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von Benjamin Vogt Donnerstag, 07. Oktober 2010


 Seit Erscheinen des ersten Storybogens, „Die Weltuntergangs-Suite“ dürfte feststehen: Wenn man nur einen einzigen unverzichtbaren Superheldencomic benennen müsste, dann wäre es The Umbrella Academy. Nicht umsonst wurde die noch junge Serie nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande mit Lob geradezu überhäuft.

Umso höher ist es Autor Gerard Way (Sänger der Band „My Chemical Romance“) anzurechnen, dass er die sicherlich bestehenden, hohen Erwartungen an seine zweite Erzählung mehr als erfüllen konnte. Ich möchte sogar so weit gehen zu sagen, dass „Dallas“ mich noch mehr beeindruckt hat als der erste Band. Way erweist sich hier abermals als brillanter Schreiber, der den Leser herausfordert und überrascht. An vielen Stellen geht er sogar noch radikaler und verworrener vor.

Die Mitglieder der Umbrella Academy sind dabei nicht als klassische Superhelden gekennzeichnet, sondern sind eigenbrödlerische Individualisten. Als Kinder wurden sie von einem schwerreichen Patriarchen adoptiert und als maskierte Einsatzgruppe gegen die globale Bedrohung augestellt. Jetzt, im Erwachsenenalter, sind sie verstreut, tragen keine einheitliche Kostümierung und kümmern sich nur noch bedingt um ihre Geschwister.

Zu Beginn von „Dallas“ scheint die Familie endgültig zersplittet. Doch dann schickt sie Gerard Way auf eine wahnwitzige Zeitreisemission: Einige Mitglieder der Umbrella Academy verschlägt es nach Vietnam, einen anderen in den Himmel und einer reist gleich doppelt nach Dallas, wo es darum geht, in das Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy einzugreifen. Doch die große Frage ist: Muss man die Geschichte ändern oder vielmehr sicherstellen, dass sie genauso abläuft?

Die Handlung ist mitunter verwirrend, dafür erfährt man einiges über die Hintergründe der Figuren. Durch eine Vielzahl von Nebenschauplätzen entfaltet sich ein skurriles Tableau an Erzählsträngen, die von Gerard Way gekonnt ins große Ganze eingepflegt werden. Zwei brutale Söldner mit quietschbunten Tiermasken, ein Mann mit gigantischem Affenkörper, ein sprechender Affe mit Punkfrisur und der gefährlichste Killer der Welt im Körper eines Grundschülers. Bei welcher anderen Comicreihe sind derartige Zutaten zu einem solch homogenen Brei vermixt?

The Umbrella Academy ist die Alternative zur breiten Masse an Superheldencomics. Die Serie besticht durch ausgereiftes Storytelling und Einfallsreichtum – fast könnte man meinen, Way wäre ein alter Hase im Comicgeschäft. Ist er aber nicht.

Nicht minder erwähnenswert sind seine Kollaborateure: Der brasilianische Künstler Gabriel Bá zaubert wunderbare Bilder (stlistisch irgendwo einzuordnen zwischen Eduardo Risso und Mike Mignola) und hat ein sehr gutes Gespür für die jeweilige Situation. Und mit Dave Stewart (u.a. B.U.A.P.) hat man einen der begehrtesten, und vor allen Dingen für diese Arbeit passendsten Koloristen verpflichtet.

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Mithilfe dieser bewährten Kombination bewegt sich auch der zweite Band von The Umbrella Academy auf einem Topniveau. Die Story von „Dallas“ hat mir persönlich aufgrund ihrer Zeitreisekomplexität noch mehr als „Die Weltuntergangs-Suite“ gefallen.

 

The Umbrella Academy 2: Dallas
Cross Cult, September 2010
Text: Gerard Way
Zeichnungen: Gabriel Bá

192 Seiten, farbig, Hardcover; 22 Euro
ISBN: 978-3-941248-17-5

Gut

Brillante Story, paradox und verschachtelt, garniert mit bizzaren Einfällen und grafisch toll umgesetzt

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