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von Benjamin Vogt Donnerstag, 30. Juli 2009

 Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, Deutschland hat gewonnen. Gelingen konnte ihnen dies allerdings nur, weil im Juni 1944, kurz vor dem Sieg der Alliierten (zu dem es ja in der Realität dann auch kam), die nordischen Götter wahrhaftig auftauchten und den Krieg zugunsten der Nazis entschieden. Jahre später ist das erscheinen der Asen noch immer ungeklärt, die echte Identität der Götter ungewiss. Die Nationalsozialisten sind nunmehr nur noch formal die herrschende Gruppierung, denn eigentlich sind Odin und Thor die amtierenden Machthaber. Amerika ist wie weite Teile der Weltkarte okkupiert worden, lediglich verzweifelte Kampfhandlungen um die Freiheit führen wenige US-Soldaten noch. Unter ihnen befindet sich  auch Chris Turing, der sich zu Beginn des Bandes in einem U-Boot mit dem verbündeten Loki befindet, derm einzigen der Götter, der sich gegen seinesgleichen stellt.

Die Geschichte von The Life Eaters ist in einer Parallelwelt angesiedelt, deren Weltgeschehen ab 1944 komplett anders verläuft, als es unsere Geschichtsbücher zu berichten wissen. Romanautor David Brin schrieb eine fantastische Geschichte, die den nazistischen Hang zum Okkultismus (Bemühungen und Experimente dahingehend sind historische Tatsache) auf die Spitze treibt und die nordischen Götter Partei ergreifen lässt. Die Ausgangslage dieses Gedankenspiele ist brillant, zumal das Auftauchen der Asen sich kriegsentscheidend auswirkt und man zu sehen bekommt, was passiert wäre, wenn die Deutschen den Krieg gewonnen hätten (wobei man die in Brins Handlung prägenden Fantasy- und Sci-Fi-Elemente nicht in die Realität übertragen kann).

 Die Story lässt sich grob in zwei Parts aufteilen: Zuerst sieht man sich mitten in den amerikanischen Bemühungen des Widerstands, vornehmlich wird dabei aus der Sicht Chris Turings erzählt, dessen Gedanken man durch innere Monologe folgen kann und der den wahren Grund für den Holocaust und die Hintergründe der Götterbeschwörung herausfindet. In Rückblicken lässt Brin immer mal wieder durchblicken, was passierte, als die Asen auftauchten und wie sich deren Eingreifen auswirkte. Die Szenen aus der Vergangenheit sind spärlich, aber interessant genug, dass sie Lust machen mehr zu erfahren.

Leider verpasst The Life Eaters in der zweiten Hälfte die Chance, weiter an der Zeitgeschichte und den Hintergründen dieser Parallelwelt zu feilen. David Brin macht aus seiner Hauptfigur einen Heroen in einer fliegenden Rüstung (ähnlich Iron Man) und tangiert damit gleich zwei Klischees: das des patriotischen, amerikanischen Freiheitskampfes und das des amerikanischen Superhelden. Nur zu gut, dass der zweite Teil, auch wenn er meine Erwartungen nicht erfüllen konnte, noch weitere interessante Versatzstücke aufweisen kann: Nach Chris Turings Entdeckung zuvor, gelingt es auch anderen Kontinenten, ihre Gottheiten für sich kämpfen zu lassen. Der globale Götterkampf bietet demnach eine weitere Dimension für die Handlung und macht auch optisch viel her.

 Und da wären wir auch schon bei der Beurteilung der zeichnerischen Qualität. Scott Hampton (u.a. Batman, Sandman) ist für diese verantwortlich und prägt mit seinen erdigen Gemälden den Stil des Comics. Hamptons Arbeit besticht durch den von ihm gewohnten flächigen, aquarellen Einsatz  stimmiger Farben, die die feinen Linien mal mehr, mal weniger überdecken.

Wer die Befreiung eines KZs durch Loki für eine unverzeihliche Fremdenteignung der Historie hält, den Holocaust durch seine im Buch dargestellte Erklärung bagatellisiert oder in dem provokanten Cover des Bandes, auf dem Hitler auf einem Berg von Soldatenleichen posiert, eine unnötige Verharmlosung und Benutzung der heiklen Thematik für eine Fantasiegeschichte sieht, der sollte einen großen Bogen um The Life Eaters machen. Wenn man sich jedoch bewusst wird, dass es hierbei eben nur um Fiktion geht und dass dabei auch keinerlei Nazi-Untat verherrlicht wird, dann kann man das Buch auch wirklich genießen. Und obwohl ich mir gewünscht hätte, dass die Handlung sich nicht aufs Ende zu derart stark auf das Actionmoment verlässt, so verbleibe ich mit einem guten Gesamteindruck, letztlich auch, weil etwaige schwächere Phasen allein schon durch die Bilder von Scott Hampton ausgeglichen werden.


The Life Eaters
Cross Cult, Juni 2009
Text: David Brin

Zeichnungen: Scott Hampton
160 S., HC-Album, vierfarbig, 25 Euro
ISBN: 978-3-941248-15-1

Optisch brillant, inhaltlich mit kleiner Schwäche

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Abbildungen: © Cross Cult

 



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