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(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Montag, 10. August 2009
Das erste Comicalbum der Reihe Unter dem Hakenkreuz
porträtiert das Leben der Menschen in einer rheinischen Kleinstadt zu Zeiten
der sich in der Endphase befindlichen Weimarer Republik. Im Mittelpunkt der
1932 einsetzenden Handlung steht der Jugendliche Martin Mahner, der im
Gegensatz zu seinem Vater dem Aufstieg der Nationalsozialisten skeptisch bis
ablehnend gegenübersteht. Dann gibt es da noch Gunther, seinen besten Freund und
eigentlich eine politisch wenig interessierte Persönlichkeit. Martin, der kulturbegeisterte
Schüler, bekommt aber spätestens ab der Machtübernahme Hitlers 1933 hautnah mit,
dass sich die Windrichtung auch in seinem Heimatort gedreht hat: ein Boykott
jüdischer Geschäfte wird ausgerufen, SA-Männer kontrollieren die Straßen und
auch Gunther scheint an der Nazi-Ideologie zunehmend Gefallen zu finden. Am meisten
trifft ihn aber sicherlich die Tatsache, dass Katharina, die Tochter der neuen
Nachbarn, auf die Martin ein Auge geworfen hat, jüdischer Herkunft ist und
deswegen entsprechend in Gefahr lebt.
Unter dem Hakenkreuz behandelt im Grunde die Zeit vor dem
"Dritten Reich", es ist eine
unsichere Zeit, in der Adolf Hitler als aufstrebender Hoffnungsträger gilt und
seine Machtausweitung deutliche Spuren in der Bevölkerung hinterlässt. Ähnlich
wie Jason Lutes‘ Epos Berlin (Carlsen Verlag) werden die
Ereignisse aus dem Blickwinkel des Durchschnitts-Deutschen geschildert. Damit
gelingt es dem Band, die damalige Atmosphäre gut einzufangen und zu zeigen, wie
sich das Leben der Menschen plötzlich verändert hat.
Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die passende Charakterauswahl des Szenaristen Philippe Richelle. Seine Figuren stehen exemplarisch für alle; Martins Familie und Freunde repräsentieren alle Facetten der Einstellung gegenüber der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung der frühen 30er Jahre. Wenn der Vater begeistert einer Rede von Adolf Hitler am Volksempfänger lauscht, gleichzeitig aber meint, man könne nicht alle Juden in einen Topf werfen und Hitler werde sehr wohl zwischen guten und schlechten Juden unterscheiden, dann merkt man, dass Richelle sich Mühe gibt, dass seine Figuren stets vielschichtig bleiben. Ähnlich Gunther, der sein Fähnchen in den Wind hängt und sich von der Nazipropaganda beeinflussen lässt. Damit stößt er wiederum Martin vor den Kopf, auf den Gunthers Veränderung befremdlich wirkt.
Die sich anbahnende Liebesgeschichte, die sozusagen als
B-Handlung fungiert, erstickt im Keim, eben auch aufgrund des
Stimmungswandels nach der Wahl Hitlers zum Reichskanzler. Damit ist die
Beziehung zwischen Martin und Katharina sprichwörtlich ein Opfer des
Hakenkreuzes geworden, weiter gedacht, kann man sogar sagen, dass dem
unbekümmerten Hauptprotagonisten durch die Umstände der damaligen Epoche noch
mehr genommen wurde, sein Hang zu Literatur und Theater nämlich. Denn für ihn dürfte
es zukünftig schwer werden, wie bisher bevorzugt Bücher des jüdischen Autors
Stefan Zweig zu lesen und zu verleihen. Nicht von ungefähr wird Martin später,
wie man zu Beginn des Bandes erfährt, sagen, man hätte ihm seine Jugendträume
genommen.
Mit ganz feinen Strichen setzt Zeichner Jean-Michel Beuriot diese Geschichte um. Ausgefüllt werden seine Bilder mit leichten, realistischen Farbnuancen, in denen sich eine abgrenzende Schattierung erkennen lässt. Auch das wirkt stimmig und fügt sich in ein zufriedenstellendes Gesamtergebnis ein.
Unter dem Hakenkreuz
1: Der letzte Frühling
Schreiber & Leser, Juli 2009
Text: Philippe Richelle
Zeichnungen: Jean-Michel Beuriot
88 Seiten, HC, Farbe,
22,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-15-9

Abbildungen: © Schreiber & Leser















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Kann man schon einen neuen Boom des Piratencomics ausrufen? Nach den Erfolgen der letzten Zeit mit durchwegs gelungenen Bänden wie Jeronimus, Das Testament des Captain Crown und An Bord der Morgenstern hat sich nun auch Comictausendsassa Jean Dufaux (Jessica Blandy, Giacomo C.) der Piraten angenommen.
Alexandro Jodorowsky schickt seinen schrecklichen Papst in die zweite Runde. Giuliano Della Rovere ist nun Papst geworden und nennt sich Julius II. Berauscht von seiner Macht und vor Liebe zu seinem Liebling Aldosi provoziert er seine Familie, die er selbst mit Ämtern und Schätzen ausgestattet hat. Nachdem diese aus Rache Aldosi ermordet, dreht Julius durch. Mit allen Mitteln und ohne Gnade will er Italien einigen. Natürlich unter seiner Herrschaft. Zugleich beauftragt er niemand geringeren als Michelangelo mit dem Bau eines kolossalen Grabmals.
Hier liegt mal wieder ein richtig gelungenes Cover vor. Es ist sehr stimmungsvoll und passend zum Inhalt. Beherrscht wird es von grimmig aussehenden, schwer bewaffneten Männern, welche eine zierliche junge Frau schon fast aus dem Bild drängen. Diese lächelt geheimnisvoll und steht ziemlich unbeeindruckt und entspannt gegenüber diesen waffenstarrenden Machos. Und wer genau hinsieht, kann entdecken, dass sie auf dem Mittelfinger der hinter dem Rücken gehaltenen Hand einen Schmetterling balanciert. Äußerste Zartheit und Zerbrechlichkeit steht einer geballten destruktiven Kraft gegenüber. Ein hervorragendes Titelbild, welches sehr gut die bedrohliche, aber auch zarte und heitere Stimmung des Bandes trifft.
Schlachtszenen haben David B.
schon immer besonders fasziniert, das weiß man spätestens seit seinem
autobiografischen Werk