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(Vortrag/Diskussion)
von Marco Behringer Donnerstag, 21. Januar 2010
Inhaltlich beginnt die Geschichte damit, dass im November 1519 König Franz I. das letzte Gemälde Leonardo da Vincis vor den Augen der Öffentlichkeit durch einen Mönch verstecken und aufbewahren lässt. Auch dem Leser bleibt es verborgen. Der Grund für diese drastische Maßnahme ist vordergründig die abstoßende Darstellung: Der Ruhm des Genies soll nach dessen Ableben nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Dieses Szenario bildet gleichzeitig den narrativen Rahmen der Geschichte. Denn König Franz I. wird im Folgenden den Mönch - und dadurch auch den Leser - in das Geheimnis um das fragwürdige Kunstwerk einweihen.
Die rückblickende Schilderung des Königs beginnt in Mailand am 15. Dezember 1494, als die Leiche des Notars Christoforo di Rodrigo am Ufer des Martesana-Kanals entdeckt wird. Spätestens als festgestellt wird, dass der Leiche das Gesicht abgezogen wurde, steht fest, dass es sich um keinen gewöhnlichen Mord handelt.
Ab diesem Zeitpunkt entführt Autor Didier Convard seine Leser in eine spannende Mordserie, die zugleich ein touristischer Rundgang in Mailand und später in Venedig ist. Dabei erweist sich der Protagonist Leonardo da Vinci als polyphoner Anti-Held. Die moralisch zweifelhaften Taten des Genies sowie seine persönliche Spaltung in zwei Identitäten verweisen eindeutig auf Alexandre Dumas' Roman Der Graf von Monte Cristo. Im Gegensatz zu Dumas' Figur befähigen aber Convards Helden dessen wissenschaftlichen Kenntnisse zum Ausleben einer geheimen Identität. Darüber hinaus erinnert die spannende Geschichte in vielen Punkten auch an Fjodr Dostojewskis philosophischen Kriminalroman Schuld und Sühne. Vor allem in punkto Moral und im Hinblick auf den Fakt, dass der Mörder - dort ist es Rodion Raskolnikoff - bekannt ist, gibt es Übereinstimmungen mit dem russischen Dichter. Der da Vinci Convards erinnert in manchen Punkten an weitere Romanfiguren wie an die Hauptfigur aus Patrick Süskinds Das Parfum. So morden die Protagonisten der beiden Geschichten einzig und allein zu einem speziellen Zweck.
Ästhetisch schlägt Vinci nicht in die gleiche meisterliche Kerbe wie die Erzählung. Gilles Chaillets Strich ist klar und souverän, aber kein künstlerischer Geniestreich. Die Zeichnungen sind detailreich und die Kolorierung besticht durch matte Farben, die gut zur historischen Kulisse passen. Auch bei den zahlreichen Sehenswürdigkeiten - zum Beispiel die Mailänder Kathedrale oder "Das letzte Abendmahl" in der Santa Maria delle Grazie - stellt sich ein Wiedererkennungsgefühl ein.
Convard und Chaillet ist ein extrem spannender historisierender Kriminalcomic gelungen. Vinci kann trotz eines Abzugs in der B-Note gut und gerne als weitere Perle der "All in one"-Reihe betrachtet werden.
Vinci
Ehapa Comic Collection, Januar 2010
Text: Didier Convard
Zeichnungen: Gilles Chaillet
Hardcover, 112 Seiten, farbig; 29,95 Euro
ISBN 978-3-7704-3337-7
Abbildungen: Vinci © Glénat, © der dt. Ausgabe Ehapa Comic Collection















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Mit "Die Direktive 'Arca'" liegt nun bei Bunte Dimensionen der Abschlussband zu Acriborea vor.
Soviel vorweggenommen: Wer die Serie bisher mit Begeisterung gelesen
hat, wird sich sicherlich auch nicht das Finale entgehen lassen. Für
alle anderen gilt es auszuloten, ob es sich lohnt, mit Verspätung in
die Serie einzusteigen. Der Inhalt der Story ist komplex und
vielschichtig: Die Erde ist bedroht, und vor fast einem halben
Jahrhundert hat sich die Menschheit dazu entschieden, in einem weit
entfernten Sternensystem mit dem Namen Ruivivar eine Kolonie
aufzubauen - auf dem Planeten Acriborea, der von scheinbar friedfertigen Ureinwohnern besiedelt ist. Inzwischen ist Acriborea um die Facette eines epochalen SF-Kriegscomics à la Starship Troopers erweitert worden, und auch Einflüsse aus dem Superheldengenre sind deutlich zu spüren.
Ich muss gestehen, dass die Yps-Hefte nicht wirklich Teil
meiner Kindheit waren. Die Rangfolge war damals vielmehr ungefähr so: Micky
Maus-Magazin, unregelmäßig Fix & Foxi und ganz selten mal ein Yps-Heft in
den Händen gehalten. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich Yps mehr mit
Gimmicks als mit Comicgeschichten assoziiert habe. Urzeitkrebse und andere
legendäre Beilagen sind aber selbst mir geläufig gewesen. Es ist jedoch
erstaunlich, dass die jetzt erschienene Neuauflage von Thomas der Trommler
den Nachweis liefert, dass ich offenbar früher doch richtig gute Stories
verpasst habe.
- 04.08.2009

Empire USA ist, wie el Niño,
die Doppelbandausgabe einer Serie, deren erster Band bereits in
mehreren Teilen über das Comicmagazin ZACK veröffentlicht wurde. Auch
hier tritt die Problematik auf, dass ZACK-Leser eine Hälfte dieses
Albums schon kennen und auch schon dafür bezahlt haben.
Aufgrund
der Terroranschläge vom 11. September 2001 wollte Erfolgsautor Neil
Gaiman (Sandman) kein Szenario zwischen Wolkenkratzern schreiben.
So vollzog er die literarische Flucht "nach hinten". Also ab in die
Vergangenheit! Bei Panini Comics ist im Frühjahr eine weitere
(Softcover-)Gesamtausgabe der von Kritikern und Publikum gleichermaßen
gefeierten Serie erschienen. Offensichtlich traf er mit seinem
eskapistischen Rückzug den Nerv der Zeit. Jedenfalls hat sich Gaiman mit
Andy Kubert (Wolverine - Origin) zusammengetan, um das vertraute
Marvel-Universum in das Jahr 1602 zurückzuverlegen.
- 15.08.2010