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von Daniel Wüllner Donnerstag, 15. Oktober 2009
Das Resultat ist ein knalloranger Foliant im Querformat, von dessen Cover ein cartoonifizierter Woody Allen herunterblickt, dessen Augenbrauen in einer Mischung aus Betrübtheit und Ungläubigkeit den Titel Vom Irrsinn des Lebens förmlich unterstreichen. So präsentiert der Knesebeck Verlag die Sammlung von über 350 Cartoon Strips, die Stuart Hample, der selbsternannte „Multimedia-Loser“ zwischen 1976 (Der Stadtneurotiker) und 1984 (Broadway Danny Rose) gezeichnet hat. Zu einführenden Erläuterungen sei gesagt, dass Allen zu diesem Zeitpunkt bereits ein anerkannter Regisseur war und in Amerika nach der Präsidentschaft Nixons mit Ford, Carter und Reagan gerade eine neue Ära begann. Die schwarz-weißen Strips spiegeln die Prozesse ihrer Produktion anschaulich wieder. Die Sammlung besteht aus Faksimiles des Cartoon Strips, der durch die Popularität von Allen gleich zu Beginn von 460 Zeitungen veröffentlicht wurde. Ein paar Strips werden auch im Zwischenstadium zum kolorierten Strip abgedruckt. Die Aufbereitung des Materials beweist die Liebe zum Detail.
Doch bevor Hample seinen Woody gegen den prominenten Regisseur von Filmen wie Der Stadtneurotiker antreten lässt, erzählt er von seinem ganz persönlichen Zugang zu dem Cartoon. Er holt weit aus, berichtet von seiner Zeit als Texter und Art Director, bevor er nach diversen Treffen und Besuchen von Comedy Clubs in New York endlich dem jungen Woody Allen begegnet. Interessant an der Einleitung sind vor allem die Einblicke in die frühe Phase von Allens Schaffen und die Ratschläge seines Agenten Jack Rollins: “Die Zuschauer müssen dich mögen, bevor sie über deine Witze lachen“. Die letzten Seiten erzählen von der Zusammenarbeit Hamples und Allens. Auf der einen Seite der gewitzte Allen, der seine Existenzangst nutzt, um sein Publikum zum Lachen zu bringen, und auf der anderen Seite Stuart Hample, der sich fast schon schuldig fühlt, sich in Allens Welt geschlichen zu haben. Hamples Erinnerungen an Allens Plädoyer für anspruchsvolle Komik, die er gegen die stumpfen Auflagen des Strip-Syndikats King Features aufrechnet, wirken seltsam apologetisch. Leider bestätigen die nachfolgenden Strips, dass Hample zu oft nur das öffentliche Bild Allens nutzte und den schnellen witzigen Abschluss suchte, um seinem damaligen Auftraggeber gerecht zu werden.
Das stärkste, weil auch abwechslungsreichste Kapitel ist mit Abstand „Im Spiegel der Welt“ in dem Hample sich traut, seinen Cartoon-Woody mit der Welt da draußen zu konfrontieren: mit einem Dieb, der einem wortwörtlich die Zeit stiehlt, und mit einem Anrufbeantworter, der sich verabredet, während Woody für ihn das Telefon hüten muss. In diesem Kapitel hat sich auch der Übersetzer Helmut Neuberger einen kleinen Spaß gemacht: Auf Seite 177 sinniert Woody über einen Witz für das Wall Street Journal, bei dem – in der Übersetzung – ein VW-Angestellter als verkleideter Vorstandvorsitzender von Porsche die Firma durch den Kauf von VW-Aktien in den Ruin treibt. Eine zeitgemäßere Umsetzung geht wohl kaum.
Mit der Veröffentlichung von Vom Irrsinn des Lebens zeigt sich der Knesebeck Verlag mutig. Der Sammelband ist eine äußerst gelungene visuelle Werkschau eines in Deutschland bisher recht unbekannten Zeitungsstrips. Das Buch ist sicherlich eine schöne Ergänzung für einen Woody-Allen-Fan, doch überzeugt der Strip als solcher nur selten. Während Allen auch nach vierzig Filmen seine Zuschauer durch eine gehörige Portion Paranoia gemischt mit seinem unnachahmlichen Humor noch begeistern kann, will es Hample, trotz Vorschlägen des Regisseurs selbst, weder gelingen, die öffentliche Figur Woody Allen zu durchdringen noch sie in einen Cartoon Strip zu übersetzen. Dem wirklichen Woody Allen gebührt das letzte Wort über seine Position als Kassenmagnet: "Lasst sie mich lieber auf meine Art gefährden."
Vom Irrsinn des Lebens - Woody Allen in Comic Strips
Knesebeck Verlag, September 2009
Text: Stuart Hample
Zeichnungen: Stuart Hample
240 Seiten; Hardcover; 29,95 Euro
ISBN: 978-3-8687-3148-4
Abbildungen: © Knesebeck Verlag
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An und für sich sind die Bayern ja oft ein Grund zur Freude, aber
manchmal ärgert man sich auch über sie - in meiner neuen
Stammkneipe in Idaho zum Beispiel. Bin ich den ganzen Weg hierher
gekommen, um dann Anfang Oktober plötzlich mit lautstarker Blasmusik
vom Fass beschallt und von Kellnern in Lederhosen belästigt zu werden,
die mir zudem noch Bratwurst und Sauerkraut andrehen wollen? Doch eher
nicht. Teil meines Marschgepäcks aus der Heimat war - pflichtbewusster
Rezensent, der ich nun einmal bin - der neue Comic von Moritz Reischl,
alias Mosbichler, und der ist leider auch so ein Fall.
Der neue Comic des norwegischen Künstlers Jason (Pssssst!,Hey, warte mal…, Hemingway) verstört gleich in zweifacher Hinsicht (eigentlich in dreifacher, aber an die anthropomorphen Figuren hat man sich ja bereits gewöhnt): Zum einen existiert in seiner Geschichte das Zeitreisen, zum anderen zeichnet er eine Gesellschaft, in der Auftragskiller ein ganz normaler Beruf ist. Eben dies ist die Arbeit des namenlosen Protagonisten; ob Ehefrau, Verwandte oder Chef, fast jeder will irgendjemanden loswerden, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Das Geschäft floriert, aber der Killer ist desillusioniert, von seiner Tätigkeit und seiner Gattin gleichermaßen.
So groß das Angebot an deutschsprachigen Comicübersetzungen auch ist, so groß sind nach wie vor die Lücken. Eigentlich sollte man meinen, dass zumindest das Werk der ganz großen Namen inzwischen vollständig auf Deutsch vorliegen müsste. Dass dem nicht so ist, zeigt sich (nicht nur) am Beispiel von Alan Moore. Dessen Opus enthält neben den großen, selbstverständlich verfügbaren Klassikern wie Watchmen, From Hell oder V for Vendetta auch zahlreiche mehr oder minder obskure Seitenzweige sowie ein Frühstadium, bestehend aus Comics, die in den frühen 80er Jahren für die britischen Magazine Warrior und 2000 AD entstanden. Das meiste davon wurde nie auf Deutsch veröffentlicht.
Finix, der Verlag, der sich eingestellter bzw. nicht abgeschlossener Comicserien
annimmt und diese zu Ende bringt, hat sich mit Helden ohne Skrupel mal wieder
einen Titel ausgesucht, der viele Fans der vorherigen Alben freuen dürfte.
Bislang sind von dieser Reihe zwischen 2001 und 2003 elf Alben im Carlsen
Verlag erschienen, neben den regulären Nummern 1-8 gibt es eine Nullnummer sowie
die Ausgabe 5 in drei Varianten (5a - 5c weisen nicht nur unterschiedliche
Covermotive auf, sondern bieten auch alternative Enden). Erwähnenswert ist darüber
hinaus auch der Comic Die Weiße Tigerin vom selben Kreativteam, von dem bei
Schreiber&Leser seit 2008 vier Alben veröffentlicht wurden. Sie behandeln
die Vorgeschichte von Alix Yin Fu, einer Geheimagentin, die in Helden ohne
Skrupel eine wichtige Rolle spielt.
- 17.08.2009