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von Marc-Oliver Frisch Samstag, 01. November 2008
In Zur Lage der Nation verballhornt Herr Reischl die Biografie des scheidenden US-Präsidenten, der, getreu dem Motto "Witzigkeit kennt keine Grenzen", als Busch dargestellt wird. Wer sich jetzt die Äuglein reibt und sich ungläubig wundert, ob der auf den ersten Blick doch sehr platte Ansatz vielleicht bloss zum gewollt naiven Charme des Albums gehört, dem sei gesagt: Nein, der meint's ernst, das Teil ist wirklich so schlecht. Auf sage und schreibe 48 Seiten, die sich grob am Leben des Republikaners von der Geburt bis zum Ende seiner Amtszeit orientieren, werden die Sache mit dem Busch und allerhand ähnlich geistreiche Kalauer totgetreten. Und dabei schafft es der Autor sogar, in dem ohnehin knöcheltief angelegten Niveau seines Unfugs noch schnorcheln zu gehen. Von der Tatsache, dass selbst gelungene Bush-Verunglimpfungen im Jahre 2008 nach Christus etwa so frisch anmuten wie der Teint von Franz Josef Strauß, reden wir erst gar nicht.
Okay, zugegeben, dass das immerhin schön produzierte Bändchen nicht so gut ankommt, mag auch ein Stück weit an mir selber liegen. Ich habe schliesslich keine Sonderschule besucht, kann schon seit Jahren mehr oder minder souverän mit Messer und Gabel essen und war auch nie Fan von Kalle Pohl. Ich bin also vielleicht einfach nicht Teil der Zielgruppe, die Herr Reischl anvisiert hat. Da bin ich ja gar nicht so, ganz im Gegenteil: Ich kann sogar trotz aller Kritik durchaus anerkennen, dass der Comic hübsch gezeichnet ist und ein, zwei mal - wenn auch wohl eher durch statistische Unvermeidbarkeit als durch humoristisches Talent - auf eine gelungene Pointe zusteuert, bevor er sie dann durch sein mieses Timing verstolpert. So weit, so harmlos.
Spätestens auf Seite zwanzig wird aus dem leicht peinlichen Rohrkrepierer dann allerdings eine herbe Zumutung, die jegliche Restsympathien verpuffen lässt. Hier nämlich meint Herr Reischl, seine alberne Einfaltspinselei mit einem kecken Seitenhieb auf die Tsunami-Katastrophe von 2004 aufpeppen zu müssen: Man sieht eine Zeitung mit der Schlagzeile "Asia's deadly wave kills more than 300,000 people", überschrieben mit dem Text: "Die fleißigen Neger gruben nämlich völlig falsch und bohrten eine der tektonischen Erdplatten im asiatischen Meer an ..."
Leuchten wir zum besseren Verständnis kurz in die düsteren Abgründe des Plots hinab: Die erwähnten "fleißigen Neger" sind afrikanische Flüchtlinge, die von der US-Regierung eingesetzt werden, um eine geheime Öl-Pipeline zu verlegen. Hat die Tsunami-Welle wenigstens was mit der weiteren Handlung zu tun? Nein, nicht mal das. Herr Reischl hält das ganze wohl einfach für eine spaßige Fussnote, die an dieser Stelle einfach mal gebracht werden musste. Ho ho ho, soll ich da als Leser wohl sagen, ja mei, was für eine zünftige Gaudi mir der Mosbichler da in die gute Stube gezaubert hat.
Auch darum ist Zur Lage der Nation: Die letzte Rede des George W. Busch ungefähr so lustig wie eine Gabel im Auge. Der Comic bietet dämlichen, erbärmlich einfallslosen Schwachsinn auf Oktoberfestniveau, der, wenn überhaupt, durch unterirdische Geschmacklosigkeiten auffällt. Außer Fremdschämen geht hier leider gar nix.
Zur Lage der Nation: Die letzte Rede des George W. Busch
Mosbichler Comics, 2008
Text und Zeichnungen: Moritz Reischl alias Mosbichler
Album, 48 Seiten, farbig; 10,- Euro
ISBN: 978-3-00-023773-7
Leseprobe (PDF) auf www.mosbichler.de
Mosbichlers Busch-Comics online

Bei speed-comics.de bestellen (Seite nicht immer erreichbar)
Zur Lage der Nation: Die letzte Rede des George W. Busch © Mosbichler
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