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03.06.2012
(Vortrag/Diskussion)
von Benjamin Vogt Donnerstag, 30. Juli 2009
Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, Deutschland hat gewonnen.
Gelingen konnte ihnen dies allerdings nur, weil im Juni 1944, kurz vor dem Sieg
der Alliierten (zu dem es ja in der Realität dann auch kam), die nordischen
Götter wahrhaftig auftauchten und den Krieg zugunsten der Nazis entschieden.
Jahre später ist das erscheinen der Asen noch immer ungeklärt, die echte
Identität der Götter ungewiss. Die Nationalsozialisten sind nunmehr nur noch
formal die herrschende Gruppierung, denn eigentlich sind Odin und Thor die
amtierenden Machthaber. Amerika ist wie weite Teile der Weltkarte okkupiert
worden, lediglich verzweifelte Kampfhandlungen um die Freiheit führen wenige
US-Soldaten noch. Unter ihnen befindet sich auch Chris Turing, der sich zu Beginn des
Bandes in einem U-Boot mit dem verbündeten Loki befindet, derm einzigen der
Götter, der sich gegen seinesgleichen stellt.
Die Geschichte von The Life Eaters ist in einer Parallelwelt angesiedelt, deren Weltgeschehen ab 1944 komplett anders verläuft, als es unsere Geschichtsbücher zu berichten wissen. Romanautor David Brin schrieb eine fantastische Geschichte, die den nazistischen Hang zum Okkultismus (Bemühungen und Experimente dahingehend sind historische Tatsache) auf die Spitze treibt und die nordischen Götter Partei ergreifen lässt. Die Ausgangslage dieses Gedankenspiele ist brillant, zumal das Auftauchen der Asen sich kriegsentscheidend auswirkt und man zu sehen bekommt, was passiert wäre, wenn die Deutschen den Krieg gewonnen hätten (wobei man die in Brins Handlung prägenden Fantasy- und Sci-Fi-Elemente nicht in die Realität übertragen kann).
Die Story lässt sich grob in zwei Parts aufteilen: Zuerst
sieht man sich mitten in den amerikanischen Bemühungen des Widerstands,
vornehmlich wird dabei aus der Sicht Chris Turings erzählt, dessen Gedanken man
durch innere Monologe folgen kann und der den wahren Grund für den Holocaust und
die Hintergründe der Götterbeschwörung herausfindet. In Rückblicken lässt Brin
immer mal wieder durchblicken, was passierte, als die Asen auftauchten und wie
sich deren Eingreifen auswirkte. Die Szenen aus der Vergangenheit sind
spärlich, aber interessant genug, dass sie Lust machen mehr zu erfahren.
Leider verpasst The Life Eaters in der zweiten Hälfte die Chance, weiter an der Zeitgeschichte und den Hintergründen dieser Parallelwelt zu feilen. David Brin macht aus seiner Hauptfigur einen Heroen in einer fliegenden Rüstung (ähnlich Iron Man) und tangiert damit gleich zwei Klischees: das des patriotischen, amerikanischen Freiheitskampfes und das des amerikanischen Superhelden. Nur zu gut, dass der zweite Teil, auch wenn er meine Erwartungen nicht erfüllen konnte, noch weitere interessante Versatzstücke aufweisen kann: Nach Chris Turings Entdeckung zuvor, gelingt es auch anderen Kontinenten, ihre Gottheiten für sich kämpfen zu lassen. Der globale Götterkampf bietet demnach eine weitere Dimension für die Handlung und macht auch optisch viel her.
Und da wären wir auch schon bei der Beurteilung der
zeichnerischen Qualität. Scott Hampton (u.a. Batman, Sandman) ist für
diese verantwortlich und prägt mit seinen erdigen Gemälden den Stil des Comics.
Hamptons Arbeit besticht durch den von ihm gewohnten flächigen, aquarellen
Einsatz stimmiger Farben, die die feinen
Linien mal mehr, mal weniger überdecken.
Wer die Befreiung eines KZs durch Loki für eine unverzeihliche Fremdenteignung der Historie hält, den Holocaust durch seine im Buch dargestellte Erklärung bagatellisiert oder in dem provokanten Cover des Bandes, auf dem Hitler auf einem Berg von Soldatenleichen posiert, eine unnötige Verharmlosung und Benutzung der heiklen Thematik für eine Fantasiegeschichte sieht, der sollte einen großen Bogen um The Life Eaters machen. Wenn man sich jedoch bewusst wird, dass es hierbei eben nur um Fiktion geht und dass dabei auch keinerlei Nazi-Untat verherrlicht wird, dann kann man das Buch auch wirklich genießen. Und obwohl ich mir gewünscht hätte, dass die Handlung sich nicht aufs Ende zu derart stark auf das Actionmoment verlässt, so verbleibe ich mit einem guten Gesamteindruck, letztlich auch, weil etwaige schwächere Phasen allein schon durch die Bilder von Scott Hampton ausgeglichen werden.
The Life Eaters
Cross Cult,
Juni 2009
Text: David
Brin
Zeichnungen: Scott Hampton
160 S., HC-Album, vierfarbig, 25 Euro
ISBN:
978-3-941248-15-1
Abbildungen: © Cross Cult















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Wer bei dem Titel oder dem Cover erotische Bilder innerhalb einer
historischen Kulisse im Kopf hat, wird enttäuscht sein. Nein, im
Auftaktband "Der Verrat" der Fantasy-Serie Der Wald der Jungfrauen gibt es keine aufreizenden Posen oder unschuldige Frauen zu sehen. Jean Dufaux (Kreuzzug, Splitter 2008) und Béatrice Tillier (Fee,
Splitter 2008) inszenieren ein historisierendes Märchen- und Sagenepos,
das vom unerbittlichen Kampf zwischen Menschen und Wölfen handelt.
- 12.03.2010
Da haben wir einen Comic, der überzogene Gewaltdarstellungen mit unmöglichen Mördertitten kreuzt, in dem ein riesiger Scheißhaufen prominent in Szene gesetzt wird, Figuren "Hundeficker" genannt und Gesichter verspeist werden. Und die deutschen Medien überhäufen dieses Machwerk mit Lob.
Au Backe, was für ein Ziegelstein! Selten habe ich so einen massiven Comicband vor mir gehabt. In gewohnt guter Cross-Cult-Manier mit Hardcover und edlem Papier, aber nicht in handlichem DIN A5, sondern in gefühltem DIN A2 (dabei hat er in Wirklichkeit etwa DIN A4-Format) liegt einem der Klops schwer in der Hand. Genauso mächtig, wie er von außen daherkommt, so stark und kraftvoll ist der grafische Inhalt. Erzählerisch wird sie nicht jedem zusagen, die Geschichte eines Krieges, eines stark an die Sowjetunion angelehnt sozialistischen Staates und seiner Soldaten. Zu abstrus scheint einem Historie verwoben zu sein mit Zauberei, futuristischen Kriegsluftschiffen und pathetisch verblendeter Aufgabe der Individualität. Müsste man diesen Band auf ein Wort reduzieren, trifft es trotzdem dieses am besten: opulent.
Hellboy gehört zu den Comic-Serien, die sich in der Comicgate-Redaktion sehr großer Beliebtheit erfreuen. So ist es kein Wunder, dass der neue Band Seltsame Orte gleich von zwei Redaktionsmitgliedern besprochen wird: von Benjamin Vogt und von unserem Neuzugang Bastian Richelshagen.
- 06.07.2006
Es ist selten, dass über einen Comic so wenige Informationen existieren
wie bei diesem. Abgesehen vom Text auf dem Buchrücken, der auch auf der
Website von Kult Editionen zu finden ist, existieren so gut wie keine
Infos, weder zu Autor und Zeichner, noch zum Inhalt oder zum
Hintergrund der Geschichte.
- 08.05.2006