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(Vortrag/Diskussion)
von Daniel Wüllner Dienstag, 05. Januar 2010
Sascha Hommer, der nicht nur durch seinen Debüt-Comic Insekt, sondern auch durch seine Herausgebertätigkeit bei dem Comicmagazin Orang und seine redaktionelle Arbeit für die Radiosendung Comickabinett auf sich aufmerksam machte, blickt in Vier Augen in die Vergangenheit seines Protagonisten, die seiner eigenen nicht ganz unähnlich ist. Aber ob diese Geschichte nun semi- oder autobiografisch oder keines von beiden ist, sollen am Ende andere entscheiden. Gucken wir uns zunächst die Handlung an und suchen für Vier Augen einen geeigneten Platz im Regal der Buchhandlungen.
Die Sprache der Figuren und die Gespräche übers Eimerrauchen und Frauen fängt Hommer zwar geschickt ein und erzeugt dadurch ein Gefühl des Bekannten, doch wirkt die Geschichte überladen von dieser Grundstimmung. Neben der omnipräsenten Szenerie der Grunge-Jahre der frühen Neunziger drohen die Probleme von Vertrauen und Verlust, die Hommer eigentlich zu erzählen versucht, unterzugehen. Die Nebenhandlung ist so überlagernd, dass sowohl Saschas Ängste um seine erste Beziehung, als auch die Bulimie Julias kaum nachvollziehbar werden und zur eigentlichen Nebensache reduziert werden.
Was das
Grafische angeht, scheint sich im Werk von Hommer eine Emanzipation vollzogen
zu haben. Weg von den kleinen überproportionierten Köpfen der kindlichen
Protagonisten aus Insekt hin zu einem
Stil, der eher als realistisch zu bezeichnen ist. Noch stärker als in seinem
Debüt schließt Hommer dabei die Natur, den Schwarzwald, ein und macht ihn zum
Hauptspielplatz der Handlung. Geblieben sind die Grauschattierungen, die seiner
Welt Tiefe geben, verschwunden ist leider der drückende Nebel, dessen
großartige allegorische Wirkung über den Menschen und Insekten wie eine
zentnerschwere Last lag. Sich selbst um eine Stärke beraubt, tobt sich Hommer dafür bei der Darstellung der
Drogenexzesse aus, die zwar wirkungsvoll in Szene gesetzt sind, aber genauso im
luftleeren Raum der Geschichte hängen bleiben, wie die gesamte Milieuskizze der
Neunziger.
Auch wenn man
der hier getroffenen Einteilung in das Genre Coming-of-Age widersprechen kann, was
nur legitim ist, so fällt bei der Lektüre doch auf, dass der Protagonist mit
Konflikten in seiner Jugend zu kämpfen hat. So viel ist sicher unbestritten.
Begibt man sich als Leser nun auf die Suche nach der Auflösung dieses
Konflikts, der Katharsis, so wird man zwar fündig, aber nicht auf eine zufriedenstellende Art und Weise. Es wird dem Leser
zwar vermittelt, dass sich in der Welt des Protagonisten Veränderungen vollzogen haben, doch
wie diese vonstatten gegangen sind, enthält Hommer seinen Lesern vor. Wie ein Spiegelbild ähnelt der Erzähler der Rahmenhandlung seinem
jugendlichen Alter Ego, doch scheinen sich all dessen Probleme auf den
eingefügten leeren Einzel- und Doppelseiten in Luft aufgelöst zu haben. Was
bleibt, sind zwei verzerrte Ebenbilder, die unabhängig von Hommers eigener Geschichte,
wie zwei unverbundene Hälften wirken. Da hilft auch der innere Windhund als Erklärungsmodell nicht.
Wären deutsche Buchhandlungen schlichtweg nach Genre sortiert, würde Hommers Vier Augen irgendwo zwischen Zach Braffs Film Garden State und Charles Dickens Roman Great Expectations stehen. Während die zugegebermaßen übergroßen Konkurrenten nicht nur Konflikte aufbauen, sondern diese auch auflösen, präsentiert Hommer in Vier Augen zwar die Nacherzählung der problembehafteten Vergangenheit und die Lösung dieser, doch wird dem Leser der eigentliche Prozess, die Entwicklung, vorenthalten. Diese Erkenntnis wird durch die Bebilderung unterstrichen, die sich in der schieren Darstellung von Drogenexessen verrennt.
Vier Augen
Reprodukt, Oktober 2009
Text und Zeichnungen: Sascha Hommer
122 Seiten, Softcover, schwarzweiß, 13,00 Euro.
ISBN: 978-3-938511-59-6

Abbildungen: © Sascha Hommer / Reprodukt
Interview mit Sascha Hommer (Erlangen 2008)















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Unter dem deutschen Titel Am Rande des Himmels erschien dieses Werk schon einmal, 1996 beim Carlsen Verlag. 15 Jahre später hat sich die Comiclandschaft stark verändert – ein Comic, der teilweise autobiografisch auf über 200 Seiten von Rassismus und Homosexualität, Politik und Gesellschaft erzählt, muss längst nicht mehr als exotische Besonderheit gelten, sondern passt formal und inhaltlich hervorragend in die mittlerweile etablierte Marktnische der "Graphic Novels". Grund genug für den Verlag Cross Cult, eine Neuauflage des vergriffenen Comics zu machen, diesmal unter dem englischen Originaltitel.
Serienmörder und ihre Taten üben eine eigenartige Faszination auf uns
aus. Verbrechen, die Jahrzehnte, manchmal gar Jahrhunderte zurückliegen,
werden nicht vergessen und zu den Akten gelegt, sondern immer wieder
thematisiert - und durch die Verarbeitung in Kino, Fernsehen oder
Kriminalroman auch zu einem Stück Popkultur. Dass sich historische
Serienmorde auch als Thema für Comics eignen, will der Autor Peer Meter
beweisen, indem er gleich drei solche Stoffe zur Graphic Novels
verarbeitet. Der erste davon erschien kürzlich bei Reprodukt: In Gift
geht es um eine Frau namens Gesche Gottfried, die in den 1920er Jahren
in Bremen insgesamt 15 Menschen vergiftet hatte und 1831 hingerichtet
wurde.
- 26.07.2010
Die Britin Posy Simmonds, deren Name bei uns bisher kaum bekannt war,
kennt man in England vor allem durch ihre Tätigkeit als Cartoonistin
für die Tageszeitung The Guardian, wo ihre Arbeiten seit den 70er
Jahren erscheinen. Auch Tamara Drewe, ihre zweite lange Comicgeschichte
(und die erste, die nun in Deutschland veröffentlicht wird) erschien
zunächst als Fortsetzungs-Story im Guardian. Sie erzählt darin von
einer ländlich-bürgerlichen Idylle im kleinen englischen Nest
Stonefield, die eines Tages gründlich durcheinandergerät, als eine
junge, sehr attraktive Frau im Dorf einzieht.
- 11.03.2010
"Rühr mich nicht an" bellt es immer wieder aus der Kehle der unschuldigen Blanche, während sie mit der Reitpeitsche auf ihre Verehrer einprügelt. Mit diesem Mantra als Titel, Fräulein-Rühr-Mich-Nicht-An, legen Hubert und das Künstler-Duo Kerascoët die ersten beiden (in sich abgeschlossenen) Bände eines erotischen Krimis vor, der gleichzeitig ein Sittenpanorama der wilden Dreißiger in Paris zeichnet.
- 30.08.2010
Eines Nachts klingelt Raphaels Telefon. Sein Freund Leo hat eine Panne und er möchte nun, dass Raphael ihm zu Hilfe eilt. Mehr schlecht als recht lässt sich dieser schließlich von seiner Freundin überzeugen, seinen Kumpel nicht im Stich zu lassen. An Leos stehendem Auto, mitten auf einer Landstraße, angekommen, erwartet den missmutigen Raphael jedoch eine Überraschung, mit der er niemals gerechnet hätte.