JoomGallery Stats for JoomGallery MVC BETA

  •   1287
Comicgate RSS-Feed Comicgate RSS-Feed

Comicgate-Tweets

Eigenveröffentlichungen

Wir publizieren auch im Print!

Comic-Kalender

April 2012 Mai 2012 Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31
Neue Veranstaltung einsenden Neue Veranstaltung einsenden
Zum Kalender

Partnerlinks





 



 

von Frauke Freitag, 20. Januar 2006

Tokyo Punk ist das zur Messe "Heftich" Ende 2005 erschienene Magazin der Initiative Comic Kunst e.V. (INC). Der Grundgedanke: deutsche Undergroundzeichner versuchen sich an Manga.
Das zuerst auf ein Heft geplante Heft wurde im letzten Moment auf zwei Teile aufgesplittert, da die Anzahl der Beiträge zu groß wurde. Nun sind es insgesamt 128 qualitativ und stilistisch sehr unterschiedlicheSeiten geworden.

Der originelle Name mit Anspielung auf einen deutschen Mangaverlag macht einen sympathischen ersten Eindruck - Witteks Cover mit den etwas eklig anmutenden zerlaufenden Spiegeleieraugen, das auch auf dem "Heftich"-Plakat abgebildet war und ja eigentlich zum Kauf anregen soll,  wirkt dem allerdings entgegen. Pattsituation. Im Heft selber erfährt dann der Manga-Laie, dass eine Illustration von Suehiro Maruo aus "Planet of the Jap" Vorbild war, die auch abgebildet wird. Okay, Versöhnung. Der Manga klingt interessant.

Wenn man sich die zwei Hefte durchgelesen hat, dann bleibt vor allem erstmal ein Eindruck zurück: hier gingen wohl Leute mit völlig unterschiedlichen Ansprüchen an's Werk. Das Vorwort lässt Vorfreude aufkommen, und das Interview mit dem seit 1998 in Hamburg lebenden japanischen Zeichner Kenichi Kusano fand ich hochinteressant. Seine Sicht und Informationen zu Manga und deutschen Comics enthalten sehr interessante Fakten, Ansichten und Anregungen. Überzeugend ist auch sein 12-seitiger Beitrag zu Tokyo Punk, den man sicherlich nicht als "typischen Mangastil" bezeichnen würde. Und auch wenn er inhaltlich etwas ... anders ist, so ist doch die Detailfülle und die Experimentierfreude beeindruckend.

Umso deutlicher unterscheiden sich dann andere Beiträge davon. Es scheint, als ob vorher nicht so ganz klar war, ob Tokyo Punk nun tatsächlich eine Auseinandersetzung mit Mangaelementen werden sollte oder eher ein albernes Spaßprojekt, bei dem man sich über Mangaklischees lustig macht und einfach mal ein paar große Augen in eine sinnfreie Aneinanderreihung von Bildern reinzeichnet, um thematisch zum Magazin zu passen. So gibt es also beide Arten, und einige Beiträge kommen einem einfach nur hingerotzt und schnell zusammengeschludert vor. Das irritiert dann doch erheblich in Anbetracht der engagiert wirkenden redaktionellen Arbeit.

AnsEin positives Beispiel, dass man das Ganze nicht allzu ernst nehmen braucht, aber der Leser trotzdem noch seinen Spaß dran hat und sich nicht veralbert vorkommt, ist Ans de Bruins "The Evil Part". Zwar wirken die Seiten etwas überladen durch den dicken Strich, aber ihr Humor macht Laune und scheint eine Richtung zu haben, der manch anderen Arbeiten fehlt. Und wer sich ein wenig auskennt in der deutschen Kleinverlagsszene, der bekommt noch ein paar Leckerlis serviert von ihr.

MischaBesonders hervorzuheben ist in meinen Augen noch Mischa mit "Eine Jungle-Geschichte", bei der ich zwar irgendwann keinen  Faden mehr gefunden habe, die mir aber zeichnerisch gut gefallen hat, und die schönen Illustrationen von Simone Kesterton, die immer mal wieder verstreut auftauchen, aber leider etwas unter dem Kopierformat leiden. Einen klassisch-fiesen Godzilla zauberte Maikel Das herbei, und von Alphatier, der geplanten Eigenproduktion der Alligator-Farm, bekommt man einen ersten (inhaltlich aber nicht sehr aussagekräftigen) Eindruck.
Die Harry-Potter-Hommage (nennen wir es mal so) von Till Laßmann und "Die Taktik der zwei Tannenzapfen" (Olli Ferreira und René Roggmann) haben durchaus auch ihren Charme.

Insgesamt nicht Fisch, nicht Fleisch. Eine innovative Idee, bei der einiges verschenkt wurde, bei der es aber auch einige Neuentdeckungen gab. Eine inhaltlich einheitlichere Form hätte dem Projekt gut getan. Nicht, dass sinnlose Comics keine Existensberechtigung hätten - aber nach der Werbung und dem Vorwort hatte zumindest ich mir etwas anderes versprochen, und so war ich mitunter ein wenig enttäuscht ob der Möglichkeiten, die man erahnt hat, die aber teils nicht wahrgenommen wurden.
Sicherlich sind die insgesamt 128 Seiten dank ihrer Highlights aber die 6,- Euro allemal wert.
Zu bestellen im Freibeutershop, dem Onlineshop für die Comics der Kleinverlage.


Tokyo Punk!
Initiative Comic Kunst e.V. (INC)
128 Seiten (verteilt auf 2 Hefte), schwarz-weiß, DIN A5, kopiert; 6,- Euro



Trackback(0)
Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
kleiner | groesser

security code
Bitte den folgenden Code eintragen


busy

Ähnliche Artikel

  • Ojo (US)
     Annies Leben sieht ganz schön beschissen aus. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater irgendwo auf Reisen und ihre große Schwester ein fieses Biest der Extraklasse. Gelebt wird in einem Trailer, was die Sache nicht eben besser macht. Auf so engem Raum ist Rückzug beinahe unmöglich. Hausherr Großpapa versucht mit Ruhe und Geduld die zerrissenen Geschwister daran zu hindern, sich gegenseitig zu zerfleischen. So sollte die Welt eines kleinen Mädchens nicht aussehen.
    - 27.03.2009
  • Das kurze Hallo und das lange Machsgut
    Quasi im Eigenverlag legt Frank "Spong" Plein hier den Auftakt zu einem kleinen Epos vor, in dem die Hauptfigur Steffen eher mit dem Leben - und vor allem der Liebe - hadert, als es frohgemut zu durchwandern. Damit hat Spong einerseits das Rad nicht neu erfunden, aber der Comic kommt andererseits so frisch und authentisch, so komisch und doch tragisch rüber, dass er was ganz Besonders ist. - 05.07.2006
  • Bohnenwelt

    Für seine zweite Comic-Veröffentlichung (zehn Jahre nach Inter View - Popcomics von Helge Arnold und Christopher Tauber) hat sich der Mainzer Ventil Verlag einen amerikanischen Comic ausgesucht, der dort schon seit 1983 exisitiert, es aber bislang nie zu uns geschafft hatte: Larry Marders Beanworld, eine, so der Untertitel der US-Ausgabe, "höchst sonderbare Comic-Erfahrung".

    - 23.04.2012
  • Affentheater
     Eines vorweg: Affentheater ist einer der unkonventionellsten aber brillantesten Comicbände der jüngsten Vergangenheit. Und er ist vor allem eines: Geschmackssache. Mir jedenfalls hat er extrem viel Spaß gemacht, weshalb ich jedem nur empfehlen kann, sich unbedingt selbst ein Bild zu verschaffen. - 01.07.2009
  • X

    Warum sich einen komplizierten Titel ausdenken, wenn es doch ganz einfach geht? Comics von Charles Burns sind ja gemeinhin überhaupt nicht leicht zu verstehen. Das lässt die schlichte Bezeichnung  seines neuen Werkes, X, fast schon ironisch wirken.

    - 01.05.2012