blättern). Diese sollen uns hier weniger beschäftigen, stattdessen stellen die folgenden Links das Magazin und seine Zeichner in den Mittelpunkt:

 

Charb, Cabu, Wolinski, Tignous: Mit der Kalaschnikow ausradiert
Luxemburger Wort, Marc Thill
Getötete "Charlie Hebdo"-Karikaturisten: Vier spitze Federn
Spiegel Online, Moritz Piehler
Kurze Porträts der verstorbenen Zeichner.

Sie stachen heraus, weil ihre Federn so spitz waren
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Platthaus
Ein Nachruf auf CH-Redaktionsleiter Charb und auf Georges Wolinski, der 2005 in Angoulême mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurde.

"Charlie Hebdo" und die Kunst, böse zu sein
Süddeutsche Zeitung, Claudia Tieschky
"Charlie Hebdo hat seither das Recht verteidigt, dass Satire alles darf und die Kunst gepflegt, gegen alle - und gerne gegen alle Religionen - geschmacklos und böse zu sein."

Karikaturen, die provozieren
taz, Paul Wrusch
"Religiöse Satire ist ein fester Bestandteil von Charlie Hebdo. Sie reiht sich damit in antiklerikale Tradition Frankreichs ein. Schon seit seiner Gründung bekennt sich das Blatt zur radikalen Pressefreiheit und ließ sich bisher weder von Anschlägen noch von Drohungen einschüchtern."

Charlie Hebdo and its place in French journalism
BBC News
"Drawing on France's strong tradition of bandes dessinees (comic strips), cartoons and caricatures are Charlie Hebdo's defining feature. Over the years, it has printed examples which make its representations of Muhammad look like mild illustrations from a children's book."

What It Means to Be a Cartoonist in France
Slate Browbeat, Bart Beaty
"Unlike in the United States, where comic strips, comic books, and editorial cartoons are generally regarded as only distantly related wings of the same art form, in France the integration of the three is much closer. Each of the four cartoonists killed today worked not only for Charlie Hebdo, but for other newspapers, and for French comic book publishers."

Charlie Hebdo’s Most Controversial Religious Covers, Explained
Slate, Miriam Krule
Ein Überblick über die Charlie Hebdo-Ausgaben, die besonders für Aufregung sorgten.

Charlie Hebdo: its history, humor, and controversies, explained
Vox, Libby Nelson
Ein Erklärstück über das Satireblatt und was seine Art des Humors ausmacht

"Charlie Hebdo"-Chefredakteur Charb im Jahr 2012: "Wir testen Grenzen und überschreiten sie"
Badische Zeitung
Ein Interview von 2012 mit Charb, der nun eines der Opfer des Anschlags ist.

Die letzte Karikatur des Chefs von "Charlie Hebdo"
Deutschlandfunk

Solidarität mit Charlie Hebdo
arte
Der deutsch-französische Kulturfernsehsender Arte änderte gestern abend sein Programm und zeigte mehrere Sendungen zum Thema, u.a. eine Reportage zu Karikaturen und Pressefreiheit sowie ein Porträt von Georges Wolinski. Die Sendungen sind in der Mediathek abrufbar.

22 Heartbreaking Cartoons From Artists Responding To The Charlie Hebdo Shooting
Buzzfeed, Ryan Broderick
Weltweit bekundeten kurze Zeit nach dem Attentat Karikaturisten, Comiczeichner und Illustratoren ihre Solidarität mit und ihre Trauer um die Kollegen in Form von Zeichnungen. Buzzfeed zeigt eine Auswahl, ähnliche Sammlungen finden sich u.a. beim Guardian und bei Nerdcore.

In the Wake of Charlie Hebdo, Free Speech Does Not Mean Freedom From Criticism
The Hooded Utilitarian, Jacob Canfield
Ein Einwurf auf dem Comicblog The Hooded Utilitarian, das sich gerne gegen herrschende Mehrheitsmeinungen stellt: "Charlie Hebdo is a French satirical newspaper. Its staff is white. Its cartoons often represent a certain, virulently racist brand of French xenophobia. While they generously claim to 'attack everyone equally,' the cartoons they publish are intentionally anti-Islam, and frequently sexist and homophobic." Jacob Canfield hält auch einige der schnell verbreiteten Solidaritäts-Cartoons (s.o.) für rassistisch und geschmacklos.

«Charlie Hebdo», des unes en deuil
Libération
Eine internationale Presseschau mit Zeitungs-Titelbildern vom 8. Januar

Ralf König, der sich in der Debatte um die Mohammed-Karikaturen stets sehr klar positioniert hat, schreibt in einem Statement auf Facebook, was jetzt gut wäre.

 

** Ausgelacht?!
Arte Info
Wie ist es weltweit um die Meinungsfreiheit von Karikaturisten bestellt? Eine interaktive Weltkarte stellt Karikaturisten aus verschiedenen Ländern vor, die in kurzen Statements erklären, wie weit Satire in ihrem Land gehen darf.

** Mut und Selbstzensur der Medien 
Perlentaucher, Thierry Chervel 
Die Website Perlentaucher, die seit Jahren eine Presseschau deutscher und internationaler Zeitungen im Internet pflegt, vergleicht die heutigen Ausgaben deutscher Zeitungen: Welche Blätter zeigen die umstrittenen, teils sehr drastischen Cartoons von Charlie Hebdo, welche nicht? “Auffällig ist, dass die Berliner Zeitungen generell weniger Komplexe haben. [...] Viele maßgebliche amerikanische und britische Medien zeigen die drastischeren Karikaturen von Charlie Hebdo lieber nicht.”

** Comics Legend Art Spiegelman & Scholar Tariq Ramadan on Charlie Hebdo & the Power Dynamic of Satire 
Democracy Now 
Ein etwa 20-minütiges Fernsehinterview mit Comickünstler Art Spiegelman (Maus) und dem britischen Professor der Islamwissenschaft Tariq Ramadan, das auch als Abschrift zur Verfügung steht. Letzterer wirft dem Magazin vor, es habe sich in den letzten Jahren vor allem deshalb so sehr auf die Veralberung des Islam konzentriert, weil es in finanziellen Nöten war und damit gut Geld verdiente.

** "Meine Sorge ist, dass Publizisten vorsichtiger werden"
Süddeutsche Zeitung, Felicitas Kock
Ein Interview mit dem französischen Karikaturisten Manu (i.e. Emmanuel Letouzé): “Für mich waren diese Leute früher Helden. Heute fühlt es sich an - ich hoffe, das klingt nicht vermessen - als hätte ich Familienmitglieder verloren.”

** „Es braucht nur einen, der durchbrennt“
Der Tagesspiegel, Stefan Jacobs
Interview mit Klaus Stuttmann, einem der besten politischen Karikaturisten in Deutschland, der selbst schon Morddrohungen erhalten hat: “Seit den Drohungen gegen mich überlege ich einmal mehr, ob etwas missverstanden werden kann, denn das waren ja Missverständnisse. Bei eindeutigen Botschaften weiß man ja, worauf man sich einlässt. Insofern wussten die Charlie-Hebdo-Kollegen in gewisser Weise, worauf sie sich einlassen – wenn auch natürlich nicht in dieser Brutalität.”

** Scharf, schärfer, gezeichnet
Der Tagesspiegel, Ralph Trommer
Dieser ausführliche Artikel stellt Charlie Hebdo in eine lange historische Tradition der französischen Satire und beschreibt die Entwicklung des Magazins.

** Ihr werdet der Komik nicht Herr!
n-tv, Tim Wolff
Gastbeitrag von Titanic-Chefredakteur Tim Wolff: “Seit gestern gilt mehr denn je: Es lebe der Witz. Der kluge. Der platte. Jeder, der genügend Menschen findet, die über ihn lachen.”

** Der Mann, dessen Bild um die Welt geht
Süddeutsche Zeitung, Tobias Dorfer
Ein Kurzinterview mit @joachimroncin, dem Twitterer, von dem das tausendfach geteilte Bild zum Solidaritäts-Hashtag #JeSuisCharlie stammt.

 

Illustration: Wittek, mit freundlicher Genehmigung des Zeichners

 
 

von Thomas Kögel Sonntag, 21. Dezember 2014

Unsere Links der Woche, Ausgabe 38/2014: 

 

Die besten Comics des Jahres
Der Tagesspiegel, Lars von Törne
Zum dritten Mal in Folge hat der Tagesspiegel wieder eine neunköpfige Jury gebeten, ein Ranking der zehn besten Comics des ablaufenden Jahres zu erstellen. In der Endauswertung landet Barbara Yelins Graphic Novel Irmina knapp vor Mawils Kinderland.

Bongoland: Kohäsion
Startnext, Jeff Chi
So geht erfolgreiches Crowdfunding: Der in der deutschen Webcomicszene sehr umtriebige Nürnberger Zeichner Jeff Chi möchte aus seinem 24-Stunden-Comic Bongoland (“mit Abstand das blödeste was ich je kreiert habe”) ein gedrucktes Buch in Farbe machen. Bis zum 1. März 2015 wollte er auf der Plattform Startnext 800 Euro sammeln, um das Projekt zu verwirklichen. Ein Ziel, das bereits nach sechs Tagen erreicht war. Mitmachen kann man in den nächsten Monaten trotzdem noch, so dass vielleicht weitere Ziele erreicht werden. Extrem sehenswert ist auf jeden Fall schon mal das Video, in dem die Aktion vorgestellt wird.

Erotik im Comic ­– Ein Versuch, das Ungreifbare zu greifen
intellectures, Thomas Hummitzsch
Die Onlinefassung eines Überblicksartikels zu erotischen Comics, der zunächst gedruckt im Magazin Alfonz erschien. Hummitzsch blickt nicht nur auf übliche Verdächtige wie Manara, sondern stellt auch viele Vertreter aus dem Underground- und Independentbereich vor.

Farewell Hollywood
Guy Delisle
Nachdem eine Hackergruppe, die möglicherweise aus Nordkorea stammt, die Server von des Sony-Filmstudios gehackt hat und der Konzern seinen Film The Interview nach Terrordrohungen aus dem Verkehr gezogen hat, wird Hollywood vorsichtig, wenn es um Nordkorea geht: Die geplante Verfilmung von Guy Delisles Comic Pjöngjang, in dem er von seinen Erfahrungen in der nordkoreanischen Hauptstadt erzählt, wurde abgeblasen. In einem persönlichen Statement auf seinem Blog zeigt sich Delisle enttäuscht von der Entscheidung und gibt auch interessante Einblicke, wie das so läuft, wenn man als Autor die Filmrechte an seinem Werk verkauft.

DRM-Free Site Humble Bundle Generated Over $4 Million from E-books in 2014
Publishers Weekly, Calvin Reid
Das Geschäftsmodell der Website “Humble Bundle” funktioniert inzwischen auch gut für Comics: Anfangs gab es dort Pakete von Computerspielen, für die man als Käufer den Preis selbst festlegen konnte, ein Teil des Geldes wird für einen guten Zweck gespendet. Später wurden auch E-Books verkauft, in Jahr 2014 gab es insgesamt zehn digitale Comic-Bundles von Verlagen wie Image, IDW oder Oni Press, alle ohne Digital Rights Management (DRM). Ein neuer, erfolgreicher Verkaufskanal, der auch ein neues Publikum für Comics erschließt. Für den deutschen Markt ist ein solches Modell nicht denkbar, da auch E-Books hierzulande der Buchpreisbindung unterliegen. Man kann jedoch als Kunde aus Deutschland problemlos ein “Humble Bundle” erwerben. Aktuell gibt es gerade ein Paket mit Comics vom Verlag Dynamite.

‘Batgirl’ #37 Criticized For Transphobic Content; Creative Team Apologizes
Comics Alliance, Andrew Wheeler
Vor einigen Wochen gab es bei DC Comics mit Ausgabe 35 von Batgirl einen Neustart und Kurswechsel der Serie. Das neue Kreativteam (Cameron Stewart,Brenden Fletcher und Babs Tarr) machte aus der Titelfigur eine junge Frau, die ins Hipster-Viertel von Gotham City zieht, und will mit seinem Comic eine Zielgruppe ansprechen, die deutlich weiblicher und jünger ist als der durchschnittliche DC-Comicleser. In den sozialen Medien kam dieser Neustart sehr gut an, doch schon die dritte Ausgabe sorgte für Unmut bei einem Teil der Leserschaft: Darin wird enthüllt, dass eine Figur, die ebenfalls als Batgirl auftritt, eigentlich der (männliche) Schurke Dagger Type ist, sehr zum Entsetzen des echten Batgirls. Kritiker wie die Autostraddle-Autorin Mey bemängelten daraufhin die Verwendung von transphoben Stereotypen als weiteres Beispiel für das in der Popkultur immer wieder auftauchende Phänomen, dass transsexuelle Personen oder Crossdresser als Bösewichte, Perverse oder sonstwie gesellschaftlich inakzeptable Menschen dargestellt werden. Das Autoren- und Zeichnertrio hat sich wenig später mit einem sehr vernünftigen Statement entschuldigt. Mehr Kontext zu diesem Themenkomplex gibt’s im Artikel Batgirl And The Perpetual State Of Transphobia In Media bei Comics Alliance.

Festus Rotgut: Zombie Cowboy -- 6-pack comic book
BoingBoing, Mark Frauenfelder
Auf den Bierflaschen einer Brauerei aus Chicago kann man zur Zeit einen Zombie-Western-Fortsetzungscomic von Jason Aaron und Tony Moore lesen. BoingBoing veröffentlicht die Story ebenfalls. Dort fehlt allerdings die Geschmackserfahrung eines Biers mit “marshmallow and caramel flavors with a spicy finish”.

All Along the Wall
Emily Carroll
Ein weihnachtlicher Kurzcomic von Emily Carroll, die für ihre atmosphärischen Gruselcomics bekannt ist. Auch in diesem hier geht es ziemlich creepy zu.

Austern (Isch liebe eusch)
YouTube, Matthias Wieland
Ein Beitrag aus Guillaume Longs kulinarischem Comic Nicht ohne meine Schürze – als Chanson vertont vom vielseitig talentierten Matthias Wieland, der unter anderem als Comicübersetzer arbeitet.

 

Das waren die letzten "Links der Woche" in diesem Jahr. Wir machen eine kleine Weihnachtspause und kommen im Januar zurück – dann ohne Songzitate in den Überschriften. 

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von Thomas Kögel Montag, 08. Dezember 2014

Unsere Links der Woche, Ausgabe 37/2014:

 

Beste Listen – 2014 im Rückblick
dreimalalles, Christian Maiwald
Die Zeit der Jahresbestenlisten ist in vollem Gange, allerorts poppen Empfehlungen und Lieblingscomics des Jahres auf. Bei dreimalalles wird im großen Stil gesammelt, ebenso bei tradepaperback. Bei Graphic Policy versucht man sich sogar an einer Gesamtauswertung aller Bestenlisten, freilich beschränkt auf den amerikanischen Raum. Momentan in Führung: Die Autobiografie Can't We Talk about Something More Pleasant? von Roz Chast sowie Brian K. Vaughans Serienerfolg Saga.

Emanzipation als Lebensform
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Platthaus
Gestern verstarb im Alter von 92 Jahren Marie Marcks, die seit den 1960er Jahren bis ins hohe Alter als Karikaturistin tätig war, unter anderem für die Süddeutsche und Die Zeit, aber auch für Satireblätter wie pardon und Titanic. Ihre Bücher Marie es brennt (1984) und Schwarz-weiß und bunt (1989) können als frühe Variante der heute bei uns so etablierten autobiografischen Comics gelten.

Erforschung von Online-Bilderwelten - Im Gespräch mit Björn Hammel
ComicRadioShow, Maqz
Ein Interview mit dem Autor des Buches Webcomics - Einführung und Typologie, das gerade im Ch. A. Bachmann Verlag erschienen und womöglich die erste deutschsprachige Monografie zu diesem Thema ist. Das Buch basiert auf einer Abschlussarbeit, und zwar nicht in einem geisteswissenschaftlichen Fach, sondern im Fach Medieninformatik.

Tagungsbericht: 9. ComFor-Jahrestagung in Berlin
ComFor, Nina Heindl, Laura Oehme und Lukas R.A. Wilde
Ein umfangreicher Bericht von der Jahrestagung der Gesellschaft für Comicforschung, die Ende September in Berlin unter dem Titel "Grenzen ziehen, Grenzen überschreiten" stattfand. Zu praktisch allen Vorträgen und Programmpunkten gibt es eine kurze Zusammenfassung.

Programmvorschauen 2015
dreimalalles und Comic-Report
In den letzten Wochen haben so gut wie alle größeren Comicverlage, die auf dem hiesigen Markt aktiv sind, ihre kommenden Verlagsprogramme vorgestellt. Dazu erschien bei den Kollegen von Comic-Report und dreimalalles eine Reihe von Interviews, in denen Verlags- und Programmleiter ihre Neuankündigungen vorstellen und teils auch interessante Hintergrundinfos zum deutschen Buch- und Comicmarkt fallen lassen. Hier geht’s zu den Gesprächen mit Klaus Schikowski vom Carlsen Verlag, Michael Groenewald von Reprodukt, Johann Ulrich vom Avant-Verlag, Philipp Schreiber von Schreiber & Leser, Kai-Steffen Schwarz von Carlsen Manga, Alexander Bubenheimer von Panini Comics, Wolf Stegmaier und Jonas Blaumann von Egmont, Jano Rohleder von dani books und Dirk Schulz vom Splitter Verlag.

Roter Himmel
Zampano, David Boller
In Ewiger Himmel erzählte David Boller von seiner Karriere als Comiczeichner in den USA. Die Fortsetzung Roter Himmel setzt nach seiner Rückkehr in die Schweiz an und der größte Unterschied zum Vorgänger ist laut Boller, “dass ich das Ende der Geschichte noch nicht kenne.” Seit letzter Woche erscheinen jeden Dienstag und Donnerstag neue Seiten auf der Website von Zampano.

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von Thomas Kögel Sonntag, 30. November 2014

Unsere Links der Woche, Ausgabe 36/2014:

Neues Leben auf alten Seiten
Der Tagesspiegel, Martin Jurgeit
Seit 1998 hat Eckart Sackmann die Webseite mit dem eingängigen Namen comic.de betrieben, zunächst als Online-Abteilung seines Magazins RRAAH!, das 2001 eingestellt wurde, danach als allgemeines Infoportal über Comics, das vor allem mit reich bebilderter Messeberichterstattung punktete. In den letzten Jahren gab es immer weniger neue Inhalte und nun wechselte sie den Besitzer. Ab März 2015 möchte Peter Poluda, Inhaber des Comic-Fachhandelsvertriebs PPM, auf comic.de “ein verlagsübergreifendes Informationsportal für die ganze Comic-Szene” aufbauen. Möglicherweise wird das in eine ähnliche Richtung gehen wie der News-Bereich auf der PPM-Website, der seit 2008 geführt wird. Ein Teil der alten Inhalte von comic.de ist inzwischen auf patrimonium.de, Eckarts Sackmanns Website zur Comicforschung, umgezogen.

»Comics hat er immer gehasst«
kreuzer, Tobias Prüwer
Das Leipziger Stadtmagazin kreuzer interviewt Mark Lehmstedt, Autor und Verleger des Buchs Die geheime Geschichte der Digedags über den kürzlich verstorbenen Hannes Hegen und die Geschichte des von ihm geschaffenen Mosaik.

Comicsammlung
John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien, Bibliothek
Die Bibliothek am Amerikanistik-Institut der FU Berlin eröffnete letzte Woche offiziell ihre Comicsammlung. Die besteht zwar schon seit den 1970er Jahren, wird aber nun systematisch ausgebaut. Neben ausleihbaren Büchern (Graphic Novels, Sammelbände und Sekundärliteratur) gibt es auch eine umfangreiche Sammlung von amerikanischen Comicheften, die im Lesesaal der Bibliothek einsehbar sind.

Gesucht: Die besten Comics des Jahres
Der Tagesspiegel, Lars von Törne
Zum dritten Mal suchen die Comicseiten des Berliner Tagesspiegel wieder die besten Comics des zu Ende gehenden Jahres. Einmal mit einer Expertenjury (zu der auch diesmal wieder Comicgates Frauke Pfeiffer gehört), zum anderen via Leserumfrage, bei der es auch etwas zu gewinnen gibt. Einsendeschluss ist der 8. Dezember.

Sélection officielle 2015
BD Angoulême
Das Festival von Angoulême hat die Nominierten für seine jährlich vergebenen Preise bekannt gegeben. In der 35 Titel umfassenden “Sélection officielle” befindet sich unter anderem Jens Harders Beta … civilisations. In der Auswahl der Kindercomics sind Patrick Wirbeleit und Uwe Heidschötter für die französische Ausgabe von Kiste nominiert.

Avengers: Age of Ultron trailer - sweded
YouTube, Dumb Drum
Eine sehr charmante, selbst nachgebastelte Billigversion des Trailers zum neuen Avengers-Film nach dem Vorbild der “sweded movies” aus dem Film Be Kind, Rewind (Abgedreht). Auch verfügbar als Direktvergleich mit dem Original.

 

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von Thomas Kögel Sonntag, 23. November 2014

Unsere Links der Woche, Ausgabe 35/2014:

 

"Jeder Titel ist eine neue Herausforderung" – Thomas Gilke über Cover-Gestaltung
Dreimalalles, Christian Maiwald
Thomas Gilke, bei Egmont Graphic Novel zuständig für die Gestaltung der Bücher, kümmert sich auch ums Design der Titelbilder. Im Interview spricht er über seine Arbeit und was es dabei zu beachten gilt. Spannender Einblick in einen Teil der Buchproduktion, über den man sich in der Regel als Leser wenig Gedanken macht.

Die Kunst der Verdichtung
3sat, Nico Weber
Zwar werden Comicschaffende mehr und mehr auch vom Fernsehen interviewt und porträtiert, aber über Kurzbeiträge von wenigen Minuten geht das selten hinaus. Die Regisseurin Nico Weber hat nun einen halbstündigen Film über Nicolas Mahler gedreht. Heute Nachmittag wurde er bei 3sat ausgestrahlt, außerdem nimmt der Film am Münchner Wettbewerb LiteraVision teil, dessen Preise am kommenden Wochenende vergeben werden. In der 3sat-Mediathek ist der Film (voraussichtlich bis zum 30.11.) komplett zu sehen.

ADAGIO N°2 - Alltag in Berlin Comic
Startnext, Annette Köhn
Die aus Japan stammende Berlinerin Maki Shimizu erzählt in ihren Adagio-Comics aus ihrem Alltag, allerdings aus Sicht eines Katers und einer Maus. Der erste Band kam 2011 beim als erste Veröffentlichung des Jaja-Verlags heraus, nun soll ein zweiter Band folgen. Für Druck und Bindung des Comicbands möchte der Verlag 2.000 Euro per Crowdfunding sammeln. Die Kampagne läuft noch bis zum 6. Dezember. Wer 80 Euro spendet, erhält neben dem fertigen Buch auch noch eine Thaimassage von der Künstlerin persönlich!

 

The Rise of Digital Lettering, Part 7
Todd’s Blog, Todd Klein
Der Abschluss einer umfangreichen Artikelreihe von Todd Klein, seit Jahrzehnten einer der besten und angesehensten Letterer der US-Comicbranche (u.a. Sandman) und lange Jahre Seriensieger in der entsprechenden Kategorie bei den Eisner Awards. In dieser sehr lesenswerten Serie, die mit vielen Bildbeispielen bestückt ist, blickt er zurück auf die Geschichte des Comic-Letterings und die Digitalisierung dieses Teils der Comicproduktion (Links zu den vorangegangenen Teilen findet man jeweils am Ende eines Kapitels).

Der FC Valencia hat Streit mit Batman
n-tv, vpe
Der spanische Fußball-Erstligist FC Valencia trägt seit der Gründung vor 95 Jahren eine Fledermaus in seinem Vereinswappen. Kürzlich hat der Club sein Logo grafisch überarbeitet und nun trudelte Post von DC Comics ins Haus: Das Wappen habe zu große Ähnlichkeit mit dem markenrechtlich geschützten Batman-Logo.

LEGO Batman Vs Superman
YouTube, BrickNerd
Im Jahr 2016 treffen Superman und Batman im Kino aufeinander, auch ein Lego-Batman-Film ist in der Mache. Tommy Williamson alias BrickNerd hat in seinem kurzen Brickfilm beides schon mal vorweggenommen:

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