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von Benjamin Vogt Samstag, 11. Juni 2011
Lange bevor der in Südkorea geborene Künstler Frank Cho für den US-Markt Superheldencomics (u.a. Spider-Man, New Avengers) und leichtbekleidete Amazonen illustrierte (Red Sonja, Shanna, Jungle Girl) war er eigentlich ein veritabler Komiker. Seine Karriere startete im College, wo er den Beruf des Krankenpflegers erlernen wollte. Nebenbei zeichnete er den Comicstrip University Freaks, welcher bald darauf regelmäßig in der Studentenzeitung abgedruckt wurde und großen Anklang fand. So groß sogar, dass die Nachfolgeserie Liberty Meadows in großen Zeitungen landesweit Beachtung fand. Der Rest ist Geschichte. Heute konzentriert sich Cho vor allem auf Pin-ups von sexy Frauen oder arbeitet Geschichten für den US-Verlag Marvel aus.
Obwohl auch das Frühwerk University Freaks nicht ganz ohne hübsche Damen auskommt (genau genommen ist die dunkelhaarige Brandy als Archetyp aller Männerphantasien zu bezeichnen), steht hier der Humor deutlich im Vordergrund. Einige Versuchstiere, an denen eine experimentelle Droge getestet wurde (oder womöglich erst noch getestet werden sollte), fliehen aus dem Labor und schreiben sich kurzerhand auf Kosten des Staates an der University of Maryland ein. Frank, eine schüchteren Ente und sowas wie der Hauptprotagonist der Serie, wird begleitet vom kauzigen Schwein Dean und dem übellaunigen Nagetier Ralph. Das tierische Trio wird im weiteren Verlauf dann noch um Limabohne Leslie und Schildkröte Sheldon erweitert.
Zusammen erleben sie den ganz normalen Wahnsinn des Studententums zwischen Parties, Verliebtsein und WG-Leben. Frank ist dabei tatsächlich ein semibiografisches Alter Ego des Künstlers Frank Cho, der seine eigenen Erlebnisse als Student in seinen Comicstrips zumindest zum Teil verarbeitet und thematisiert.
Die einzelnen Episoden bestehen aus je drei Panels, wobei oft zwei oder drei Strips inhaltlich lose zusammenhängen. Die Komik in University Freaks ist überbordend, schwarzhumorig und überrascht mit immer neuen Gag-Ideen, die aus dem normalen Stripschema ausbrechen.
Vor Jahren versuchte Gringo Comics die Reihe in Form von Einzelheften in einer deutschen Übersetzung vorzulegen. Drei Ausgaben erschienen damals, wobei die Nummer 3 lediglich in einer Miniauflage von 100 Exemplaren gedruckt wurde. Jetzt hat Cross Cult sich (und der deutschsprachigen Leserschaft) zum zehnjährigen Verlagsbestehen eine Gesamtausgabe gegönnt, die erstmals alle Strips in einem Band versammelt und eine von Melanie Giel und Andreas Mergenthaler neu vorgenommene Kolorierung bereithält. Im Anhang befinden sich als Bonus mit zusätzliche Illustrationen von Cho sowie ein von Christian Endres geführtes Interview mit dem Künstler.
Bei dieser finalen Zusammenstellung bleiben für Fans des feinen Comichumors keine Wünsche offen. Außer vielleicht, dass das Werk so gut angenommen wird, dass der Nachfolger Liberty Meadows irgendwann nachgeschoben wird. Vielleicht ja zum 15- oder 20-jährigen Verlagsjubiläum.
Wertung:
Urkomische Stripserie rund um das Collegeleben, oft absurd, stets unterhaltsam
University Freaks
Cross Cult, April 2011
Text und Zeichnungen: Frank Cho
122 Seiten, farbig, Hardcover
Preis: 22 Euro
ISBN: 978-3-936480-99-3
Abbildungen: © der dt. Ausgabe CrossCult















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Rezensionen




King Aroo ist ein fast vergessener amerikanischer Zeitungscomic. Getextet und gezeichnet von Jack Kent erschien der Strip von 1950 bis 1965 in verschiedenen amerikanischen Zeitungen und war mit seiner Mischung aus Wortspielen, visuellem Humor und Slapstick sehr erfolgreich. Der erste Band der deutschen Veröffentlichung, übrigens erstmalig auf Deutsch, vereint die ersten beiden Jahrgänge mit den dazugehörigen Sonntagsseiten.
Das Cover des zweiten Bandes kündigt es an: Adalbert Müller steht kurz vor der Explosion. Stets übellaunig, leicht tolpatschig und cholerisch bewältigt er seinen Alltag als Familienoberhaupt und Pechvogel erster Güte. Aber er ist dabei liebenswürdig. Und obwohl die in den 70er Jahren von Pierre Seron (Die Minimenschen, Spirou) entwickelte Serie Die Müllers heißt (im Original: La famille Fohal), sind alle anderen Figuren, auch die übrigen Mitglieder der Familie, nur Randfiguren neben dem weißhaarigen Herrn Müller.
Ich muss gestehen, dass mir der Name Andreas Dierßen bislang nicht geläufig war. Dabei zählt dieser zu den "alten Hasen" der deutschen Comiclandschaft. Vor allem in den Neunziger Jahren war er aktiv, unter anderem mit Projekten bei Ehapa, Carlsen, fürs Schwermetall und bei Zwerchfell. Für den japanischen Verlag Kodansha schuf er unter anderem die Krimireihe Kunz, von der auch ein Band bei Carlsen vorliegt. Nach einigen Jahren Pause meldete er sich 2011 mit Die besten Zeiten zurück.
Der Splitter Verlag setzt seine gelungene Veröffentlichungspolitik fort, indem er die beiden Abenteuer des "Journalisten der Zukunft" Leo Roa in einem einzigen Band veröffentlicht. Im Gegensatz zu den Splitter-Books kommt dieser als Album im Großformat.
"Die Reichen berauben, um es den Armen zu geben." Im Grunde genommen ein grundsolides und moralisch vertretbares Ziel, das sich Robin Hood gesetzt hat. Doch nach unentwegtem Beschützen von Witwen und Waisen ist auch der grüngekleidete Held in die Jahre gekommen. In seinem neuesten Comic Die wundersamen Abenteuer von Robin Hood: Die Legende von Robin Hood weist Manu Larcenet in seiner bitterbösen Geschichte darauf hin, dass nicht nur das Fleisch, sondern auch der Geist schwach werden kann.
- 29.05.2010