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(Vortrag/Diskussion)
von Christopher Bünte Donnerstag, 23. Dezember 2010
Man sollte meinen, über manche Dinge sei alles gesagt, was man darüber sagen kann. Zum Beispiel über Tim und Struppi. Hergés berühmte Abenteuerserie gilt gemeinhin als der Beginn der europäischen Comic-Tradition und wurde bereits vielfach untersucht und betrachtet. Dem fügt jetzt der Brite Tom McCarthy eine neue Lesart hinzu.
Der in Oxford studierte Anglist, selbst Autor fiktionaler Werke, stellt im ersten Kapitel seines jetzt auf Deutsch erschienenen Buches Tim und Struppi und das Geheimnis der Literatur die Frage: Handelt es sich bei Tim und Struppi um Literatur? Wenn man so beginnt, ist die nachfolgende Frage absehbar: Was ist eigentlich Literatur? Was macht etwas Geschriebenes „literarisch"?
Dass es sich bei Tim und Struppi um Literatur handelt, ist für McCarthy schnell entschieden. Die Frage ist ohnehin banal. In seinem Buch versucht er darzulegen, warum er dieser Ansicht ist. Man könnte auch sagen: Sein vordergründiges Anliegen ist es, dem Leser Tim und Struppi zu erklären, sein hintergründiges, ihm Literatur zu erklären. Seine stets wiederkehrenden Fragen: Wie funktioniert Literatur? Und exemplarisch: Wie funktioniert Tim und Struppi?
Um Antworten auf diese Fragen zu geben, stellt er sich auf die Schultern anderer großer Denker. Jacques Derrida und Roland Barthes spielen eine große Rolle bei McCarthys Deutungsansatz. Als Vergleichswerk zieht er immer wieder die Novelle Sarrasine von Honoré de Balzac heran, von der er ausgeht, dass Hergé sie gelesen und vielfach in Tim und Struppi verarbeitet hat.
McCarthys Buch gliedert sich in sieben Kapitel, die jeweils wiederum in drei oder vier Absätze unterteilt sind. In jedem Kapitel setzt der Autor einen anderen Schwerpunkt, legt sein Augenmerk auf ein anderes Detail aus dem Tim und Struppi-Universum. Die Biographie von Hergé und die historischen Umstände, unter denen die Geschichten entstanden, spielen zwar mit in die Betrachtung hinein, sind aber nicht ihr Ausgangspunkt. Im Wesentlichen untersucht McCarthy wiederkehrende Motive und versucht sie zu deuten. Die Motivdichte, die er herausarbeitet, bezeichnet er eingangs als „riesiges symbolisches Register“ und „eine erstaunlich reiche Quelle“. Obwohl er stets alle Tim und Struppi-Alben im Blick hat, scheint er ein besonderes Augenmerk auf Die Juwelen der Sängerin und einige andere gelegt zu haben.
Geld und Falschgeld, Juwelen, das Rauchen, der Wahnsinn, Zeichen und Stimmen, Gräber und die Sonne – alles wiederkehrende Motive aus Tim und Struppi, die McCarthy in einen gewaltigen Bedeutungsrahmen einsortiert. Damit McCarthys Analyse möglich ist, müssen zwei Grundannahmen gelten. Erstens: Hergé setzte sich in Tim und Struppi bewusst, aber nicht auf den ersten Blick erkennbar, mit Grundfragen der abendländischen Kultur auseinander. Zweitens: Die Tim und Struppi-Alben sind als ein abgerundetes Gesamtwerk zu verstehen. Wenn man diesem Pfad folgen möchte (und McCarthy belegt glaubwürdig und extrem fachkundig), dann gelangt man zu einer sehr freien, sehr geistreichen und sehr weitgefassten Betrachtungsweise von Literatur im Allgemeinen und von Tim und Struppi im Besonderen.
Ob man McCarthy auf wirklich jedem seiner Schritte folgen mag, sei hier bezweifelt. Vieles muss man einfach glauben. Doch auch mit dem Zweifel im Gepäck ist es erstaunlich, wie viele Belege der Autor im Werk aufzuzeigen weiß, um seiner Sache eine Grundlage zu geben. Der stete Unterton „Ich bin der Sehende, ihr die Blinden“ ist zwar manchmal ein wenig störend. Was außerdem zu bemängeln ist, aber wahrscheinlich mit den anfallenden Lizenzgebühren erklärt werden kann, ist das Nicht-Vorhandensein einer einzigen Abbildung im gesamten Buch. Insgesamt ist Tim und Struppi und das Geheimnis der Literatur jedoch fabelhaft zu lesen, keine leichte Strandlektüre, und dennoch so klar, unterhaltsam und verständlich, dass man auch als Laie eine Chance hat hineinzufinden. Andreas Leopold Hofbauer hat als Übersetzer sehr gute Arbeit geleistet, ebenso der Verlag mit Fadenheftung und mattem Hardcover-Einband. Ein gutes Buch, ein wichtiges Buch, ein souveräner und ernsthafter Ansatz, Comic-Literatur zu betrachten.
Wertung: ![]()
Souveräner und ernsthafter Ansatz, Comic-Literatur zu betrachten
Tim und Struppi und das Geheimnis der Literatur
Blumenbar Verlag, August 2010
Autor: Tom McCarthy
256 Seiten, Hardcover
Preis: 18,90 Euro
ISBN: 978-3-936738-61-2















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Rezensionen



India Dreams ist laut Klappentext „eine grandiose
Familiensaga im exotischen Indien". Erzählt wird die Familiengeschichte vor
allem von Emily Harrison, die allerdings eng mit ihrer Mutter und ihrer Tochter
verbunden ist, so dass man Indien durch die Erfahrungen und Augen dreier
Generationen von Frauen sehen lernt und so nach und nach die Lebens- und
Liebesgeschichten der Frauen nachvollziehen kann. In der deutschen Ausgabe werden die vier
Einzelalben zu einer Gesamtausgabe zusammengebunden.
Auf dem Cover blicken dem Leser vier Augenpaare entgegen. Die Augen gehören zu vier adrett in Schuluniformen gekleideten Kindern: zwei Jungen und zwei Mädchen, zwei Geschwisterpärchen. Etwas unsicher, aber auch entdeckungslustig, schauen die Augen in die Kamera, in ihre Zukunft, aber auch in eine mysteriöse Vergangenheit. Diese interessierten Beobachter sind die vier kleinen Hauptdarsteller von Image Comics' neuem Comic The New Brighton Archeological Society Book One: The Castle of Galomar von Autor Mark Andrew Smith (Aqua Leung, The Amazing Joy Buzzards, PopGun) und Zeichnerneuling Matthew Weldon; eine phantastische Reise im Comicformat, die junge Leser dazu einlädt magische Welten zu betreten und ältere Leser wieder daran erinnert, was es bedeutet die Welt mit Kinderaugen zu sehen.
- 08.03.2009
Der amerikanische Journalist Douglas Wolk dürfte den meisten
deutschsprachigen Comic-Liebhabern kaum ein Begriff sein. Auch in
Nordamerika ist Wolk dem Mainstream-Comicleser wohl eher ein
Unbekannter, da seine Rezensionen nicht auf den szene-üblichen
Webseiten veröffentlicht werden, sondern vielmehr in Publikationen wie
der New York Times, dem Rolling Stones Magazin oder auf Salon.com
erscheinen. Dort schreibt Wolk regelmäßig Beiträge zu den Themen Comics
- und Jazz. Seine Rezensionen zeugen von einer genauen Kenntnis des
Stoffes und belegen, dass Douglas Wolk kein eingestaubter Feuilletonist
ist, der notgedrungen das Medium Comics rezensiert, weil dieses immer
mehr zum „ernst zu nehmenden" Kulturgut wird. Wolk arbeitete bereits
als Jugendlicher in den 80er Jahren hinter der Kasse eines Comicladens
und ist ein großer Fan, wodurch er immer wieder voller Begeisterung von
Comics zu berichten weiß.
- 01.08.2009
In Teil 2 und 3 der chronologischen Gesamtausgabe von Mike Grells The Warlord spinnt der Autor die Abenteuer des US-Airforce-Piloten Travis Morgan weiter, der sich nach einem Manöver in der Arktis im fantastischen Reich Skartaris wieder findet. Als sagenumwobener Warlord schwingt sich Morgan zum ultimativen Freiheitskämpfer der sich im Inneren der Erde befindlichen Welt auf. Sein Antagonist: der despotische Herrscher Deimos.