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01.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Donnerstag, 07. Oktober 2010
Umso höher ist es Autor Gerard Way (Sänger der Band „My Chemical Romance“) anzurechnen, dass er die sicherlich bestehenden, hohen Erwartungen an seine zweite Erzählung mehr als erfüllen konnte. Ich möchte sogar so weit gehen zu sagen, dass „Dallas“ mich noch mehr beeindruckt hat als der erste Band. Way erweist sich hier abermals als brillanter Schreiber, der den Leser herausfordert und überrascht. An vielen Stellen geht er sogar noch radikaler und verworrener vor.
Die Mitglieder der Umbrella Academy sind dabei nicht als klassische Superhelden gekennzeichnet, sondern sind eigenbrödlerische Individualisten. Als Kinder wurden sie von einem schwerreichen Patriarchen adoptiert und als maskierte Einsatzgruppe gegen die globale Bedrohung augestellt. Jetzt, im Erwachsenenalter, sind sie verstreut, tragen keine einheitliche Kostümierung und kümmern sich nur noch bedingt um ihre Geschwister.
Zu Beginn von „Dallas“ scheint die Familie endgültig zersplittet. Doch dann schickt sie Gerard Way auf eine wahnwitzige Zeitreisemission: Einige Mitglieder der Umbrella Academy verschlägt es nach Vietnam, einen anderen in den Himmel und einer reist gleich doppelt nach Dallas, wo es darum geht, in das Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy einzugreifen. Doch die große Frage ist: Muss man die Geschichte ändern oder vielmehr sicherstellen, dass sie genauso abläuft?
Die Handlung ist mitunter verwirrend, dafür erfährt man einiges über die Hintergründe der Figuren. Durch eine Vielzahl von Nebenschauplätzen entfaltet sich ein skurriles Tableau an Erzählsträngen, die von Gerard Way gekonnt ins große Ganze eingepflegt werden. Zwei brutale Söldner mit quietschbunten Tiermasken, ein Mann mit gigantischem Affenkörper, ein sprechender Affe mit Punkfrisur und der gefährlichste Killer der Welt im Körper eines Grundschülers. Bei welcher anderen Comicreihe sind derartige Zutaten zu einem solch homogenen Brei vermixt?
The Umbrella Academy ist die Alternative zur breiten Masse an Superheldencomics. Die Serie besticht durch ausgereiftes Storytelling und Einfallsreichtum – fast könnte man meinen, Way wäre ein alter Hase im Comicgeschäft. Ist er aber nicht.
Nicht minder erwähnenswert sind seine Kollaborateure: Der brasilianische Künstler Gabriel Bá zaubert wunderbare Bilder (stlistisch irgendwo einzuordnen zwischen Eduardo Risso und Mike Mignola) und hat ein sehr gutes Gespür für die jeweilige Situation. Und mit Dave Stewart (u.a. B.U.A.P.) hat man einen der begehrtesten, und vor allen Dingen für diese Arbeit passendsten Koloristen verpflichtet.
Mithilfe dieser bewährten Kombination bewegt sich auch der zweite Band von The Umbrella Academy auf einem Topniveau. Die Story von „Dallas“ hat mir persönlich aufgrund ihrer Zeitreisekomplexität noch mehr als „Die Weltuntergangs-Suite“ gefallen.
The Umbrella Academy 2: Dallas
Cross Cult, September 2010
Text: Gerard Way
Zeichnungen: Gabriel Bá
192 Seiten, farbig, Hardcover; 22
Euro
ISBN: 978-3-941248-17-5
Brillante Story, paradox und
verschachtelt, garniert mit bizzaren Einfällen und grafisch toll umgesetzt















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Rezensionen

Ed Brubaker ist momentan sicher einer der omipräsentesten
Comicautoren auf dem deutschen Markt. Brubaker, der gerade zum zweiten Mal in
Folge den Eisner-Award als bester Autor erhielt, ist sowohl bei klassischen
Marvel-Helden wie Captain America, Daredevil oder den X-Men (auf Deutsch alle bei Panini), aber
auch für die creator-owned-Serie Criminal zuständig, deren erster Band
ebenfalls auf Deutsch bei Panini vorliegt. Der gerade erschienene One-Shot Point
Blank, der quasi ein Prolog zur Reihe Sleeper (deutsch bei Cross Cult) darstellt, zeigt Brubakers
Einstieg ins Wildstorm-Universum von DC.
Wir kennen das alle. Kaum ist man zu Hause, prompt wird in den
Nachrichten gesagt, dass es nun Weltfrieden gibt, jeder in Saus und
Braus lebt und der Hunger in der Welt de facto gegessen ist.
Schließlich wacht man doch auf und merkt, dass man wieder einen
dieser hyperrealistischen "Was wäre, wenn"-Träume hatte, die die Welt
auf den Kopf stellen.
- 28.05.2006

Mouse Guard handelt von einer organisierten,
vermenschlichten Gesellschaft der Mäuse im mittelalterlichen Jahr 1152. Als
Hauptfiguren dienen die drei Mitglieder der Mäusewache Lieam, Kenzie und Saxon,
die geschworen haben, das Reich der Mäuse zu schützen. Zu diesem Reich
gehören unter anderem auch das idyllische Städtchen Barkstone und die Festung Lockhaven.
Doch nicht nur, aus Sicht der Mäuse, riesige Schlangen und Krabben zählen zu
den Lebewesen, die zur direkten Bedrohung führen, auch untereinander führt die
Mäusezivilisation Krieg, denn die Armee der Schwarzen Axt macht sich auf den
Weg, Lockhaven einzunehmen. Die vielleicht letzte Rettung der drei Mäusewächter
ist ein lange verschollener, legendärer Krieger ...
Unter dem deutschen Titel Am Rande des Himmels erschien dieses Werk schon einmal, 1996 beim Carlsen Verlag. 15 Jahre später hat sich die Comiclandschaft stark verändert – ein Comic, der teilweise autobiografisch auf über 200 Seiten von Rassismus und Homosexualität, Politik und Gesellschaft erzählt, muss längst nicht mehr als exotische Besonderheit gelten, sondern passt formal und inhaltlich hervorragend in die mittlerweile etablierte Marktnische der "Graphic Novels". Grund genug für den Verlag Cross Cult, eine Neuauflage des vergriffenen Comics zu machen, diesmal unter dem englischen Originaltitel.