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(Vortrag/Diskussion)
von Simon Weinert Freitag, 26. Januar 2007
Unser einem soll’s recht sein, denn Universal War One entpuppt sich als mitreißende SF-Unterhaltung auf hohem Niveau, die Vergleiche mit der neuen Battlestar Galactica TV-Serie zulässt. Effektvolle Cliffhanger am Ende der Bände entfachen jeweils die Gier nach der Fortsetzung.
Wir schreiben die Zukunft: zwei Mächte beherrschen unser Sonnensystem, zum einen die Vereinigte Erde und zum anderen die ICC, die Industrial Colonies of Colonisation auf den Monden der äußeren Planeten. Da erscheint plötzlich "die Mauer" zwischen Saturn und Jupiter, eine lichtlose Barriere, die der Erde Sorgen bereitet. Sonden, die die Mauer durchdringen, kommen nicht zurück. Die Mauer bleibt ein Rätsel und - so vermutet man - eine Bedrohung.
Mitglieder der Schwadron „Purgatory“ der United Earth Forces
schießen eine Sonde durch die Mauer, die mit einem Kabel zurückgeholt werden
soll. Zwar scheitert auch dieser Versuch, doch anhand der Computeraufzeichnungen
über den Verlauf der Aktion kann der geniale Physiker Kalish einige
Eigenschaften des Phänomens erhellen und eine Methode entwickeln, wie man sie
unbeschadet durchdringen kann. Es stellt sich heraus, dass die Mauer gekrümmt
ist und ihren Ursprung auf einem Uranusmond, dem Oberon, hat, also im Gebiet
der ICC. Da Kalish zur Schwadron „Purgatory“ gehört, schenkt man
seinen Entdeckungen allerdings zunächst nicht die nötige Beachtung. Denn diese „Fegefeuer“-Schwadron
ist ein Haufen unzuverlässiger, undisziplinierter Männer und Frauen. „Purgatory“
wurde ins Leben gerufen, um den schwarzen Schafen der Flotte, die andernfalls
vor dem Kriegsgericht stehen würden, eine Möglichkeit zur Bewährung zu geben.
Die Mitglieder dieser Schwadron sind die Hauptpersonen dieses
Comics und sein großer Trumpf: einer ist ein hoffnungsloser Feigling, der
andere ein verantwortungsloser Heißsporn, der durch seinen Wagemut ganze Missionen
(und Menschenleben) gefährdet. Wieder ein anderer ist als Vergewaltiger bekannt, während der vierte (der Physiker!) zu exzessiven Schlägereien neigt. Amina
ist in der Schwadron, weil sie einen Typen, der ihr zu nahe gekommen war,
entmannt hat. Ein schönes Grüppchen liebreizender Individualisten also.
Angeführt und im Zaum gehalten wird die Schwadron von Captain June Williamson,
die ihrerseits diese Ehre durch Befehlsverweigerung aufgrund einer
Gewissensentscheidung verdient hat. Nur Williamsons Assistentin hat scheinbar
keinen Dreck am Stecken. Dafür ist sie die Tochter des Admirals, was Probleme
genug mit sich bringt.
Wie schon gesagt, die allmähliche Charakterisierung dieser
Figuren und ihre Interaktion machen den Hauptreiz der Serie aus. Doch ist
deshalb die Story noch lange nicht uninteressant, im Gegenteil. Diverse
Amokläufe verschiedener Mitglieder der besagten Schwadron führen schnell zu
einer Zuspitzung der Situation, und Williamson entscheidet, die einzelnen Verbrechen
der Mitglieder in der Gruppe bekannt zu machen. Nun weiß jeder vom anderen, weshalb
er in der Fegefeuer-Schwadron ist.
Doch beendet das die Disziplinlosigkeiten leider nicht, im Gegenteil.
Nachdem Kalishs Theorien letztlich doch Gehör fanden und alle Vorbereitungen zu
einer geordneten Exkursion ins Jenseits der Mauer getroffen sind, brennen dem
Heißsporn die Sicherungen durch und es kommt zu einer spontanen Chaosfahrt durch
die Öffnung in der Mauer: die Schwadron ist voll im Einsatz.
Hier endet der erste Band, und der angefixte Leser hat keine
Ahnung, was sich hinter der Mauer zuträgt. Um das herauszufinden, muss er den
zweiten Band lesen, in dem das Innere der Mauer erforscht wird und wo es zu
ersten Kriegshandlungen gegen einen geheimnisvollen und übermächtigen Feind
kommt. Die Schwadron wird dabei in ihrer Disziplinlosigkeit immer
selbstbewusster und für die Admiralität unentbehrlicher, hat aber leider auch erste
Opfer in diesem mysteriösen Krieg zu beklagen.
Es hat keinen Sinn, viel über den Inhalt des zweiten Bandes
zu sagen, da man dabei unweigerlich spoilern müsste. Es muss reichen, zu sagen,
dass die Stärken des ersten Bandes, der spannende, allmähliche Handlungsaufbau,
der interessante Konflikt und vor allem die Interaktion der Figuren, im zweiten
Band noch gesteigert und verdichtet zu Tage treten.
Es gibt meines Wissens derzeit kaum etwas Vergleichbares auf
dem Schnittmengengebiet frankobelgischer Comic und Science Fiction. Universal
War One ist klassische Space Opera mit einer deutlichen, aber gut
verträglichen Military-Note und kommt ohne fantastische Zutaten aus (wenn auch
nicht ohne pseudowissenschaftliche Theorien, die zum Funktionieren der Mauer
und dergleichen freilich notwendig sind). Vergleiche mit der neuen TV-Version
von Battlestar Galactica sind von daher (und auch, was die Figurenzeichnung
angeht) gar nicht sonderlich abwegig.
Die Atmosphäre ist militärisch düster und rau, die Personen
sind markant, manchmal etwas grob gezeichnet und allesamt keine Strahlemänner
und -frauen. Das Layout ist klug und interessant, wie im allgemeinen die
Zeichnungen auch keine Wünsche offen lassen. Und ganz großartig sind die „Außenaufnahmen“;
ein Augenschmaus, wenn sich Raumschiffe vor dem Saturn tummeln und Monde
kreuzen. Optischer Höhepunkt - einer von vielen - ist, wenn eine
gigantische Explosion ein Loch in den Saturnring reißt. Da kann man sich
ordentlich satt sehen!
Also: Wer keine Berührungsängste mit Science-Fiction hat, der bekommt hier einwandfreie Unterhaltung geboten, bei der alles stimmt: Story, Grafik und Figuren, alles mindestens tipptopp. Wohin sich die Dosis Military-SF entwickeln wird, ist noch nicht abzusehen (es sollen noch vier Bände folgen). Ob es ein so eindringliches, wichtiges und kritisches Werk wird wie die Adaption von Joe Haldemanns Roman „Der ewige Krieg“ von Marvano (drei Bände, 1991-1992 bei Carlsen erschienen) oder ob es bei Heldentum, Unterhaltung und Weltraumschlachten bleibt, das wird letztendlich über die Qualität des „Gehalts“ dieser Serie entscheiden müssen. Über den „Inhalt“ aber kann man alles andere als meckern.
Und Band 3 soll erst im Juni erscheinen? Na hoffentlich wird da wieder etwas umgestellt, damit das Warten nicht so lang wird! Wie wär’s mit Februar?
Universal War One
1: Genesis
Splitter Verlag, Dezember 2006
Text, Zeichnungen und Farben: Bajram
48 Seiten, farbig,
Hardcover; 12,80 Euro
ISBN: 978-3-939823-12-4
Universal War One 2:
Die Frucht der Erkenntnis
Splitter Verlag, Januar 2007
Text, Zeichnungen und Farben: Bajram
48 Seiten, farbig,
Hardcover; 12,80 Euro
ISBN: 978-3-939823-13-1
Bildquelle: comiccombo.de















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Was ist eigentlich so verkehrt an rein historischen Comics? Wieso müssen neue historisch orientierte Serien sich häufig der Faktentreue verweigern und sich stattdessen einem Genremix hingeben? Mittlerweile wäre eine treue Historienadaption mal sehr außergewöhnlich. Aber die Herangehensweise, mehrere Genres zu mischen, hat natürlich auch Vorteile. So wäre historische Faktentreue ein Gerüst, welches die Handlung stark einschränken würde, da man sich nicht beliebig viele Freiheiten nehmen kann. Meist bleibt die Faktentreue denn auch auf das Dekor beschränkt. Andererseits hat Geschichte immer genügend weiße Flecken, die von Fantasie und Schöpferkraft gefüllt werden können. Man kann eben nie alles über das Vergangene wissen..
Nachdem mich die Gesamtausgabe von Aldebaran geradezu begeistern konnte, war ich dementsprechend sehr gespannt, wie Leo (alias Luis Eduardo de Oliveira) seinen Sci-Fi-Comic im zweiten Zyklus fortgeführt hat. Betelgeuze heißt dieser, wiederum benannt nach dem Planeten, der den hauptsächlichen Ort des Geschehens markiert.
Betrachtet man das ziemlich nichtssagende Cover, weiß man zunächst gar
nicht, was einen erwarten mag. Die etwas altertümlich gekleidete junge
Frau deutet auf eine historische Geschichte. Und da eine junge Frau das
Cover beherrscht, liegt der Schluss nahe, dass auch Liebe eine nicht
unerhebliche Rolle spielen wird. Nur was macht die Eule da?
- 02.10.2010