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von Thomas Kögel Donnerstag, 27. Januar 2011

Unter dem Label "Schreiber & Leser Noir" bringt der Münchner Verlag seit kurzer Zeit abgeschlossene Krimi-Comics im Hardcover-Buchformat auf den Markt. Einer davon stammt aus Spanien: Umsonst ist der Tod folgt den klassischen Genre-Traditionen, setzt aber interessante eigene Akzente. Es geht um den Polizisten Frank Witkin, der den Mord an der Ehefrau des Staatsanwalts aufzuklären hat. Jener Staatsanwalt hat eben erst eine große Initiative gegen das organisierte Verbrechen gestartet, so dass man den Täter natürlich in den Reihen der Mafia vermutet.

Aber die Lage ist wesentlich komplizierter: Verschiedene Mafiaclans streiten um die Macht, es gibt weitere Tote, und auch Witkin selbst gerät schließlich in den Verdacht, der Mörder zu sein. Am Ende befindet sich dieser in einer klassischen Allein-gegen-alle-Situation, in der er den wahren Drahtzieher hinter den Vorgängen stellen muss, um seinen eigenen Arsch zu retten.

Zeit und Ort dieser Geschichte sind sehr wage gehalten. Sie spielt vermutlich in einer amerikanischen Großstadt, zu einer Zeit, als Männer noch Hut trugen. Im Hintergrund sind Filmplakate für Das Fenster zum Hof (1954) und Die Mumie (1932) zu sehen, weitere zeitliche Einordnungen werden nicht gemacht. Der Autor will dies wohl ganz bewusst offen halten, denn im Prinzip könnte seine Story zu jeder Zeit, auch in unserer Gegenwart, spielen. Wie in vielen Noir-Krimis geht es auch hier nicht nur direkt um den Mordfall und seine Aufklärung, es wird auch ein Bild des Milieus gezeichnet, in dem sich so ein Fall abspielt. Forniéz und Álvares beschreiben die namenlose Stadt als einen schmutzig-grauen Moloch, in dem jeder auf eigene Faust sein Glück sucht, aber alle nur Unglück finden. "Wie eine riesige Maschine, präzise und gut geschmiert. Mit ihren Kolben, ihren Ventilen und Zahnrädern. So funktioniert meine Stadt."

Von wem diese Sätze stammen, wer diese Maschine am Laufen hält, soll hier nicht verraten werden. Ein Hinweis sei aber gestattet: Autor Álvarez führt zum Schluss des Comics ein übernatürliches Element ein – ein Element, das seine Geschichte am Ende ein wenig aus dem Gleichgewicht bringt, weil es einfach nicht richtig zu der düsteren, geerdeten Grundstimmung passen will, die bis hierhin herrschte. Wer sich daran nicht stört, bekommt mit Umsonst ist der Tod einen gelungenen Großstadtkrimi, der übliche Genrezutaten (Mafiosi, Zuhälter, abgehalfterte Boxer usw.) zu einer komplexen und spannenden Story verarbeitet, die den Leser mit allerlei Tricks und Finten immer wieder an der Nase herumführt.

Zeichnerisch ist das von Sagar Forniés sehr passend umgesetzt, in einem groben, "schmutzigen" und skizzenhaften Stil, bei dem immer wieder die Vorzeichnungen durchscheinen und die mit Aquarellfarben gesetzten Grautöne ruhig auch mal klecksen dürfen.

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Zusätzliche Tiefe bekommt Umsonst ist der Tod durch eine formale Besonderheit: Mehrfach wird der Comic durch kleine Prosa-Kurzgeschichten unterbrochen. Diese gehören nicht unmittelbar zur Handlung, beleuchten aber einzelne Figuren aus einer anderen Perspektive, die im Comic nur wenig Raum bekommen hat. Die Texteinschübe sind also nicht nur stilistisches Mätzchen, sondern ein wichtiges Element der Erzählung, das der Story und ihren Protagonisten zusätzliche Facetten verleiht.

Ein durchaus lesenswerter Großstadtkrimi also, mit vielen Anleihen an die Standards des Genres, aber dennoch einigen kreativen eigenen Akzenten. Ob die Lektüre wirklich "Unter die Haut" geht (so lautet die wörtliche Übersetzung des Originaltitels) hängt allerdings davon ab, wie gut man sich mit der recht abrupten Wendung am Ende anfreunden kann.


Wertung
7 von 10 Punkten

Schmutzig düsterer Noir-Krimi, der sich mit stilistischen Eigenheiten vom Genre-Standard abhebt


Umsonst ist der Tod
Schreiber & Leser Noir, September 2010
Text: Sergi Álvarez
Zeichnungen: Sagar Forniés
144 Seiten, schwarz-weiß, Hardcover
Preis: 18,80 Euro
ISBN: 978-3-941239-42-5
Leseprobe

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Abbildungen: © der dt. Ausgabe: Schreiber & Leser



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